Fernsehstar

Berliner Constantin Schreiber macht Karriere bei Ägyptens TV

Mit „Scitech“ begeistert Moderator Constantin Schreiber die ägyptischen Fernsehzuschauer. Seine Sendung ähnelt „Galileo“. Eigentlich kommt Schreiber von „n-tv“. In Ägypten ist er ein Star.

Foto: Constantin Schreiber / Amanda Mustard

Blonde Haare, blaugraue Augen. Kein Zweifel – Constantin Schreiber ist Europäer. Und dann macht der 35-Jährige den Mund auf und spricht fließend arabisch. Gut synchronisiert vielleicht? Nein. Constantin Schreiber kann es wirklich. „Mir wird immer gesagt, dass das gesprochene Wort nicht zu meinem Aussehen passt“, sagt der Fernsehmoderator und lächelt. „Für viele ist es total verwirrend, dass jemand, der offensichtlich aus Europa stammt, in einer Sendung fehlerfrei arabisch spricht.“

Die Sendung, von der Constantin Schreiber spricht, hat dem Berliner Fernsehmoderator, der eigentlich in den Nachrichten bei „n-tv“ zu sehen ist, den Durchbruch im arabischen Fernsehen beschert. Rund 3,8 Millionen Ägypter erreicht der Sender „ONTV“, vergleichbar mit dem deutschen Privatsender RTL, mit jeder Folge der Wissenschaftssendung „Scitech – die Welt von morgen“.

Wir treffen den Moderator an diesem Tag zum Interview im Café Einstein am Savignyplatz in Charlottenburg. Gerade erst ist er aus Kairo zurückgekommen, hat dort innerhalb einer Woche mit seinem Team, das sowohl aus ägyptischen als auch aus deutschen Journalisten besteht, acht Folgen abgedreht. Die Sendung sei vergleichbar mit „Galileo“, erklärt Constantin Schreiber. Naturheilmedizin, Astrologie, technische Neuerungen. All das seien Themen, die in der Produktion, die zum Teil vom Auswärtigen Amt mitfinanziert wird, behandelt werden. 2011 startete das Team um Schreiber mit den ersten Pilotfolgen – und mit seinen Sprachkenntnissen ist der Berliner mit dem freundlichen Lächeln die richtige Besetzung für den Job vor der Kamera gewesen.

Schreiber lebte eine Zeitlang in Syrien

„Ich habe eine Zeitlang in Syrien gelebt, dort die arabische Sprache kennengelernt und sie mir dann in den darauffolgenden Jahren alleine angeeignet“, erzählt Schreiber. In Deutschland studierte er Jura und konnte bereits während der Ausbildung im Rahmen eines Praktikums das Leben in Ägypten kennenlernen. Bei einer Handelsgesellschaft in Port Said prüfte er Verträge, unterstützte die Mitarbeiter in ihrer Kommunikation mit Deutschland. „Das war schon abenteuerlich, weil die dort ganz anders gearbeitet haben, als man es aus Deutschland gewohnt war. Jeder Schritt ist schwerer“, sagt er rückblickend. Zurück in Deutschland schaltete er immer mal wieder beim arabischen Sender „Al Jazeera“ rein, las arabische Zeitungen und perfektionierte autodidaktisch so seine Sprache. „Vor dem 11. September haben mich alle gefragt, was ich denn mit der arabischen Sprache will. Man sollte doch lieber Chinesisch lernen oder so. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet und ich habe viele Vorteile“, sagt Constantin Schreiber. „Ich glaube, mein Hocharabisch ist ganz gut. Natürlich habe ich auch einen Akzent, aber kaum jemand in den arabischen Ländern hat eine perfekte Aussprache.“

Und genau das fasziniert die Ägypter an Constantin Schreiber. Häufig werden er und sein Team in der Öffentlichkeit angesprochen, berichtet er. Kein Wunder: Zeitweilig hingen sogar Werbeplakate in Kairo aus, um die Wissenschaftssendung noch bekannter zu machen. Auch in ägyptischen Talkshows war der Berliner bereits als Gast geladen, weil er im TV so anders ist als seine Kollegen. „Die Fernsehmoderatoren in Ägypten sehen komplett anders aus als ich, sind geschminkt“, sagt der Berliner. „Ich bin da eine Art Exot im positiven Sinne.“

Viele Frauen schreiben Schreiber - um ihm „alles Gute“ zu wünschen

Gefährlich wurde es für den Moderatoren und sein Team während der Arbeit bislang noch nie, obwohl Schreiber in der Vergangenheit von „krassen Horrorgeschichten“ von Kollegen gehört habe. „Ich persönlich habe noch keine wirklich brenzlige Situation erlebt“, sagt er. „Das kann aber auch daran liegen, dass ich für das ägyptische Fernsehen arbeite – und keine Politikberichterstattung mache.“

Auf die Frage, ob er viele weibliche Fans in Ägypten habe, reagiert Constantin Schreiber bescheiden. „Ja, ich kriege Fanpost in Deutschland und in Ägypten“, sagt er, stellt aber einen Unterschied fest. Die Frauen in Ägypten seien zurückhaltender als die deutschen Fans. Statt sich sofort treffen zu wollen, hätten viele in Ägypten oft nur ein Anliegen: Constantin Schreiber einfach nur „alles Gute“ zu wünschen.

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