Best of Berlin

Tag des offenen Denkmals - Zu Gast in der Vergangenheit

Von der Abhörstation bis zur Tour durch fast 100 Jahre alte Schulräume: Bei den Tagen des offenen Denkmals sehen Berliner ihre Stadt an diesem Wochenende auf nicht ganz alltägliche Art.

Das Motto des „Tages des offenen Denkmals“ lautet diesmal "Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?" - eine Auswahl:

Grunewald: Auf den Spuren des Kalten Krieges

Sich wie ein Geheimagent fühlen? Bei Führungen durch die ehemalige Abhörstation der amerikanischen und britischen Geheimdienste auf dem Teufelsberg passiert das fast zwangsläufig. Am Denkmalwochenende zeigen Künstler, Architekten und Historiker Interessierten in Mini-Touren diesen spannenden Ort und bieten zudem ein buntes Rahmenprogramm.

Teufelsberg, S5 Heerstraße, 7.9. 10–24, 8.9. 10–20 Uhr, Führungen stündlich nach Bedarf

Spandau: Deutsch-deutsches Denkmal

Durch die deutsche Teilung waren die im Berliner Gemeindegebiet wohnenden Mitglieder der Kirchengemeinde Groß Glienicke von denen in Groß Glienicke getrennt. Letztere erwirkten die Genehmigung für den Bau einer Kirche auf Berliner Gemeindegebiet. Dieses Denkmal deutsch-deutscher Geschichte kann morgen in Führungen besichtigt werden.

Schilfdachkirche zum Guten Hirten, Gottfried-Arnold-Weg, Spandau, Bus 135 Waldallee, 8.9., 12–14 Uhr Führungen nach Bedarf

Tegel: Internatsinsel im Tegeler See

Wenn man kein Internatsschüler war, kennt man die Insel Scharfenberg wahrscheinlich nur aus dem Fernsehen. In den 90er-Jahren wurde auf dem Eiland im Tegeler See, einst im Besitz der Familie von Humboldt, die Serie „Unser Lehrer Doktor Specht“ gedreht. Am Denkmal-Wochenende kann man noch einmal die Schulbank drücken. 1922 gründete dort der Reformpädagoge Wilhelm Blume eine staatliche Schule, in der auch handwerkliches Arbeiten zum Unterricht und zur Persönlichkeitsbildung gehörte.

Schulfarm Insel Scharfenberg, Tegel, Bus 222, dann Fähre, 7.+8.9. 11–14 Uhr halbstündliche Führungen durch Schüler, Treff: an der Fähre

Prenzlauer Berg: Von der Badeanstalt zur Partylocation

1986 wurde die 1902 eröffnete Volksbadeanstalt geschlossen. Seitdem wird sie wegen ihres historischen Flairs als Veranstaltungsort genutzt. Bis 2015 soll das Bad saniert werden und ein kleines Hotel sowie Seminarräume einer Sprachschule entstehen. Morgen kann man nicht nur das Stadtbad besichtigen, sondern sich auch die neuen Ideen präsentierten lassen.

Stadtbad, Oderberger Str. 57/59, Prenzlauer Berg, U2 Eberswalder Straße, 8.9. 10–18 Uhr Führungen nach Bedarf, Treff im Foyer

Charlottenburg: Die 50er-Jahre und ihre Architektur

60 Jahre ist es her, dass der Ernst-Reuter-Platz nach dem Regierenden Bürgermeister benannt wurde. Das Erscheinungsbild des Verkehrsknotenpunkts stammt aus den 50er- und 60er-Jahren. Zwei Beispiele dieses sanierten Nachkriegsstädtebaus sind heute zugänglich: Architekten führen durch das 1956–57 errichtete Osram-Haus mit seiner Stahlskelettbau-Fassade. Außerdem wird das 1960–63 von den Architekten Franz-Heinrich Sobotka und Gustav Müller entworfene Bürogebäude der Firma Pepper gezeigt.

