Vor wenigen Monaten ist in Berlin ein Volksbegehren gescheitert, das den Berliner S-Bahn-Ring – von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen – vollkommen autofrei machen wollte. Ganz so strikt ist die Idee nicht, die im Auftrag des Berliner Klimaschutzrates nun untersucht wurde. Dennoch hätte sie für die Berlinerinnen und Berliner sowie die Unternehmen in der Stadt deutliche Auswirkungen. Der Vorschlag lautet: den Berliner S-Bahn-Ring zur Zero-Emission-Zone (ZEZ) machen. Ab 2035 dürften dort demnach nur noch emissionsfreie Fahrzeuge und keine Verbrenner mehr unterwegs sein.
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Der Berliner Klimaschutzrat ist ein Gremium, zu dem 18 Mitglieder aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft gehören. Seine Arbeit ist im Berliner Klimaschutz- und Energiewendegesetz vorgeschrieben. Er soll aufs Einhalten der Klimaschutzziele achten, Senat und Abgeordnetenhaus beraten und auch eigenständig Handlungsoptionen aufzeigen, die beim Erreichen der Ziele helfen können. Auf dieser Grundlage wurde auch die Studie zur Zero-Emission-Zone erstellt, die einen möglichen verkehrspolitischen Ansatz liefern soll.
Zero-Emission-Zone: „Großer Schritt in Richtung Erreichung der Klimaschutzziele“
Hintergrund ist: Im Verkehrssektor wird die vorgesehene Reduktion an CO₂‑Emissionen und das damit verbundene Klimaziel absehbar verfehlt. Die Treibhausgasemissionen des Verkehrs sind in Deutschland im Vergleich zu 1990 nur begrenzt gesunken. Die Zero-Emission-Zone soll helfen, diese Entwicklung zu beschleunigen, und gleichzeitig zum Erreichen weiterer verkehrs- und gesundheitspolitischer Ziele beitragen. Dazu gehören eine bessere Luftqualität oder eine höhere Verkehrssicherheit. Eine solche Zone gibt es etwa bereits in Amsterdam.

Für Berlin kommen die Experten zu dem Ergebnis, dass die Wirkung der Zone nicht erst ab 2035 einsetzen würde, sondern bereits durch die Ankündigung entsteht. Die Elektrifizierung des Fahrzeugbestands werde schon deutlich vor dem Start der Zero-Emission-Zone beschleunigt, schreibt der Klimaschutzrat. „Damit adressiert sie genau das zentrale Defizit der aktuellen Politik: fehlende Vorzieheffekte.“ Neben der Umstellung auf Elektrofahrzeuge würden auch Fahrten mit dem Rad oder dem öffentlichen Nahverkehr zunehmen. Damit könne „ein großer Schritt in Richtung Erreichung der Klimaschutzziele“ gemacht werden, heißt es.
CO₂‑Emissionen im Straßenverkehr sinken um 2400 Tonnen pro Tag
Konkret haben die Experten berechnet, dass der CO₂‑Ausstoß im Straßenverkehr in Berlin bei Einführung einer Zero-Emission-Zone um 2400 Tonnen pro Tag geringer ist, als in einem Szenario, bei dem es diese Zone nicht gibt. Davon entfallen 1000 Tonnen auf private Pkw-Fahrten, 900 Tonnen auf kommerzielle Pkw-Fahrten und 500 Tonnen auf Lkw‑Fahrten. „Allein im privaten Pkw-Verkehr entspricht dies einer Reduktion von rund 35 Prozent“, schreibt der Klimaschutzrat. Betrachtet man nur die Zero-Emission-Zone, ergibt sich ein Minus von 92 Prozent. Parallel dazu werden die Stickoxidemissionen um rund 5,9 Tonnen pro Tag reduziert, heißt es.
Dabei stellen die Studienautoren auch klar: Es ist längst nicht so, dass durch die neue Regel für den S-Bahn-Ring keine Autos mehr durch die Stadt fahren. Es komme zwar zu einem Rückgang der Autonutzung, „dieser fällt jedoch deutlich geringer aus als zunächst angenommen“, ist in der Studie zu lesen. Für die Gesamtzahl an Autofahrten wird von einem Minus von rund drei Prozent ausgegangen. Dennoch würde bereits das die Unfallzahlen und damit verbundenen Kosten senken. Zudem steige der Elektrifizierungsgrad des verbleibenden Pkw-Verkehrs in Berlin auf 70 bis 76 Prozent.
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Gesamtnutzen von Zero-Emission-Zone überwiegt laut Experten
Auf der anderen Seite benennt die Studie auch negative Auswirkungen. So entstehen Menschen und Unternehmen Kosten für eine „erzwungene“ Umstellung von Verbrennern auf E‑Fahrzeuge – auch in Fällen, in denen sich der Wechsel nicht lohnt. Das gilt etwa, wenn immer nur kurze Strecken zurückgelegt werden. Zudem wird für den privaten Verkehr mit einer negativen Entwicklung bei der Reisezeit gerechnet.
Insgesamt kommen die Experten dennoch zu dem Ergebnis, dass die Einführung einer Zero-Emission-Zone einen positiven Gesamtnutzen hätte, weil die eingesparten CO₂‑Kosten die negativen Auswirkungen „überkompensieren“. Zudem wäre die Maßnahme „ein Beitrag in Richtung ,lebenswerte Stadt’“, weil Lärm, Schadstoffe und Unfälle abnehmen würden. Die Autoren der Studie schreiben allerdings auch: „Die ZEZ würde zum Erreichen der Klimaschutzziele im Transportbereich erheblich beitragen, aber alleine immer noch nicht ausreichen.“ Es wären also weitere Schritte nötig, selbst dann, wenn in Zukunft nur noch E-Fahrzeuge im Berliner Zentrum fahren dürften.




