Berlins bislang langsamste Straßenbahnlinie soll künftig schneller vorankommen – weil dank eines virtuellen Modells eine Lösung für einen besonders kritischen Abschnitt gefunden wurde. Dabei geht es um das Teilstück der Tramlinie M10 zwischen Alt-Moabit und dem Hauptbahnhof, das wegen Staus auf der Strecke ein Ärgernis für jeden Fahrgast ist. Seit Kurzem muss es jedoch heißen: Es war ein Ärgernis.

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Planer der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben dafür zusammen mit dem Verkehrsmanagement des Landes Berlin einen sogenannten digitalen Zwilling erstellt. „Reale Verkehrsdaten der Invalidenstraße wurden dazu in ein digitales Modell übertragen und für eine Simulation des neu aufgeteilten Straßenraums genutzt“, teilte die BVG am Dienstag mit. Solche Simulationen werden auch für Baustellensituationen oder in der Planung von Streckenverlängerungen eingesetzt und zeichnen sich dadurch aus, dass die Prognosen die Realität besonders gut abbilden.
Ein Fahrstreifen wurde für den Autoverkehr gesperrt
Für den M10-Abschnitt hat man sich, beruhend auf dem digitalen Zwilling, dafür entschieden, den Fahrstreifen auf der Invalidenstraße, den bislang Autos und Tram gemeinsam genutzt hatten, für den Autoverkehr zu sperren. „Schon im Bereich der Einmündung der Straße Alt-Moabit in die Invalidenstraße wird der Autoverkehr dafür gezielt dosiert, indem einer von zuvor zwei Abbiegefahrstreifen entfällt“, heißt es in der Mitteilung weiter. Die Bahnen haben dadurch freie Fahrt auf den Hauptbahnhof zu, ohne sich in Staus einreihen zu müssen.
Das Ergebnis: Die Geschwindigkeit der Tram M10 habe sich auf dem Teilabschnitt deutlich erhöht, ohne den Autoverkehr zu stark einzuschränken. Auswirkungen auf Reisezeiten oder Staubildung bleiben laut BVG gering.
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Task-Force der Senatsverwaltung und der BVG macht es möglich
Möglich wurde dies durch eine gemeinsame Task-Force der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt sowie der BVG. Die Straßenbahn benötigt nun nur noch die Hälfte der Zeit, um dieses Nadelöhr in der Invalidenstraße passieren zu können. Zehn Wochen habe es von der Beauftragung bis zur Realisierung gedauert.
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„Die durchschnittliche Geschwindigkeit der M10 hat sich auf dem Abschnitt zwischen den Haltestellen Alt-Moabit/Rathenower Straße und Nordbahnhof seit der Umsetzung deutlich erhöht. Das trägt maßgeblich dazu bei, die Linie insgesamt schneller, verlässlicher und pünktlicher zu machen“, schreibt die BVG.
Zuspruch für die Beschleunigungsmaßnahme gibt es vom Umweltverband BUND. „Wir freuen uns, dass nach langen Jahren tatsächlich etwas passiert, um die M10 zu beschleunigen und zuverlässiger zu machen. Denn davon profitieren täglich fast 100.000 Fahrgäste“, erklärt BUND-Verkehrsexpertin Katharina Wolf. Dem Verband zufolge war der Engpass in der Nähe des Hauptbahnhofs bereits die zweite Hürde, die in diesem Jahr auf der Strecke der M10 beseitigt wurde. Schon im Frühjahr wurde eine neue Ampelschaltung am Knotenpunkt Frankfurter Tor in Betrieb genommen, die die Straßenbahnen in dem Bereich zuverlässiger machen soll.
Gleichzeitig betont Wolf aber auch: „Die Arbeit ist damit aber nicht getan. Allein auf dieser Linie müssen mindestens noch die Abschnitte rund um die Haltestellen Naturkundemuseum und Eberswalder Straße sowie auf der Warschauer Brücke abmarkiert werden, um zumindest die größten Staufallen zu beseitigen.“
Mit 14,2 Kilometern pro Stunde war die M10 im vergangenen Jahr die mit Abstand langsamste Berliner Straßenbahnlinie. Dabei hatte die Linie in den vergangenen Jahren noch einmal deutlich an Geschwindigkeit eingebüßt. 2021 kam sie immerhin noch auf knapp 15 Kilometer pro Stunde. Dass die Stelle zwischen Alt-Moabit und dem Hauptbahnhof ihren Anteil daran hatte, zeigten zuletzt ebenfalls Zahlen der BVG. Mit Stand Juni, also vor der neuen Spuraufteilung, kam die Linie M10 hier in der Hauptverkehrszeit typischerweise auf rund sechs Minuten Verspätung.






