Es ist ein sich immer, immer wieder und wieder wiederholendes Phänomen. Die Mutter kleidet sich zu jung und damit unangemessen. Die Tochter versucht, sich dagegen mit besonders viel Dezenz und Grauem-Maus-Verhalten von der schrillen Mutter zu distanzieren. So gerät die Tochter in die Rolle der Vernünftigen, der Erzieherin, die die Mutter immer wieder ermahnt, sich doch anständig zu kleiden. Und die Mutter nimmt die Rolle des rebellierenden Teenagers ein. Aus welchem Grund auch immer.

In genau solche Familiensituationen wird Designer Gudio Maria Kretschmer gerufen und genau dort beginnt die neue RTL-Verwandlungsshow „Hotter than my Daughter“ zwei Mal pro Sendung.

In der Folge am Mittwochabend rufen ihn zunächst die 26-jährige Cornelia und die 52-jährige Maritha, Tochter und Mutter. Die Junge ist unscheinbar, groß und tolpatschig, Typ „Schleicher“, so Kretschmer. Die Ältere ein Totalausfall, rotes Haar, herbes Gesicht, groß und geschmacklos gekleidet in billigen Stoffen und Lack, farblich trägt sie alles, was auffällt.

Und an diesem ersten zu beratenden Paar zeigt sich gleich, warum Kretschmer als Moderator so beliebt ist. Auch einen optischen Härtefall wie Maritha behandelt er stets achtungsvoll und beschreibt sie liebevoll als „Walküre“.

Bei der Anprobe erklärt er ihr: „Ich habe dir jetzt mal dieses schwarze, fließende Kleid gezeigt, um dir zu zeigen, dass man auch darin sexy aussehen kann.“ Und: „Wenn ich helfen kann, sag‘ Bescheid.“ Um dann in Richtung Kamera hinzuzufügen: „Was mache ich nicht alles für die Klamotte.“

Die Rollen sind getauscht und alle sind glücklich

Später beteuert der Designer auch noch einmal: „Ich mache Mode, weil es solche Frauen wie Conny und Maritha gibt.“ Ach ja, wie schön. Beim großen Finale treffen Mutter und Tochter aufeinander, nach Outfit-Beratung durch den Meister, Kosmetik und Friseurbesuch bei seinen Show-Assistenten. Beide sehen jetzt „wunderschön aus“, sagt Kretschmer.

Als der Vorhang fällt und Maritha und Cornelia aufeinander treffen, freuen sie sich. Maritha trägt ein zwar rotes, aber schnittmäßig ihrem Alter angemessenes Kleid. Ihr Gesicht sieht weicher aus, auch die Haare sind nicht mehr ganz so grell. Guido findet, sie sähe sogar ein bisschen wie Schlager-Star Andrea Berg aus. Für sie ist das ein Kompliment. Und die Tochter trägt ihr ehemals blondes Haar nun dunkelbraun, mähnig und toupiert, dazu ein enges Kleid, blickdichte Strumpfhose und Lederjacke. Was die Mutter zu viel hatte und die Tochter zu wenig, wurde nun vom „Style-Gott“ besser verteilt.

Das zweite Paar ist hübscher, aber auch keine leichte Aufgabe. Lola, 33, Brasilianerin, ist ihrer Tochter Laeticia, 14, so was von peinlich, weil sie sich in der bayrischen Provinz so wie an der Copacabana kleidet. Motto: Hauptsache kurz und knapp. Kretschmer bringt gleicht mehrfach die Bemerkung: „Wenn das Kleid nur ein bisschen verrutscht, ploppen die da raus.“ Gemeint sind die Brüste von Lola, die nicht das einzige sind, was gemacht ist.

Dann wieder Beratung, Kosmetik und Haare. Und Lola trägt im Finale ein dunkelgrünes Kostüm, eng aber knielang, Typ „First Lady“, ihre Haare sind nun kinnlang. Ein Erfolg. Die Tochter trägt weiße Shorts, Blazer und ein Ringel-T-Shirt, ihre lockige Mähne ist nun glattgeföhnt. Kretschmer: „Aus Laeticia ist nun eine junge, moderne Frau geworden.“

Ist das nun alles wichtig? Nein. Aber für eines muss man Guido Maria Kretschmer nun doch dankbar sein. In der ersten Sendung nämlich hat er sich kurz über das modische Must-Have des Sommers ausgelassen: Die Jeans-Shorts. Kretschmer: „Nein, nein. Es gibt Sachen, da kann mal schon mal auf jung machen. Aber Jeans–Shorts? Das ist schon echt für junge Puppen gemacht. Für meinen Point of view.“ Wenn diese Botschaft nur ein paar Härtefälle mehr erreicht hat, kann es gern noch wärmer werden.