Müllers Messerundgang

Litauen oder Lettland – Hauptsache lecker

Michael Müller hat seinen ersten Rundgang als Regierender Bürgermeister über die Grüne Woche absolviert. Mit dem diesjährigen Partnerland der Messe hatte er so seine Probleme.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Draußen ist es dunkel, in den riesigen Hallen noch still. Viele Stände sind mit Folien zugedeckt und mit Flatterband abgesperrt. In wenigen Stunden werden es Tausende sein, die sich durch die Hallen schieben. Jetzt, um halb acht, ist es menschenleer. Einzig die Tiere in ihren Käfigen und Verschlägen sind zu hören. Und plötzlich Musik. Sie wabert leise aus Halle 8.2. Dort, wo sich das diesjährige Partnerland Lettland präsentiert, werden der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) ihren traditionellen Rundgang über Berlins größte Messe beginnen. Ihren kulinarischen Marathon, begleitet von einem großen Pulk Journalisten. Für beide Männer ist es das erste Mal.

Es beginnt mit dem Zerschneiden der Schärpe. Müller, Schmidt, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied und Janis Duklavs, lettischer Minister für Landwirtschaft, setzen die Scheren an. Blitzlichtgewitter. Dann ein lauter Ruf: „Stoppt die Massentierhaltung.“ Eine Frau stürmt nach vorne und entrollt vor dem Minister ein Plakat. Doch viel Zeit bleibt ihr nicht. Zwei Polizeibeamte führen die Frau aus dem Licht der Kameras.

Weiter im Programm. Es gibt Kwas, einen lettischen Brotsaft zu trinken, alkoholfrei, und Wurst. Dann wird ein Honigschnaps gereicht. „Haben Sie schon gefrühstückt?“, fragt Joachim Rukwied den Regierenden. Der verneint grinsend. Die Gruppe wandert weiter nach Estland. Wieder ruft eine Frau: „Massentierhaltung stoppen!“ Ein Herr aus der Gruppe scherzt auf Englisch: „Ich glaube, sie hat eine Krankheit.“ Sein Nebenmann lacht.

In Ungarn wird zu Salami und Paprika ein Tokajer gereicht, ein süßer Dessertwein. Michael Müller hebt das Glas an den Mund, legt den Kopf nach hinten, und setzt das Glas wieder ab, bevor der Wein seine Lippen überhaupt berührt hat. Irgendwie muss man die 27 Stationen ja durchstehen, ohne Haltung zu verlieren.

Es ist Zeit für das offizielle Pressestatement. Müller sagt, für ihn sei es ja das erste mal auf der „Grünen Messe“. Er korrigiert sich. „Grüne Woche“. Dann sagt er, es werde um wichtige Themen wie die Qualität von Lebensmitteln gehen, um Verbraucherschutz. Er betont den Wert der Messe für Berlin und spricht dann vom „Partnerland Litauen“. Ein Fotograf versucht noch zu helfen und ruft ihm „Lettland“ zu. Doch der Regierende Bürgermeister hört es nicht.

„Das ist der Neue“

Langsam kommt ein bisschen Schwung in die geführte Verköstigung. Die Band „Kleintje Pils“ spielt mit Blasmusik auf und Christian Schmidt schunkelt mit Frau Antje aus den Niederlanden, die sich ein Brett mit Käsewürfeln unter den Arm geklemmt hat. Dann weiter zur Tschechischen Republik. Die Journalisten rennen, die Personenschützer schieben Neugierige zur Seite. Es wird gerempelt und geschubst. „Das ist ein gefährlicher Ort“, sagt eine junge Frau auf Englisch, die aus Versehen in den Pulk geraten ist. Es folgt Slowenien. Da ist es gerade einmal 8.59 Uhr. Zwölf Minuten vor der im Ablaufplan vorgesehenen Zeit. In der schweizer Halle fragt ein Mann den Regierenden: „Haben Sie sich gut im Amt eingelebt?“ Müller antwortet: „Solche Veranstaltungen helfen, ja.“ Wasser und Wein werden gereicht. Müller greift zum Wasser.

Als sich die Gruppe zum Fischinformationszentrum aufmacht, strömen bereits die ersten Besucher in die Messehallen. Der Pulk ist nun umringt von Menschen, die auf der Suche nach den prominenten Gesichtern sind. „Hast du gesehen, das ist der Neue“, sagen sie, als sie Müller im Gewühl entdecken.

In Halle 3.2, bei der Eröffnung des Erlebnisbauernhofs, hält Michael Müller eine kurze Rede auf der Bühne. „Ich hoffe, dass wir in Zukunft verantwortungsvoller mit unseren Produkten umgehen“, sagt er. Das bedeute aber auch, dass der Verbraucher bereit sein müsse, mehr Geld für die Produkte zu bezahlen. Dann sprach er vom Partnerland „Lettauen“. Er nähert sich an.