Synchronsprecher

Henning Baum ist ein Mann wie ein Hubschrauber

Seine Fans lieben Henning Baum als „Der letzte Bulle“. Jetzt beweist er, dass er auch Kinderfilm kann. Im Disney-Streifen „Planes 2- Immer im Einsatz“ ist er die Synchronstimme eines Hubschraubers.

Foto: KRAUTHOEFER

Eigentlich ist Henning Baum mit seiner außergewöhnlichen Stimme perfekt als Synchronsprecher geeignet. Dennoch leiht der Hauptdarsteller aus der Sat.1-Serie „Der letzte Bulle“ in dem Disney-Film „Planes 2“ erstmals einem Charakter seine Stimme: dem Rettungshubschrauber „Blade Ranger“.

Wir haben mit ihm über seinen Lieblingsfilm „Aristocats“, Vorbilder und seine großen Idole Heinz Hoenig und Ed Harris gesprochen.

Berliner Morgenpost: Mit Ihrer markanten Stimme sind Sie ja eigentlich hervorragend als Synchronsprecher geeignet. Wieso habe ich bei meinen Recherchen bislang nichts von Ihnen finden können?

Henning Baum: Das werden Sie auch nicht, weil ich noch nichts gemacht habe. Wenn überhaupt, dann habe ich mal mich selbst synchronisiert. Aber ich habe noch nie einer großen Rolle im Film meine Stimme geliehen.

Jetzt ist Ihre erste große Rolle die des Rettungshubschraubers „Blade Ranger“ im Animationsfilm „Planes 2“ geworden. Ein interessanter Einstieg ins Business...

Naja, da hat sich jemand bei Disney gedacht: „Der passt doch ganz gut, der Baum.“ Ich habe das Angebot sehr gern angenommen. Der Charakter ist ja immerhin ein interessanter, sehr komplexer Typ.

Erzählen Sie doch ein bisschen von der Figur!

„Blade Ranger“ ist so etwas wie der Mentor der Hauptrolle, dem kleinen Rennflieger „Dusty“, der sich nach einem Getriebeschaden komplett neu orientieren muss. Und auch wenn es sich hier um einen Animationsfilm handelt, ist klar, dass es solche Menschen, solche Rettungshubschrauber, auch im echten Leben gibt.

Was meinen Sie damit?

Menschen wie „Blade Ranger“ stutzen einem die Flügel, wenn man meint, man könnte das Leben im Handstreich nehmen. Aber sie helfen dir auch auf die Sprünge, wenn etwas schief gelaufen ist.

Kennen Sie das in Ihrem Beruf auch? Sind Sie mal in die Rolle eines Mentors geschlüpft?

Ich persönlich würde mich da immer zurück nehmen. Aber klar, wenn jemand meinen Rat haben möchte, gebe ich ihm einen. Das ist bei mir ja auch immer so gewesen.

Wer war oder ist Ihr Mentor?

Ich habe vor zwei Jahren einmal mit dem großen Heinz Hoenig drehen dürfen. Ich verehre ihn und halte ihn für einen der größten deutschen Schauspieler. Kaum einer hat diese Energie, die er mit seiner Arbeit verkörpert. Und mit ihm zusammen zu arbeiten, mit ihm über die Arbeit zu sprechen, war für mich eine große Bereicherung.

Wo wir gerade bei den großen Schauspielern sind. „Blade Ranger“ wird im Original von Hollywood-Star Ed Harris gesprochen...

Das fand ich so super! Ich habe es aber erst erfahren, als ich schon fast mit der Arbeit durch war. Ich finde, auch er ist ein ganz toller Schauspieler, zu dem ich immer aufgeschaut habe. Der in seiner ganzen Persönlichkeit ein sehr inspirierender Kollege ist.

Wie stehen Sie grundsätzlich zu Animationsfilmen? Viele sagen, die alten Zeichentrickfilme hätten mehr Charme als die neuen, die mit Computern hergestellt werden.

Ich weiß nur, dass die Zeichentrickfilme von früher sehr mühsam in der Produktion waren und es wahrscheinlich einfacher ist, einen Film mit dem Computer herzustellen. Ich persönlich kann nicht sagen, was besser oder schlechter ist.

Ist den Machern „Planes 2“ gut gelungen?

Ich finde, die Figuren sind sehr gut gelungen. Die Charaktere sind sehr plastisch, das empfindet man auch als erwachsener Zuschauer so.

Apropos traditionellen Zeichentrickfilme! Welcher ist Ihr Lieblings-Disney-Film? „Cinderella“, „Das Dschungelbuch“? Da hat doch jeder seinen Favoriten, oder?

