Happiness-Kongress

Was Palina und Eckart von Hirschhausen glücklich macht

Was bedeutet Glück? Das wollen Palina Rojinski und der Kabarettist Eckart von Hirschhausen beim Happiness-Kongress ergründen. Wir haben mit ihnen über ihr Verständnis von Glück gesprochen.

Foto: Scheffler

Berliner Morgenpost: Herr von Hirschhausen, was reizt Sie daran, beim Happiness-Kongress mitzuwirken?

Eckart von Hirschhausen: Viele internationale Forscher aus der positiven Psychologie treffen hier am Expertentag zum ersten Mal in Deutschland aufeinander. Ich freue mich, die Menschen „in echt“ kennen zu lernen, deren Studien ich in meinem Buch „Glück kommt selten allein“ allgemeinverständlich zugänglich gemacht habe. Aus der Forschung ergeben sich viele praktische Forderungen für die Politik, die Wirtschaft und jeden einzelnen. Und obwohl es erklärtes Regierungsziel ist, geht es in Deutschland noch nicht richtig voran in der Umsetzung. Von dem Kongress wird vielleicht kein ganzer Ruck durchs Land gehen – aber ein kleines Lächeln wäre doch auch schon schön!

Glück ist ein sehr großes Wort mit vielen Bedeutungen. Sicherlich haben Sie sich im Vorwege gefragt, was Glück überhaupt ist. Haben Sie eine Antwort darauf gefunden?

Palina Rojinski: Das muss wahrscheinlich jeder für sich herausfinden. Von den Happiness-Forschern habe ich gelernt, dass man „lucky“ sein kann – im Sinne von „Glück haben“ – und wirklich „happy“, also lebensfroh. Wer happy ist, hat wohl das Entscheidende verstanden: Dass das Leben einmalig ist und man es für sich so positiv wie möglich gestalten sollte.

Können Sie uns als Mediziner erklären, was im Körper passiert, wenn ein Mensch glücklich ist? Welche Rollen spielen dabei die Biologie und welche die Psychologie?

Eckart von Hirschhausen: Die Auswirkungen von Stress und negativen Gefühlen sind bestens bekannt und viel wurde untersucht, was uns krank macht. Erst in den letzten 30 Jahren wurde die Frage umgedreht: was hält uns gesund? Positive Gefühle, Humor und starke soziale Bindungen – um nicht zu sagen Liebe – sind ganz wichtige Faktoren für die körperliche und seelische Gesundheit und stärken die „Resilienz“, unsere Widerstandskraft gegen Schicksalsschläge. Messen kann man das in harten Fakten wie Blutdruck und Gerinnungsfaktoren, an Hormonen im Blut und Hirn und letztlich weiß dass jeder, der selber Mensch ist.

Wie muss man sich als Laie die Arbeit eines Glücksforschers vorstellen? Wie kann man Glück messen?

Eckart von Hirschhausen: Glück ist ein unglücklicher Begriff, weil es so viele Facetten hat, von dem Glück über die Geburt eines Kindes, dem Glück einer Tafel Schokolade, dem Glück, beim Erklimmen eines Berges über sich hinaus zu wachsen bis hin zum Glück beim gemeinsamen Singen – das sind alles sehr unterschiedliche Dinge. In der Forschung erfragt man das „subjektive Wohlbefinden“ und bittet die Menschen nach einer Selbsteinschätzung. Wir wissen eigentlich sowohl für uns als auch für Menschen in unserer Umgebung recht gut, wie glücklich jemand ist. Schmerz kann man ja auch nicht direkt messen, und trotzdem weiß jeder wie sich das anfühlt, und ob das gerade viel oder wenig ist, was ich empfinde.

Wenn man Sie in den Medien erlebt, wirken Sie immer gut gelaunt. Ist Palina Rojinski privat auch eine Frau mit viel Lebensfreude?

Palina Rojinski: Ich habe Spaß an der Sache. Das ist generell ein schöner Antrieb, nicht nur um neue Sachen zu erleben, sondern auch im Alltag.

Sie leben beide in Berlin, einer Stadt, in der es sehr viele Angebote, Anreize gibt, glücklich zu sein. Sollte man zumindest meinen. Wie glücklich sind Ihrer Meinung nach die Berliner, oder gar die Deutschen, Herr von Hirschhausen?

