Wer den U- und S-Bahnhof Potsdamer Platz täglich nutzt, bekommt das Gefühl eines nie endenden Sommers in Berlin. Damit sind jedoch nicht die herrlich warmen Tage und kühle Getränke im trauten Beisammensein gemeint. Es ist die Mücke, die einen immer denken lässt, man sei ab Oktober in der falschen Jahreszeit.

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Seit vielen Jahren sorgt ein reges Treiben der Nördlichen Hausmücke für Unbehagen bei den Fahrgästen. Wartet man auf einen Zug, kann man sicher sein, mit den kleinen Blutsaugern Bekanntschaft zu machen.

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Für Sandra Junglen, Professorin am Institut für Virologie an der Charité, ist dies gleichermaßen ungewöhnlich wie gewöhnlich. „Sie sind ja evolutionär gesehen keine unterirdisch lebenden Tiere. Dass sie gern in Bahnhöfen leben, ist schon länger bekannt“, sagte sie beim RBB. Junglen forscht unter anderem zum Thema Stechmücken.

Im Untergrund ist auch der Winter ein Eldorado für Mücken

Kommt nach den „Underground Moskitos“ in der Londoner U-Bahn nun die Berliner Untergrund-Mücke? „Das ist ein Phänomen der Anpassung an die Urbanisierung und den Menschen. Weil Mücken sehr anpassungsfähig sind und gern neue Gebiete und Habitate ausprobieren, haben sie jetzt auch die U-Bahn-Schächte für sich entdeckt“, erklärte Junglen.

Zwei Faktoren sprechen dafür, warum die Nördliche Hausmücke den Untergrund für sich entdeckt hat: Es ist dunkel und die Temperatur in den Schächten ist meist gleichbleibend. Für die Mücke selbst ein Eldorado, auch in den Wintermonaten. Für den Menschen kann dies zu einer echten Plage werden.

Angestellte in den Geschäften des Bahnhofs leiden unter den Mücken

Neben den Fahrgästen sind es vor allem die Angestellten der im Bahnhof Potsdamer Platz befindlichen Geschäfte, die unter den Mücken zu leiden haben. Die Mitarbeiterin eines Kiosks beklagt im „Tagesspiegel“: „Mittlerweile haben wir auch im Winter Mücken, obwohl das eigentlich eine Sommersache ist.“

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Durch die Mücken werde man immer wieder von der Arbeit abgelenkt. Hinzu kommen Zusatzkosten für Mückenstecker oder ähnliche Utensilien, die die Mückenplage in den Geschäften oft erfolglos eindämmen sollen.

Eine Ansteckungsgefahr mit zum Beispiel tropischen Krankheiten schließt Sandra Junglen so gut wie aus. Doch „worauf man ein vermehrtes Augenmerk legen sollte, ist die Anpassung der Städte an den Klimawandel“, sagte die Professorin. Aufgefangenes Regenwasser, mehr Bäume und damit auch mehr Schatten seien ein attraktiver Lebensraum für Mücken. Es sei denn, sie gehen in den Untergrund, wie seit Jahren am Potsdamer Platz.