Hat Donald Trump sich eigentlich schon zur Berlin-Wahl geäußert? Er fehlt noch im Reigen derjenigen, die sich aus nah und fern bemüßigt fühlen, ihre Bewertung des Wahlergebnisses abzugeben. Die Heftigkeit der Kritik an den derzeitigen Absichten in der Hauptstadt überrascht doch schon, weil sich die drei möglichen künftigen Regierungsparteien erneut zu einer Koalition zusammenschließen wollen.

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Es umschleicht einen das Gefühl, dass die Kritik nicht nur besonders lautstark und aggressiv ausfällt, weil die Linken dieses Mal die Amtsgeschäfte leiten wollen, sondern auch, weil gleichzeitig eine Frau ins Rote Rathaus einziehen könnte (und dann auch noch mit so einem Namen). Anders ist schwer zu erklären, dass das Aufbegehren derart enthemmt ausfällt, anders als zum Beispiel vor zwölf Jahren. Damals wurde der Linke Bodo Ramelow Ministerpräsident in Thüringen und führte ebenfalls eine Koalition mit SPD und Grünen an. Oder 2016, als Michael Müller ein Bündnis zwischen SPD, Grünen und Linken in Berlin schmiedete.
Hildegard Wegscheider kämpft sich zur ersten Abiturientin Preußens
Wenn es so wäre, würde sich das in eine ganze Reihe von Kämpfen einreihen, die Berlinerinnen in den vergangenen 200 Jahren gegen die jeweils Mächtigen führen mussten, bevor sie sich letztlich doch durchsetzten. Berlinerinnen sind in dieser Frage leidgeprüft.
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Da ist zum Beispiel Hildegard Wegscheider. Sie war die erste Frau, die in Preußen das Abitur ablegte. Weil sie es nicht in Berlin durfte, absolvierte sie 1895 die Prüfung in Sigmaringen. Danach wollte sie in Berlin studieren, wurde jedoch erneut abgelehnt. Das ließ Wegscheider aber nicht verzweifeln. Also verließ sie ihre Heimatstadt erneut und studierte in Halle. Als wiederum erste Frau in Preußen wurde sie dort zwei Jahre später promoviert. Zurück in Berlin hatte sie die Widerstände der alten Männer endlich gebrochen und arbeitete als Lehrerin, unter anderem an der Humboldt-Akademie, zuletzt als Oberschulrätin. Heute ist Berlin stolz auf Wegscheider, unter anderem trägt ein Gymnasium ihren Namen.
Lina Morgenstern: Wie sie trotz Widerstand Kindergärten gründete
Oder noch früher Lina Morgenstern. Sie wehrte sich vehement gegen das Mitte des vorvergangenen Jahrhunderts herrschende Kindergartenverbot. Morgenstern stand umso mehr in der Kritik, da sie den Lebensunterhalt der Familie allein bestritt. Ihr Mann war mit einer Unternehmung pleitegegangen.
Gegen alle Vorbehalte eröffnete sie acht Kindergärten in der Stadt und schrieb ein erstes Lehrbuch für Kindergärtnerinnen. Im Gegensatz zum „Erfinder“ des Kindergartens, Friedrich Fröbel, musste sie deutlich mehr Widerstände überwinden, um schließlich anerkannt zu werden. Das lässt den Verdacht aufkommen, dass es nicht nur die neuen Ideen sind, die zunächst auf Ablehnung stoßen, sondern dass es noch mehr Widerstand dagegen gibt, wenn Frauen sie vorbringen.
Berliner Pionierinnen: Wie Frauen Bildung und Politik eroberten
Zu den starken Berlinerinnen gehören auch Alice Salomon, Hedwig Dohm und Marie-Elisabeth Lüders. Auch Salomon wehrte sich am Ende erfolgreich gegen das Dasein einer Frau ohne Beruf, wie es damals üblich war. Sie schaffte es sogar, an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin ihren Doktortitel zu erwerben – ohne Abitur. Die von ihr gegründete Soziale Frauenschule ist die Vorgängerin der heutigen Alice-Salomon-Hochschule in Hellersdorf. Hedwig Dohm setzte sich schon 1873 für das Frauenwahlrecht ein. Die Einführung im Jahr 1919 erlebte sie nicht mehr.
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Nachdem sich Marie-Elisabeth Lüders ebenfalls durch den frauenfeindlichen Bildungsdschungel gekämpft hatte, arbeitete sie zunächst als Lehrerin. Das reichte ihr aber nicht aus. Ab 1909 studierte sie Staatswissenschaften. Sie war Mitbegründerin der Berliner FDP und übte mehrere politische Ämter aus, ab 1957 als Ehrenpräsidentin der Partei.
Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Allen gemeinsam ist, dass diese Berlinerinnen an ihren Plänen festhielten und manchmal über Jahrzehnte an ihre Verwirklichung glaubten, den etablierten männlichen Anfeindungen zum Trotz. Das alles ist lange her – und doch immer noch so nah. Wahrscheinlich wäre vieles einfacher, wenn Elif Eralp einfach Klaus-Dieter Schmidt hieße.







