Fashion

Schnecken im Einsatz für Designer Guido Maria Kretschmer

Bei einer Lookprobe in der Friedrichstraße bereitet sich Modeschöpfer Guido Maria Kretschmer auf die nächste Mercedes-Benz Fashionweek vor. In Berlin sei alles etwas anders und alles „Ready to wear“.

Foto: BREUEL BILD/Daniel Hinz / picture alliance

Die aktuelle Kollektion ist in Guido Maria Kretschmers Garten gewachsen. 2000 eigene Quadratmeter Grün vor der Haustür in Grunewald inspirierten den Designer bei der Entstehung des neuen Looks, den er bei der kommenden Fashion Week zeigen wird. Kretschmer hat nämlich nicht nur ein Händchen für Mode, sondern auch einen grünen Daumen.

Bei der Lookprobe in der L’Oréal Professionnel Académie Berlin werden am heutigen Donnerstag Frisuren und Make-up für die Modewoche getestet. Kretschmer steht inmitten von Mädchen, Make-up-Fläschchen und Haarstyling-Utensilien und schwärmt von Funkien. Funkien, erzählt der passionierte Hobbygärtner, die erst ein Schattendasein fristeten und dann aus dem Nichts kämen in den herrlichsten Grün- und Grautönen, das seien ganz besondere Pflanzen, die ihn bei den jüngsten Entwürfen für den Sommer inspiriert hätten. „Sol y Sombra“ – „Licht und Schatten“ – heißt die neue Linie des 49-Jährigen. 260 Teile in dezenten Tönen umfasst die Kollektion: schwarz, grauschwarz, weiß, dunkles Seegrün, zartgrüne Highlights – Funkienfarben eben.

Eine Auswahl der Stücke aus „Sol y Sombra“ will der Designer mit dem Pflanzenfaible auf der Fashion Week präsentieren. Dabei hätte er sich „völlig neu erfunden“ und: „Meine Mode war früher nicht available für alle Menschen. Das ist jetzt anders. Ich mache jetzt auch ‚light Couture’ – günstig genug, damit man die auch kaufen kann. Alles ist demokratischer geworden. Losgelöst davon gibt es auch eine High-End-Fashion-Linie, die in Hollywood getragen werden soll, von Stars wie Salma Hayek oder Karolina Kurkova.“

Aber hier in Berlin, da sei das alles etwas anders. „Ready to wear“ eben und das werde man auch bei seiner Schau sehen, die zum ersten Mal im Erika-Heß-Eisstadion in Wedding stattfinden wird, weil die Fußballfans das Areal um das Brandenburger Tor für sich beanspruchen. Kretschmer freut sich auf den Wedding. Und nicht nur darauf – bald will er einen Flagship-Store in Berlin eröffnen. Wo genau, will er noch nicht verraten, aber: „Auf jeden Fall in einer großen Straße!“ Vielleicht in der Nähe der L’Oréal-Akademie? Hier, in der Friedrichstraße, findet Kretschmer zusammen mit seinen Kollegen für Haare und Make-up das passende Styling der Models für die „Sol y Sombra“-Schau am Mittwochabend.

Der Lockenzopf „sieht hammer aus“

André Märtens, Head of Hair bei der Fashion Week, testet gerade, wie ein fluffiger Pferdeschwanz auf dem Kopf eines zierlichen Mädchens wirkt. „Beach Waves“ seien schon noch angesagt, verrät der Experte, der schon viele Jahre mit Kretschmer befreundet ist, „aber nicht übertrieben crunchy. Glanz, Locken, aber natürlich.“

„Das sieht hammer aus“, kommentiert Kretschmer den lockigen Zopf des Modells und lässt es probehalber einmal durch den geräumigen Salon wie auf dem Catwalk auf und ab laufen. Er vertraut seinen Kollegen, man versteht sich, hört aufeinander. „Die Guten sind nie Primadonnen“, sagt Kretschmer gerade und spielt damit auf das entspannt-heitere Arbeitsklima bei der Lookprobe an, als ihm ein freundlicher Mann mit schwarzen Locken und knallgrüner Hose einen Kaffee reicht. Es ist Boris Entrup, bekannt als Visagist aus „Germany’s Next Topmodel“ und seit vielen Jahren Head of Make-up bei der Fashion Week. „Ich wollte immer wie Boris sein“, schwärmt Kretschmer über seinen langjährigen Kollegen und Freund, „er ist so süß, wirklich gut gelungen!“ Rund 1000 verschiedene Make-ups verantwortet der „gut gelungene“ Styling-Profi bei der Modewoche.

Den Look für Guido Maria Kretschmer dominieren, natürlich, Licht und Schatten: Die Konturen im Gesicht wird Entrup betonen, das Licht soll sich auf den Wimpern brechen, Pastelltöne werden dominieren. Fuchsia sei auch ein Thema auf Augenlidern und Lippen im kommenden Sommer, verrät Entrup. Aber nicht bei Kretschmer. Da ist es eindeutig die Funkie, die in der kommenden Sommersaison alle begeistern soll.

Eine begeisterte Anhängerschaft hat die Pflanze bereits: Den Schnecken in Kretschmers Garten gefielen die Funkien so gut, dass sie einen Großteil des Gewächses verspeisten. Doch der Hobby-Gärtner ließ Milde walten. Statt die Schnecken zur Schnecke zu machen, ließ er sie für sich arbeiten. Das Ergebnis wird am Mittwoch zu sehen sein. Denn die zerfressenen Funkien, durch deren löchrige Blätter das Sonnenlicht fiel und hübsche Muster warf, inspirierten Kretschmers Prints bei „Sol y Sombra“. Schneck sei Dank!

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