Büro- und Geschäftshäuser, Ernst-Reuter-Platz 8, 9–10, Charlottenburg, U2 Ernst-Reuter-Platz, 7.9. Führungen 11, 12, 13 Uhr

Mitte: Hinab zur Untergrundbahn

Festes Schuhwerk ist erforderlich, will man morgen den Luftschutzbunker Stralauer Allee und den U-Bahnhof Klosterstraße erkunden. Nun kann man im 1911–13 erbauten Bahnhof den Tunnelstumpf in Richtung Frankfurter Allee besichtigen, außerdem Überführungsgleise von drei U-Bahnlinien sowie den teils als Bunker genutzten U-Bahnhof Stralauer Straße.

Luftschutzbunker, Stralauer Allee und U-Bahnhof Klosterstraße Mitte, U2 Klosterstraße, 8.9. 10–18 Uhr

Lichtenberg: Mit Fleisch und Kunst

Weil es eng wurde in der Stadt und die Bodenpreise stiegen, zog Paul Skupin mit seiner Fleischerei hinaus in die Randbezirke: In Lichtenberg ließ er Ende der 20er-Jahre seine Fleischfabrik errichten, sein privates Wohnhaus im Jugendstil inklusive. Nur die Villa blieb erhalten. Sie steht unter Denkmalschutz und beherbergt eine Werkstattgalerie.

Villa Skupin, John-Sieg-Str. 13, Lichtenberg, U5 , S8, 41, 42, 46 Frankfurter Allee, 7.9. 14–18 Uhr

Wedding: Wo einst Hüte gefertigt wurden

„PA 58“ ist Abkürzung und Stadtgeschichte gleichermaßen. Auf dem Grundstück Prinzenallee 58 errichtete Georg Lewy 1889–91 ein Beispiel für den industriellen Aufschwung Berlins. Dort wurde die Hutfabrik Gattel erbaut, in der bis Anfang der 30er-Jahre Hüte aus Wollfillz hergestellt wurde. Um die alte Fabrik vor dem Abriss zu bewahren, schritten vor mehr als 30 Jahren Hausbesetzer ein. Selbstverwaltet leben heute hier rund 80 Menschen.

Ehemalige Hutfabrik; Gattel Prinzenallee 58, Wedding, U8 Pankstraße, 7.9. Führungen 15, 17 Uhr, 8.9. Führungen 12, 14, 16.30 Uhr, Ausstellung zur „PA 58“-Geschichte 7.9. 14–18 Uhr , 8.9. 11.30–18 Uhr

Kreuzberg: Ein sehr patentes Gebäude

Wenn auch das Deutsche Patent- und Markenamt seinen Hauptsitz in München hat, so ist die Berliner Außenstelle dennoch sehenswert. 1905 erbaut, beherbergt das ehemalige Kaiserliche Patentamt heute zahlreiche bis Anfang des 17. Jahrhundert zurückreichende Patentschriftensammlungen, eine historische Bibliothek, ein altes Prüfzimmer sowie das Infozentrum.

Ehemaliges Kaiserliches Patentamt, Gitschiner Str. 97–103, Kreuzberg, U1, 6 Hallesches Tor, 7.+ 8.9.: Führungen 10, 11.30 und 13 Uhr, Treff: in der Eingangshalle, max. 30 Personen

Dahlem: Der Mythos um die Freimaurer

Noch immer umgibt ein Mythos die Freimaurer. Die sonst für die Öffentlichkeit verschlossenen Pforten des im ländlichen Schlossarchitektur-Stils 1914–16 erbauten Ordenshauses der Bruderschaft werden jedoch am Wochenende geöffnet. Es ist der Sitz der Großen Landesloge von Deutschland, in dem sich dreizehn Berliner Logen mit rund 300 Mitgliedern treffen.

Haus Heydenreich, Peter-Lenné-Str. 1, Dahlem, U3 Podbielskiallee, 7.+8.9. Führungen 11–17 Uhr stündlich