Eckart von Hirschhausen: Berliner sind manchmal etwas grantiger, als sie eigentlich sind, um jedem auf der Straße zu signalisieren: „Ick bin keen Touri, ick war schon immer hier!“ Großstadt ist anstrengend, gleichzeitig auch anregend. Die Deutschen tun sich allgemein etwas schwer, leicht zu sein. Es ist vor allem der Neid und das ständige Vergleichen und Definieren von sich und anderen über Status und Konsum, der unglücklich macht. Deutschland ist dreißig Mal so reich wie 1950, aber sind wir 30mal so glücklich? Nein. Wir sind als eine der reichsten Nationen international bei Zufriedenheit auf Platz 26. Die Glückkiller sind chronische Krankheiten, Arbeitslosigkeit und vor allem Perspektivlosigkeit, sich aus seiner Situation bewegen zu können. Und deshalb sollten Steuern auch für die Dinge ausgegeben werden, die nachweislich Glück schaffen: Bildung, Arbeit, Gemeinschaftsinstitutionen, aber auch so grundlegende Dinge wie Fahrradwege. Im Stau zu stehen ist immer Stress, wer sicher mit dem Rad zum Job fahren kann, hat Bewegung, Licht, Luft und das schöne Gefühl, selber etwas geleistet zu haben, schon vor der Arbeit (lacht).

In welchen Momenten sind Sie besonders glücklich?

Palina Rojinski: Kleinigkeiten machen mich am glücklichsten, zum Beispiel wenn Sonnenstrahlen aufs Wasser treffen und es schön glitzert.

Und Sie, Herr von Hirschhausen?

Eckart von Hirschhausen: Glück kommt selten allein. Das stimmt auch für mich. Ich freue mich an Familie, Freunden, Ferien - da brauch ich nichts Besonderes dazu. Als kreativer Mensch macht es mich natürlich besonders glücklich, dass viele andere meine Kunst zu schätzen wissen, ob als Buch, als CD oder live als Bühnenprogramm. Lieber zu Lebzeiten überschätzt als umgekehrt. Und am 30.8. erfülle ich mir einen Traum – einmal die Berliner Waldbühne rocken, mein „Wunderheiler“ Programm plus viele Freunde, Musik, Feuerwerk – ein großes Fest. Da freue ich mich jetzt schon drauf.

Wenn Sie unglücklich sind, haben Sie dann ein Rezept dafür, wieder gute Laune zu bekommen?

Eckart von Hirschhausen: Wenn ich nicht so gut drauf bin, ziehe ich mich schon mal zurück. Ich schwimme sehr gerne, singe und spiele Gitarre. Mir tut außerdem Meditation gut: Einfach mal zehn Minuten auf ein Kissen setzen, die Klappe halten und atmen. Das verschafft mir auch eine ironische Distanz zu dem, was ich auf der Bühne mache – und hilft später dabei, glaubwürdig zu sein. Meditation kann ich nur jedem empfehlen.

Wenn ein Mensch, der Ihnen nahe steht, unglücklich ist – was tun Sie, um ihn aufzuheitern?

Palina Rojinski: Alles, was mir möglich ist. Aber ich finde, manchmal muss man auch traurig sein dürfen.

Wie weit gehen Sie, um Leute zum Lachen zu bringen?

Palina Rojinski: Wenn man sich „Zirkus Halligalli“ ansieht: offensichtlich sehr weit.

Sie sind auch als DJ unterwegs. Können Sie aus Musik viel Glück ziehen?

Palina Rojinski: Natürlich ist Musik ein unglaublicher Pool für Lebensfreude. Am besten einfach reinspringen, mitsingen – und schon schwimmt man auf einer positiven Welle. Wenn ich sehe, wie die Leute zu meiner Musik tanzen, weiß ich: Denen geht es jetzt gut. Und das ist doch ein tolles Gefühl. Die Lebensfreude-Forscher betonen ja immer wieder: Geteilte Lebensfreude ist doppelte!

Und worüber können Sie lachen?

Palina Rojinski: Über unvorhergesehene Situationen, meine Haustiere und über mich.Eckart von Hirschhausen: Ich bin ein großer Loriot-Fan. Aber in Deutschland gibt es noch unglaublich viele gute Komiker und witzige Autoren, die man am besten live auf der Bühne und nicht „nur“ im Fernsehen erlebt. Also, wer in Deutschland nichts zu lachen hat, ist selber schuld! Positive Gemeinschaftserlebnisse wie Konzerte, Public Viewing oder auch Live-Kabarett erleben eine unglaubliche Renaissance. Wir können uns halt nicht selber kitzeln. Aber und gegenseitig anstecken mit unserer Laune – und am besten mit guter!