54. Funkausstellung

Als Albert Einstein die IFA besuchte

Die Internationale Funkausstellung (IFA), wie die Branchenschau seit 1971 heißt, feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag und ist mit ihren 90 Jahren eine der ältesten deutschen Industriemessen.

Foto: IFA

Als am 4. Dezember 1924 die „Große Deutsche Funkausstellung“ zum ersten Mal ihre Pforten öffnete, damals noch im Haus der Funkindustrie am Rande des heutigen Messegeländes, da galten sie als technische Sensation: die Röhrenrundfunkempfänger. Das Radio war geboren und mehr als 170.000 Besucher bestaunten die neuartige Technik. Es war der Beginn einer ungeheuer rasanten Entwicklung.

Die Internationale Funkausstellung (IFA), wie die Branchenschau seit 1971 heißt, feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag und ist mit ihren 90 Jahren eine der ältesten deutschen Industriemessen. Grund genug, einen Rückblick zu wagen auf das, was sie im Laufe der Zeit hervorgebracht hat.

Schon 1928 fanden die ersten Fernsehgeräte auf der Messe Platz, die bis heute stetig weiterentwickelt werden. Die Devise: größer, breiter, schärfer. Bei so viel innovativer Technik ließ es sich schon Albert Einstein 1930 nicht nehmen, die Funkausstellung zu besuchen und hier eine Rede zu halten. „Was speziell den Rundfunk anlangt, so hat er eine einzigartige Funktion zu erfüllen im Sinne der Völkerversöhnung“, sagte er wenige Jahre, bevor die Nationalsozialisten die Macht ergriffen. Ab 1933 nutzten diese die Funkausstellung für ihre Zwecke und stellten hier den Volksempfänger vor. Damals von Joseph Goebbels in Auftrag gegeben, sollte er sich zu einem der wichtigsten Propagandainstrumente und Instrument der Kriegstreiberei der Nazis entwickeln.

Tücken der Technik

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Funkausstellung einige Jahre in Düsseldorf und Frankfurt am Main statt. Erst 1961 kehrte sie nach Berlin zurück. Im Jahr 1963 stellte Philips auf dem Gelände am Funkturm eine Sensation vor. Mit dem Kassettenrekorder begann der Siegeszug eines Gerätes, das für Jahrzehnte seinen festen Platz in den Haushalten finden sollte. Kinder, die abends vor dem Schlafengehen noch eine Seite ihrer Lieblingskassette hören durften und dann, wenn Mama und Papa es nicht merkten, heimlich zum Rekorder tapsten und auch der zweiten Seite lauschten. Ganz zu schweigen von all dem Bandsalat, den die schwarzen Transportspulen im Laufe der Zeit produzierten. Heute ist das Nostalgie pur.

Und dann war er da, der 25. August 1967: Der Tag, an dem der damalige Vizekanzler Willy Brandt symbolisch das Farbfernsehen in die deutschen Haushalte brachte. Legendär ist bis heute die Umstellung auf Farbe, noch bevor Brandt den roten Knopf berührte. „Es war ein sehr empfindlicher Taster“, hieß es später. Die Technik hat eben auch ihre Tücken.

Von der Kassette zum USB-Stick

Die Innovationen waren so unterschiedlich, dass der Überblick fast verloren ging. Ein Ende der Entwicklungen war nie in Sicht und ist es bis heute nicht. Nachdem die Kassette ihren Höhepunkt erreicht hatte, bekam sie durch die Compact Disc (CD) plötzlich starke Konkurrenz. Was Anfang der 80er-Jahre zunächst einmal skeptisch betrachtet wurde, sollte tatsächlich ein anderes Zeitalter einläuten. Nicht nur Musik konnte mit der CD abgespielt werden, später sollte sie ihre Verwendung auch bei Computern finden und behauptet bis heute, gegen Downloads und USB-Sticks, ihren Platz. Doch wie lange das noch so geht, steht wohl in den Sternen.

Ähnlich ist es beim Videotext, der etwa zur gleichen Zeit das Fernsehpublikum staunen ließ. Heute schauen wohl die wenigsten noch in den Teletext, denn der Computer läutete die Zeit eines revolutionären Umbruchs in der Technikbranche ein. Heute ist der digitale Rechner nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Ob bei der Arbeit oder in der Freizeit, der Computer ist ein ständiger Begleiter geworden. Seit zehn Jahren nun erobern zusätzlich mobile Computer, vom Laptop bis zum Smartphone, die Welt. Die Bildschirme werden größer und dennoch immer flacher, ihr Bild schärfer. Fernsehen und Internet wachsen zusammen.

Internetpanne in der „Online World“

Doch zu Beginn gab es auch hier einige Schwierigkeiten. Im Jahr 1999 funktionierte in der sogenannten „Online World“ auf der Funkmesse plötzlich das Internet nicht mehr. Spott und Häme waren die Folge. Ob das Internet überhaupt zu gebrauchen sei, wurde gefragt. Heute ist es wichtiger als je zuvor. Nun geht also die 54. Auflage der IFA am Freitag an den Start. Nachdem die Messe zeitweise nur alle zwei Jahre stattfand, pilgern Technikliebhaber mittlerweile jährlich zum Messegelände.

Zum 90. Geburtstag werden bis zu einer Viertelmillion Besucher erwartet. Über 1500 Aussteller aus 32 Ländern zeigen auf 149.500 Quadratmetern Fläche ihre neuesten Produkte. Durch die erstmalige Nutzung des City Cube Berlin ist die Ausstellungsfläche noch einmal gewachsen. Auch in diesem Jahr sollen neue Trends gesetzt werden. Die Smartwatch, also die „schlaue Armbanduhr“, ist mittlerweile schon nichts Besonderes mehr.

Die Smartwatch erleichtert die Hausarbeit

Doch mit dieser können jetzt auch lästige Haushaltspflichten schnell abgewickelt werden. Die Spülmaschine einschalten, einen Blick in den Kühlschrank werfen und schon einmal den Backofen vorheizen? Mit der Smartwatch kein Problem. Oder wie wäre es mit einem Fernseher, der keine Fernbedienung braucht? Eine einfache Handbewegung reicht, um den Sender zu wechseln. Ob sich solche Konzepte durchsetzen, bleibt natürlich Zukunftsmusik. Doch vielleicht blicken die Menschen in 90 Jahren auf diese IFA-Neuheiten ebenfalls mit einem Lächeln zurück.

Die Funkausstellung startet am heutigen Freitag, Fachbesucher erhalten ab 8 Uhr Einlass zum Fachbesucherempfang. Generell öffnet die IFA bis zum 10. September täglich von 10 bis 18 Uhr auf dem Messegelände am Funkturm. Eine Tageskarte kostet 17 Euro, ermäßigt 12 Euro. Vom Flughafen Tegel und vom P+R-Parkplatz am Olympiastadion fährt ein kostenloser Shuttlebus zur Messe.