Messe Berlin

Grüne Woche in Berlin – So viel Essen, so wenig Zeit

Wer auf die Grüne Woche in Berlin geht, der sollte viel Hunger und Durst mitbringen. Regionale Spezialitäten sind bei den Besuchern besonders gefragt.

Foto: Reto Klar

Blasmusik, Stimmengewirr, klirrende Gläser. In der Bayernhalle geht es zünftig zu an diesem Sonntag. Es ist voll. Die Leute kommen vor allem wegen des deftigen Essens – es gibt Weißwurst, Spätzle, Braten mit viel Soße und Klößen. Dazu natürlich Bier. An den Ständen ist Käse gefragt. Zum Beispiel der Coburger. Das Milchwerk Oberfranken, in dem dieser Käse hergestellt wird, ist mit vielen Sorten vertreten. Es gibt Frankendammer, Landkäse mit Rotkultur, Münsterländer Rolle. Wer so viel wie möglich probieren will, kann sich einen Käsekorb zusammenstellen lassen. Umsonst gibt es kaum noch Kosthäppchen.

Viele Besucher der Grünen Woche interessieren sich besonders für ökologisch hergestellte Lebensmittel. In der Bayernhalle kann Michael Hartmann aus dem Allgäu davon erzählen, wie er Hühner, Ziegen, Hasen und Schafe hält, um Fleisch mit Bioqualität zu produzieren. Auch seine Wiesen und Felder in Markt Wald werden von Hartmann biologisch bewirtschaftet. Urlauber können sich das alles genau anschauen und die Erzeugnisse des Biobauern probieren. Michael Hartmann und seine Frau Petra vermieten Ferienwohnungen. „Wir haben viel zu bieten, nicht nur für Familien mit Kindern, sondern auch für Leute, die gern wandern, Rad fahren oder einfach die Natur genießen wollen“, sagt Hartmann.

Um Bionahrungsmittel, Urlaubsmöglichkeiten und so manche Leckerei geht es auch in der Brandenburg-Halle. Für die Berliner ein Muss. Schließlich reicht schon ein freier Tag, um die Lausitz, das Ruppiner Land, den Hohen Fläming oder die Uckermark zu besuchen und regionale Lebensmittel einzukaufen, gut zu essen, an der frischen Luft zu wandern. Wer sich vorgenommen hat, in diesem Jahr öfter einen solchen Kurzurlaub zu machen, der findet in der Brandenburghalle jede Menge Tipps. Und kann schon mal kosten – Liebe geht schließlich durch den Magen, auch die zu einer Region.

Bio-Produkte und Ferienwohnungen

Leckeres Gulasch etwa gibt es am Stand des Gutes Schmerwitz, das neuerdings auch Ferienwohnungen anzubieten hat. Das Gut gehört zur Gemeinde Wiesenburg/Mark und liegt im Naturpark Hoher Fläming, 80 Kilometer südwestlich von Berlin. Im Hofladen kann man Öko-Produkte kaufen: Gemüse, Kartoffeln, Nudeln, Eier, Säfte, Fleisch und Wurst. Martina Golz, eine der 19 Mitarbeiterinnen auf Gut Schmerwitz, ist für die Nudelmanufaktur zuständig. „Wir stellen sechs verschiedene Sorten her, darunter Weizen- und Dinkelvollkornnudeln“, sagt sie. Die Öko-Produkte des Gutes werden nicht nur im Hofladen, sondern seit 2007 auch unter dem Label „Von Hier – Berlin Brandenburg“ über den Lebensmitteleinzelhandel der Region vermarktet. 2008 wurde Gut Schmerwitz für seine Renaturierungsmaßnahmen wie das Anlegen von Hecken, Feldsäumen und Streuobstwiesen mit dem „Förderpreis Naturschutzhöfe“ ausgezeichnet. Seit Kurzem gibt es nun ein Ferienhaus mit sechs geräumigen Wohnungen. „Unsere Gäste können sich erholen und all unsere Bioprodukte kosten“, sagt Martina Golz.

