Interview

Max Moor erklärt die „arschlochfreie Zone“ um seinen Hof

Max Moor hat in der Doku „Planet Deutschland“ seine erste Kinorolle. Ein Gespräch über das Leben auf dem Land in Brandenburg, Friedrich Liechtenstein und sein neues Buch über seine Heimat Schweiz.

Foto: Amin Akhtar

Am Donnerstag kommt der Dokumentationsfilm „Planet Deutschland – 300 Millionen Jahre“ in die deutschen Kinos. Es ist Max Moors erste Rolle in einem Kinofilm. Der Buchautor und „Titel Thesen Temperamente“-Moderator lebt mit seiner Frau Sonja Moor, einst Filmproduzentin, auf einem Hof in Brandenburg. Wir treffen ihn im Einstein Stammhaus an der Kurfürstenstraße.

Berliner Morgenpost: Dieter oder Max Moor, wie nenne ich Sie denn nun?

Max Moor: Ja, Sie sollten Max Moor sagen, das ist jetzt offiziell. Ein offiziell im Pass eingetragener Künstlername.

Was ist denn an Dieter falsch?

Ich wollte immer schon Max heißen, habe Dieter nie gemocht. Verzeihung an alle Dieters. Die Frage müsste also eher lauten: Warum erst jetzt? Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, es ist soweit, mich umzubenennen. Als das bekannt geworden ist, haben manche Leute gedacht, ich hätte etwas zu verbergen - dem ist aber nicht so.

Kommen Sie gerade von Ihrem Hof in Hirschfelde, aus der „arschlochfreien Zone“, wie Sie Ihr Zuhause in Ihrem ersten Buch nennen?

Ich komme gerade aus der Provinz, ja. Aber selbstverständlich gibt es die arschlochfreie Zone nicht, ich bin selbst ja manchmal auch eins. Wenn zum Beispiel Leute bei uns klingeln und mal Wasserbüffel gucken wollen. Unangemeldet. Dann kann es zum Beispiel sein, dass ich doch leicht zum Arschloch werde. Aber mit der Zone kann man so tun, als ob es sie gäbe. bzw. sie selbst ausrufen. Das Arschloch-Verhalten auf dem Land ist schwieriger - es weiß ja jeder alles über den anderen.

Ihre Heimat, die Schweiz, haben Sie vor Jahren verlassen. Böse Erinnerungen?

Natürlich sind meine ganzen Kindheitserinnerungen mit meiner Heimat verbunden, auch mit fantastischen Momenten und Leuten, die mir begegnet sind. Aber problematisch finde ich, dass die Schweiz meint, es gebe außerhalb der Schweiz keine anderen Universen. Und wenn, sind diese feindlich und man kann sie draußen lassen. Eine Igelhaltung, die ich peinlich finde.

Woher kommt denn die?

Die Schweiz ist ein Auswandererland par excellence, aber das sie seit dem Zweiten Weltkrieg so tun, als wären sie was Besonderes, dieses „Wir sind besser als alle anderen“, das ärgert mich. Und momentan greift das wieder um sich. Sonst habe ich mit der Schweiz aber überhaupt kein Problem. Das Land hat eine hochinteressante Geschichte, wenn sie nicht gefälscht wird. Und davon habe ich ein wenig aufgeschrieben.

Ihr neues Buch soll aber keine Abrechnung mit der Schweiz werden, oder?

Nein, um Gottes willen. Das wäre ja auch wieder peinlich. Natürlich ist die Mentalität auch Thema, aber es sind auch sehr schöne Geschichten drin. Ein Atmosphären-Buch, keine Reportage.

Eigentlich wollte ich mit Ihnen über den Film sprechen, dem Sie Ihre Stimme geliehen haben. Klasse Aufnahmen - aber wo sind die Wasserbüffel von Ihrer Frau Sonja, die auf der Pfaueninsel stehen?

Ja, die hatten keinen Platz mehr, glaube ich. Aber die letzten 300 Jahre sind in dem Film auch nicht mehr so wichtig.

Der Spreewald, als von Ihnen so genanntes „Werk des Teufels“, wird gezeigt.

Sehen Sie, das habe ich schon wieder vergessen. Echt? Das Werk des Teufels nenne ich ihn da? Solche Sätze sage ich in dem Film? Ja, wenn man nichts macht, ist Wald. Wahrscheinlich meine ich damit, dass entsumpft wurde, Kohletagbau, Erdreich weg geschwemmt und jetzt ist alles orange. Aber so genau weiß ich das nicht mehr, die Ton- Aufnahmen haben wir vor fast einem Jahr gemacht.

Macht ja nichts. Erinnern Sie eine Lieblingsszene?

Was mir gefallen hat, sind die Relationen, die dargestellt werden. 300 Millionen Jahre in 90 Minuten zu zeigen. Dass es unendlich gebraucht hat, bis die Erde, die Menschen entstanden sind. Und generell gefällt es mir, zu zeigen, was für eine Macht die Natur ist. Und wie zäh das Leben.

Mir hat der Schwäbische Lindwurm gefallen.

Das ist doch interessant, dass dieser Lindwurm tatsächlich gelebt hat.

Aber was macht Friedrich "Supergeil" Liechtenstein in Minute 83 in diesem Film?

Keine Ahnung, was macht er denn da?

Er läuft durchs Bild. Zumindest sieht er so aus. Und es geht um den modernen Mensch.

Vielleicht ist es Friedrich Liechtenstein, ja!

Wer kam denn auf die Idee, Sie einen Kinofilm sprechen zu lassen?

Die Macher des Films. Und ich war sofort begeistert. Ein längerer Nachmittag war das, dann war er schon gesprochen.

Sind Sie oft in Berlin? Oder fahren Sie direkt nach den Aufnahmen zurück nach Hirschfelde? Wo Ihre Frau Ihre Tiere selbst auf der Weide erlegen darf?

Ja, das nennt sich Kugelschuss auf der Weide. Die einzige stressfreie Möglichkeit, ein Tier zu töten. Die Erlaubnis hat sie nach einem kompliziertem Vorgang von der Behörde bekommen. Wir haben das Glück, einen Freund zu haben, der Jäger ausbildet. Der hat auch noch nie ein Tier geschossen, ohne dass das seinen Grund hatte. Wenn man dann morgens auf die Weide geht, ist das immer ein magischer Moment. Ich glaube, das Aussuchen ist das Schwierigste für Sonja, welches Tier dran ist. Ich könnte das nicht. Ich bin dann doch zu feige. Aber es ist doch viel besser, wie Sonja es macht, als die Tiere mit Angst in eine Laster zu jagen und Ihnen die Hölle mit Fahrt und Schlachten zuzumuten.