Samsung steigt in das Geschäft mit Datenbrillen für dreidimensionale Kino- und Computerspiel-Erlebnisse ein. Zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Internationalen Funkausstellung in Berlin stellte der Elektronikkonzern Samsung seine Produktneuheiten am Mittwoch vor. Das Unternehmen hatte sich dazu das Tempodrom als Bühne gewählt.

Die Brille mit dem Markennamen Gear VR wurde in Kooperation mit dem kalifornischen Unternehmen Oculus VR entwickelt. Es ist mit seiner Datenbrille Oculus Rift in dieser Technologiesparte führend und wurde im März 2014 für zwei Milliarden Dollar vom sozialen Netzwerk Facebook gekauft.

Die Abkürzung VR steht für virtuelle Realität. Die ohne Kabel funktionierende Brille gibt dem Nutzer ein dreidimensionales optisches Erlebnis mit einem 360-Grad-Panoramabild. Wenn er seinen Kopf dreht, passt sich der Ausschnitt des sichtbaren Bildes mit einer Verzögerung von weniger als 20 Millisekunden der Bewegung an.

„Wir sind begeistert, dass wir die Gear VR Innovator Edition vorstellen können, die auf dem neuesten Stand der Technik ein mobiles Erlebnis von virtueller Realität bietet“, sagte der Technologiechef von Oculus, John Carmack. „Die intensive technologische Partnerschaft mit Samsung hat uns in die Lage versetzt, ein Gerät zu entwickeln, das hinsichtlich seiner Leistung und Auflösung Weltklasseniveau besitzt.“

Die Brille enthält das 5,7 Zoll große Display des neuen Smartphones Galaxy Note 4 mit vierfacher HD-Qualität, das ebenfalls am Mittwoch vorgestellt wurde.

Nachfolger für Computeruhr Gear

Ferner kündigte Samsung den Nachfolger seiner Computer-Uhr Gear an. Das neue Modell Gear S soll unabhängig vom Smartphone am Handgelenk zahlreiche Funktionen bieten, sagte Samsung-Manager DJ Lee. Sie verfügt über einen zwei Zoll großen, gebogenen Bildschirm in der besonders farbintensiven Amoled-Technologie.

Dank des integrierten Mobilfunkmoduls lässt sich die Uhr auch zum Telefonieren nutzen. Sie zeigt ferner E-Mails an, ohne eine Verbindung zum Smartphone zu haben. Nach Angaben des Herstellers sollen rund 1000 Apps für das Gerät verfügbar sein – darunter eine Fußgängernavigation und Apps zur Aufzeichnung von Vitalfunktionen. Ein Sondermodell ist mit Swarowski-Steinen besetzt.

Galaxy Note Edge mit Seiten-Bildschirm

Das ebenfalls am Mittwoch vorgestellte Tablet Galaxy Note Edge verfügt über einen Bildschirm, der nicht nur die Oberfläche, sondern auch eine schmale Seite des Geräts bedeckt. Der Seitenteil des Bildschirms ist auch dann sichtbar, wenn die Schutzhülle des Smartphones zugeklappt ist.Dort können Textnachrichten oder andere Benachrichtigungen dargestellt werden.

Die Bedienung des Note 4 und Note Edge soll ein Stift vereinfachen, wie man ihn früher bei Windows-Relefonen häufig benutzte. Als Design-Partner für diesen Stift (Pen S) gewannen die Südkoreaner den Hamburger Schreibgerätehersteller Montblanc, der erstmals Stifte speziell für das Galaxy Note 4 produziert.

Auch Sony zeigt Datenbrille und Armband

Konkurrent Sony stellte sein Armband „Talk“ vor, das ebenfalls Funktionen des Smartphones übernimmt. Wenn ein Anruf eingeht, wird dieser auf dem Display des Armbands angezeigt und kann auch von dort angenommen werden. Sony-Mobile-Chef Kunimasa Suzuki sieht großes Potenzial für solche kleinen tragbaren Geräte („Wearables“). „In den nächsten zwei bis drei Jahren geht es vor allem um Ergänzungen zum Smartphone“, sagte er.

Mit der „Morpheus“ hat Sony ebenfalls eine 3D-Brille im Angebot. Anders als Samsungs Brille benötigt sie aber eine Kabelverbindung zu einem Computer. Sony will die Videobrille in erster Linie für Computerspiele vermarkten.

Panasonic erklärt Fernsehen für tot

Panasonic-Europachef Laurent Abadie erklärte gar das Zeitalter des klassischen Fernsehens für beendet. „Für mich ist das TV, so wie wir es aus dem letzten Jahrhundert kennen, tot“, sagte der Manager des japanischen Elektronikkonzerns der dpa auf der IFA. „Die Menschen werden sich sicher auch weiterhin noch große Sportevents auf dem Fernseher anschauen“, sagte Abadie. Aber sie nutzten zur gleichen Zeit Online-Netzwerke wie Twitter oder Facebook auf mobilen Geräten. mit dpa