Musik

Talisco und das merkwürdige Verhalten der Berliner am Morgen

Der französische Sänger Talisco ist temporär an die Spree gezogen. So richtig versteht er die Berliner aber noch nicht. Manche von ihnen gehen sogar morgens nach dem Aufstehen in einen Club.

Foto: Massimo Rodari

Was genau hinter seinem Künstlernamen steckt, will Jérôme Amandi alias Talisco nicht verraten. „Es ist eine Hommage an einen Menschen, der mir viel bedeutet. Der Rest bleibt ein Geheimnis“, sagt der Sänger und blinzelt in die Sonne. Es ist der Morgen nach seinem ersten Konzert in Deutschland. Im „Bi Nuu“ am Schlesischen Tor hat der Franzose dem Berliner Publikum seinen Song „Your Wish“, der sich gerade zum Radio-Hit mausert, und das dazugehörige Album „Run“ präsentiert. Es war eine lange Nacht und vermutlich nicht die letzte dieser Art.

Schließlich ist Talisco, der in Bordeaux geboren wurde und heute in Paris zu Hause ist, gerade für eine Weile nach Berlin gezogen, um sich von der Stadt inspirieren zu lassen. „Bisher habe ich außer Bars aber noch nicht viel gesehen“, gibt er zu. Dabei sei er eigentlich gar kein Nachtmensch. „Ich bin gern früh wach. Wenn ich erst am Nachmittag aufstehe, habe ich ja nichts mehr vom Tag“, so der Musiker. Das Ausgehverhalten der Berliner sei ihm deshalb bisher noch ein Rätsel: „Die Leute hier stehen morgens auf und gehen dann in den Club, das ist verrückt. Das Einzige, was ich morgens nach dem Aufstehen brauche, ist Kaffee.“

„Die Leute sind sehr entspannt“

Trotzdem fühlt sich Talisco in seinem temporären Neuköllner Kiez, wo er mit seiner Band in einer WG wohnt, bereits rundum wohl. „Ich mag die Atmosphäre. Die Leute sind sehr entspannt“, sagt er. Dabei habe er sich gar nicht selbst entschieden, nach Berlin zu gehen: „Die Musik hat für mich entschieden.“

Das Projekt Talisco gibt es seit etwa einem Jahr. Musik gemacht hat Jérôme Amandi jedoch schon fast sein ganzes Leben lang. „Ich habe meinen ersten Song mit 13 geschrieben“, erzählt er. Mit Anfang 20 legte er seinen Traum von einer Musikerkarriere jedoch aus finanziellen Gründen für fast zehn Jahre auf Eis und verdiente sein Geld in einer Kommunikationsagentur. „Das war ein guter Job, aber vor drei Jahren bin ich morgens aufgewacht und habe gedacht: Musik fließt in meinen Adern, ich sollte es noch einmal versuchen.“ Das hat er sich auch für einen morgendlichen Ausflug in einen Berliner Club vorgenommen: „In Paris habe ich schließlich nicht die Möglichkeit dazu.“