Reisemesse ITB

Homophobie: Malaysias Tourismusminister weicht Kritik aus

Malaysia ist Partner der ITB. Ob eine Reise in sein Land für Homosexuelle und Juden sicher ist, kann der Minister nicht sagen.

Malaysias Tourismusminister Datuk Mohamaddin bin Ketapi am Dienstag bei einem Pressetermin zur weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin.

Malaysias Tourismusminister Datuk Mohamaddin bin Ketapi am Dienstag bei einem Pressetermin zur weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin.  Malaysias Tourismusminister ist am Dienstag auf der Eröffnungspressekonferenz der weltgrößten Reisemesse ITB Fragen zum Umgang seines Landes mit Homosexuellen und Juden ausgewichen.

Auf die Frage, ob eine Reise in sein Land auch für diese Personengruppen sicher sei, wollte Minister Datuk Mohamaddin bin Ketapi zunächst nicht antworten. Auf Nachfrage sagte er dann: „Homosexualität? Ich glaube, wir haben so etwas nicht in unserem Land. Ob es sicher ist oder nicht, kann ich nicht beantworten.“

Partnerland sorgte schon vor der ITB für Kritik

Die Auswahl Malaysias als diesjähriges Partnerland der ITB hatte schon vor dem Start der Messe für Diskussionen gesorgt. „Mit der Entscheidung, Malaysia zum Partnerland der ITB zu machen, wird eine Regierung hofiert, die Israel und seine Bürger boykottiert und die Homosexualität in ihrem Land mit körperlicher Züchtigung wie Peitschenhieben bestraft“, hatte der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Grünen-Politiker Volker Beck der Berliner Morgenpost gesagt. Auch die Jüdische Gemeinde in Berlin hatte das Partnerland scharf kritisiert.

Der Chef der Berliner Messe, Christian Göke, vermied am Dienstag eine klare Positionierung. „Wir sind Gastgeber und ein Gastgeber hört zu und nimmt zur Kenntnis“, erklärte er. Nichtsdestotrotz sei es richtig, dass Malaysia in diesem Jahr das Partnerland der ITB sei. Die Messe biete eine Plattform, über die Themen zu diskutieren, nicht nur mit Politikern des Landes, sondern auch mit Betroffenen, so der Messe-Chef. Der Austausch könne dazu beitragen, die Kommunikation zu „verfachlichen“, sagte Göke.

Müller: Reisen hat politische Dimension

Reisen habe heute längst eine politische Dimension hatte zuvor Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärt. „Immer mehr Urlauber fühlen sich abgestoßen, wenn Regimes Freiheits- und Menschenrechte missachten. Wenn aber Menschenrechte respektiert werden und Freiheit, Toleranz und Weltoffenheit herrschen, werden Reiseziele besonders attraktiv“, sagte Müller. Ein gutes Beispiel dafür sei Berlin.

Auf der ITB präsentieren von Mittwoch bis Sonntag rund 10 000 Aussteller ihre Urlaubsangebote. Nach den Fachbesuchertagen ist die Messe am Wochenende für das Privatpublikum geöffnet. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will die ITB am Dienstagabend offiziell eröffnen.