Ob als Rallyefahrerin, Unternehmerin oder Weltenbummlerin – Heidi Hetzer sorgte für Schlagzeilen und war weit über Berlin hinaus bekannt. Sie starb 2019 in ihrer Heimatstadt im Alter von 81 Jahren. Ihr zu Ehren organisieren der Motor-Journalist Ulf Schulz und seine Oldtimerfreunde jeweils am Sonntag nach Heidis Geburtstag eine Gedenkfahrt.

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In diesem Jahr trafen sich die Oldtimer-Fahrer am 21. Juni, einen Tag nach Heidi Hetzers 89. Geburtstag, auf dem Olympischen Platz. Mitfahren konnten Autos und Motorräder bis Baujahr 2001. 140 Oldtimer – vom Rolls-Royce-Cabrio bis zu den verschiedenen Opel-Modellen – reihten sich vor dem Olympiastadion auf, viele mit pinkfarbenem Heidi-Hetzer-Wimpel und den Stickern der vergangenen Rallyes geschmückt.

Unter den Fahrzeugen war auch ein Einsatzwagen des Deutschen Roten Kreuzes, in Dienst genommen am 25. April 1985. „Ich bin zum fünften Mal dabei, zu Ehren von Heidi Hetzer. Der Wagen ist verglichen mit heutigem Standard nicht sehr komfortabel, aber er läuft tadellos“, meinte Fahrer Michael Idziak vom DRK. Seit vielen Jahren dabei ist Detlef Miethke, Vorsitzender der Motorrad-Veteranen-Gemeinschaft, mit einer DKW aus dem Jahr 1931. „Die Maschine wurde nach dem Krieg in einer Laube entdeckt. Fährt ganz prima“, sagt er stolz.

Gedenkfahrt sammelt Spenden für blinde und sehbehinderte Menschen

Jeder Teilnehmer zahlt ein Nenngeld von 20 Euro – und gern auch mehr, denn die Gedenkfahrt soll nicht nur an eine besondere Berlinerin erinnern, sondern dient auch einem guten Zweck: Alle Einnahmen gehen an den Verein Together e.V. zur Unterstützung der von Siegfried Helias ins Leben gerufenen Aktion Augenlicht für blinde und sehbehinderte Menschen. Heidi Hetzer war Charity-Botschafterin der Aktion. „Wenn es darum ging, bei einer guten Sache zu helfen, war Heidi immer diejenige, die gesagt hat: Los, wir machen da jetzt was“, erinnert sich Rallye-Veranstalter Ulf Schulz.

Heidi Hetzer Rallye
Teilnehmer der Heidi-Hetzer-Gedenkfahrt auf dem Olympischen Platz.© Christian Kruppa | Christian Kruppa

Auch in diesem Jahr konnten wieder Mitglieder des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins Berlin (ABSV) als Beifahrer oder in einem Minibus bei der Gedenkfahrt dabei sein. Die blinde Künstlerin Silja Korn ließ sich von Heidi Hetzers Tochter Marla Mackay den großen, pinkfarbenen Tourenwagen „zeigen“, mit dem ihre Mutter Zehntausende Kilometer durch viele Länder gefahren war. Silja Korn ertastete den außen angebrachten Reservereifen und ließ ihre Hände an den Türen und Scheiben des Autos entlanggleiten. „So sauber war der zu Lebzeiten meiner Mutter nie, sondern immer voller Dreck und Staub“, erzählte ihr Marla Mackay.

Heidi Hetzer Rallye
Michael Idziak mit einem Oldtimer-Einsatzwagen des DRK.© Petra Götze | Petra Götze

Die Heidi-Hetzer-Gedenkfahrt ging in diesem Jahr über die B5, die alte Transitstrecke, nach Stölln im westlichen Havelland. Das Ziel war die alte „Lady Agnes“, das letzte Passagierflugzeug der Interflug, das in der DDR gelandet ist. Der vordere Bereich des Fliegers dient als Museum, im hinteren Bereich, der als Standesamt eingerichtet ist, können sich Brautpaare trauen lassen. Dank Olaf Höhn, dem Gründer von Florida-Eis, wartete dort eine kalte Überraschung auf die Oldtimer-Fahrer.

Mehr als 5200 Euro Spenden für die August-Zeune-Blindenschule gesammelt

Bevor Ulf Schulz mit der Heidi-Hetzer-Flagge das Zeichen zum Start gab, bedankte er sich bei allen Teilnehmern für ihre großzügigen Spenden weit über das Startgeld hinaus: Mehr als 5200 Euro kamen zusammen. Der Spendenerlös kommt unter anderem der August-Zeune-Blindenschule in Steglitz zugute.  

„Heidi Hetzer hatte nicht nur ein großes Herz, sondern war auch eine mutige Frau in einer männerdominierten Welt. Mit 77 Jahren ist sie zu einer Weltreise mit ihrem geliebten Auto aufgebrochen und hat sich gefragt: Was bleibt von mir noch übrig? Wir haben sie nicht vergessen“, sagte Ulf Schulz.