Zusammen mit Boris Pistorius hat SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach am Montagnachmittag den Resilience Technology Campus in Mariendorf besucht. Dass Krach den Bundesverteidigungsminister an seiner Seite hatte, war der Tatsache geschuldet, dass die Campus-Verantwortlichen nach eigenen Angaben auf dem 300.000 Quadratmeter großen Areal im Süden Berlins Produktionsflächen für Rüstungsunternehmen bereitstellen.

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Es geht, wie der Name des Projekts erahnen lässt, um Resilienz in Krisenfällen. Also um die Widerstandsfähigkeit etwa bei militärischen Angriffen oder Naturkatastrophen – ein Thema, das neben dem Verteidigungsminister auch Steffen Krach wichtig ist. Das Land Berlin müsse Bemühungen wie den Resilience Technology Campus auch in der kommenden Legislatur unterstützen, sagte Krach am Montag.
Steffen Krach besucht Resilience Technology Campus
In Anbetracht der Themen Verteidigung und Resilienz entbehrte dieser Termin nicht einer gewissen Doppeldeutigkeit. Denn seit der vergangenen Woche muss auch Steffen Krach resilient sein, Angriffe abwehren, sich verteidigen. Nach seinen Angaben wirft ihm die Staatsanwaltschaft Hannover vor, während seiner Zeit als Regionspräsident der Region Hannover in zwei Fällen von einem Unternehmer eine Parteispende gefordert zu haben.
Doppelter Verteidigungsmodus für Steffen Krach
Außerdem soll der SPD-Politiker unerlaubt Geschäftsgeheimnisse weitergegeben haben, als zwei Unternehmen um den Zuschlag für die Nachnutzung eines niedersächsischen Klinikgeländes buhlten. Krach war als Regionspräsident zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der umworbenen Klinik in Lehrte bei Hannover. Die Vorwürfe wurden rund anderthalb Wochen vor der Berlin-Wahl publik, bei der Krach für seine Partei um den Einzug ins Rote Rathaus kämpft.
Es gab Durchsuchungen in Krachs Privatwohnung in Schöneberg, in der Parteizentrale der Berliner SPD sowie in Räumen der Region Hannover. Es gilt die Unschuldsvermutung. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Unbegründetheit der Vorwürfe das Ergebnis der Prüfung der Ermittlungsbehörden sein wird“, sagte Krach Ende vergangener Woche. Am Montag wollte er sich nicht zu den Anschuldigungen und den weiteren Schritten äußern. Nur so viel: Sein Anwalt warte immer noch auf Einsicht in die Akten der Staatsanwaltschaft, sagte Krach der Morgenpost am Rande des Besuchs.
Bundesminister verteidigt Krach gegen Vorwürfe
Verteidigungsminister Pistorius sprang seinem Parteifreund zur Seite. Er werde zwar nicht die Maßnahmen der niedersächsischen Behörden bewerten, sagte der gelernte Jurist. Mit Blick auf Steffen Krach fügte er jedoch an: „Ich vertraue ihm.“ Außerdem gehe er davon aus, dass es keine belastenden Informationen über Krach gebe, so Pistorius weiter.

Nicht erst zu diesem Zeitpunkt, gegen Ende des Besuchs, wirkte Krach trotz der Vorwürfe der niedersächsischen Ermittler gelöst und konzentriert. Er verbreitete Zuversicht im Wahlkampf und ließ sich bereitwillig mit Drohnen eines auf dem Campus vertretenen Unternehmens ablichten. Dessen Fluggeräte sollen nach Angaben des Herstellers unter anderem der Aufklärung dienen.
Auswirkung von Ermittlungen gegen Krach auf Umfragewerte offen
Dass der Fall vor der Berlin-Wahl am kommenden Sonntag aufgeklärt wird, ist in Anbetracht langsamer juristischer Verfahren quasi ausgeschlossen. Inwiefern die Vorwürfe sich auf die Zustimmungswerte des SPD-Mannes auswirken, zeigen erst die kommenden Umfrageergebnisse. Zuletzt kam Steffen Krach bei einer Beliebtheitsumfrage auf zehn Prozent.