Gutes Essen gibt es auch bei Martina und Roland Koch, die in Großmutz, nördlich von Löwenberg, einen Bauernhof mit Hofladen, Ferienwohnungen und Gastwirtschaft betreiben. Von der Stadtgrenze Berlins aus ist der Bauernhof Koch mit dem Auto in etwa 40 Minuten zu erreichen. Roland Koch hat Landwirtschaft studiert und vor 25 Jahren den Hof seiner Eltern übernommen. Sein Stolz sind 250 Rinder und 400 Hektar Land, auf dem er vor allem Getreide anbaut.

Käsekuchen nach alten Rezepten

Seine Frau Martina ist für das Hofcafé zuständig. Sie backt nach alten Rezepten: Käsekuchen, Streuselkuchen, Sahnetorten. An Kochs Stand auf der Grünen Woche gibt es eine Kostprobe davon. Zu empfehlen sind die sogenannten Großmutzer Kuhfladen – Eclairteig, gefüllt mit Schokoladenpudding, bestreut mit grünen Pistazien. „Wer bei uns übernachtet, kann sich auf ein gutes Frühstück freuen“, sagt Koch. Auf Wunsch werde aus den Hofprodukten auch ein Abendbrot zubereitet oder ein Picknickkorb gepackt.

Am 7. März ist bei Kochs großes Schlachtefest. Wer sich während der Grünen Woche dafür anmeldet, bekommt Rabatt, sagt Koch. Los geht es um 11 Uhr mit Blasmusik. Ostern können Besucher des Kochschen Bauernhofs Fleisch und Wurst kaufen oder zum Osterbrunch kommen (5. und 6. April jeweils von 10.30–14.00 Uhr). Vorbestellungen werden erbeten.

Fleisch aus der Region gibt es auch in Angermünde bei Fleischermeister John Mai. Der 30 Jahre alte Fachmann hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Kürzlich hat er das Geschäft seiner Eltern übernommen, die ihm aber noch zur Seite stehen. Seine Spezialität: Lungwurst. „Heiß gemacht ein Renner“, sagt Mai. Der Laden in der Brüderstraße in Angermünde, der auch Wild anbietet, ist längst auch bei Touristen beliebt. „Wir verarbeiten Fleisch aus der Region und Biofleisch vom Gut Kerkow, das ganz in unserer Nähe liegt“, sagt Mai.

Likör aus Tannenspitzen

Wer besonders großen Wert auf gesunde Ernährung legt, der sollte unbedingt auch am Stand von Sebastian Wedow vorbeischauen. Seit zehn Jahren betreibt der ausgebildete Atemtherapeut in Werder „Die Ölmühle“. Das Besondere an den Ölen, die es bei Wedow zu kaufen gibt, ist ihre Herstellung. „Wir arbeiten mit wassergetriebenen Ölmühlen“, sagt Wedow. Die Öle würden bei höchstens 40 Grad gepresst, das sei schonend und garantiere absolute Frische.

Wedow bietet Aprikosenkernöl, Erdnussöl, Nachtkerzenöl, Sonnenblumenöl aber auch Olivenöl an und natürlich Leinöl. „Besonders beliebt ist zurzeit unser Kokosnussöl“, sagt er. Auf der Grünen Woche kann man das Leinöl probieren und auch alle anderen Öle kaufen. Ansonsten gibt es das Bioöl von Wedow direkt in der Mühle in Werder, und zwar immer freitags zwischen 10 und 18 Uhr oder auf Märkten wie dem Spezialitätenmarkt am Zehlendorfer Mexikoplatz (sonnabends von 9 bis 15 Uhr) oder dem Markt in der Seelower Straße im Prenzlauer Berg (sonnabends von 10 bis 16 Uhr). „Wir haben auch viele Stammkunden, die sich ihr Öl nach Hause schicken lassen“, sagt Wedow.

Wenn sie viel probiert haben, suchen die Gäste der Grünen Woche oft nach einem guten Schluck zur Verdauung. Sie werden dann bei Gerald Mai aus Werder pfündig, der Tannenlikör anbietet. Der enthält verschiedene ätherische Öle und schmeckt sehr besonders. „Wir zwicken im Frühjahr die Austriebe der Tannen ab und legen sie in gutem Alkohol ein“, sagt Mai. „Dann kommt noch etwas Zucker dazu und ein bisschen Hokuspokus von meiner Frau.“ Die Mais beackern außerdem 50 Hektar Land, auf dem sie Weihnachtsbäume anbauen. Doch jetzt ist bald Frühling und deshalb dreht sich alles um den Tannenlikör.