„Dschungelbuch“ habe ich später erst gesehen, genau wie „Cinderella“. Sehr in Erinnerung geblieben ist mir aber „Aristocats“. Den habe ich in den 70ern im Kino gesehen. Der war super.

Was war daran so gut?

Da gab es doch diesen wunderbaren Tomas O’Malley und seine Gang. Der irische Straßenschläger-Kater. Und von dem war Duchesse, die Katzendame aus gutem Hause, so wahnsinnig begeistert. Am Ende verknallt sie sich ja auch in ihn, glaube ich...

„Planes 2“ kommt am kommenden Donnerstag in die Kinos. Sollten Eltern ihn sich mit ihren Kindern anschauen? Können Kinder ihn verstehen, selbst, wenn es eine erwachsene Story ist?

Ich finde, es ist eine universale Geschichte, eine Heldenreise des kleinen „Dusty“. Der sein vertrautes Umfeld verlassen muss, weil eine Krise da ist. Und die muss er überstehen und entwickelt sich dabei.

Meinen Sie, Kinder können sich damit identifizieren?

Vielleicht nicht bewusst, aber sie verstehen, worum es geht. Auch Kinder wissen ja, zum Beispiel wenn sie in die Schule kommen, dass sich das Leben um sie herum verändert. Dass sie sich neue Verbündete suchen und Aufgaben bewältigen müssen. Und wenn sie scheitern, dann kommt es eben darauf an, ob da ein Mentor ist, der sie auch wieder aufrichtet, aber auch eine gewisse Strenge hat. So ist das auch im Film. Der bietet genug Bezugspunkte für Jung und Alt.

Obwohl „Dusty“ ja die eigentliche Hauptrolle ist, hat Ihr Charakter „Blade Ranger“ ja durchaus auch eine sehr spannende Entwicklung hinter sich...

Oh ja, er ist ein gebrochener Charakter. Ein Actionfilm-Star, der auch eine Krise erlebt hat. Und jetzt geht er voll in seiner Rolle auf und kämpft als Rettungshubschrauber um Leben und Tod.

Ein Held also, als die Polizisten und Feuerwehrmänner ja gern angesehen werden. Besonders von Kindern. Wollten Sie früher auch mal so ein Held sein?

Ich habe als Kind Räuber und Gendarm gespielt. Rettungshubschrauber-Pilot war jetzt nicht meine erste Wahl, aber natürlich eine spannende Sache. Man hat mal dies mal das toll gefunden. Ritter, Cowboy, Zorro, Yedi-Ritter. Was man halt so spielt.

Sie sind also schon immer gern in andere Rollen geschlüpft?

Ich glaube, das Reindenken in andere Charaktere ist Teil der Kindheit. Als Erwachsener wird das weniger, wenn, dann kann man das durch andere Kleidung machen. Oder es eben professionell betreiben, wir als Schauspieler zum Beispiel. Körper, Gestalt aussehen wird so verändert, dass man ein komplett anderer Mensch ist...

Oder eben ein Rettungshubschrauber...

Oder eben das! Aber das geht ja auch nur, weil im Film dieses Flugzeug einen eigenen Charakter bekommen hat, den ich angenommen habe. Ein toter Gegenstand wird dadurch beseelt und bekommt Persönlichkeit.

Wie kann denn ein Flugzeug eine Persönlichkeit bekommen?

Naja, neben dem Sprechen ja auch durch die Mimik und Gestik, die in diesem Film besonders gut gelungen sind, wie ich finde.

Kennen Sie die Kollegen, die die anderen Rollen gesprochen haben?

Nein, man trifft sich nicht. Man ist ja als Sprecher allein in einer dunklen Kammer. Man kennt den Tonregisseur, die beteiligten Auftraggeber. Und ich hatte Glück, den Regisseur des Films kennenzulernen. Das war aber eher Zufall.

Sehr einsam im Vergleich zu den Dreharbeiten, die sie sonst gewöhnt sind, oder? Maximilian Grill sagte einmal, sie und ihr Team bei „Der letzte Bulle“ hätten sehr viel Spaß am Set?

Wir haben nicht nur Spaß, sondern der Spaß stellt sich ein, weil wir so gut miteinander spielen können. Wir sind beide sehr konzentriert, aber wir suchen auch gemeinsam den Weg zu einem guten Ergebnis. Wir inspirieren uns gegenseitig. Das kann dann sehr lustig sein. Die Improvisation ist was ganz Wichtiges. Und deshalb sind dann unsere Charaktere auch nicht stereotyp, das vermeiden wir damit.