Die Grünen Hauptwege Berlin gehören zu den spannendsten Möglichkeiten, die Hauptstadt jenseits von Verkehrslärm und dicht bebauten Straßen zu entdecken. Das stadtweite Wegenetz umfasst insgesamt 20 Routen, die Berlin auf möglichst grünem Verlauf durchziehen. Statt vor allem an Hauptverkehrsachsen entlangzuführen, verlaufen die Wege bevorzugt durch Parks, Grünanlagen und Wälder, an Ufern und durch landschaftlich reizvolle Freiräume. Unser Wanderexperte und Redakteur Jörg Krauthöfer nutzt sehr häufig das Netz von Spazier-, Wander- und Erholungswegen, das sowohl für längere Ausflüge als auch für alltägliche Wege in der Stadt genutzt werden kann, und nimmt euch heute mit auf den Hauptweg Nummer 1, der auf einer Länge von insgesamt 63 Kilometern von Spandau bis an die Stadtgrenze nach Erkner führt. Gewandert wird heute auf dem Teilstück vom Treptower Park zum Schloss Köpenick.
Wichtiges zur Wegstrecke
- Start: S-Bahnhof Treptower Park
- Ziel: Schloss Köpenick
- Weglänge: 12,2 Kilometer
- Wegbeschaffenheit: Asphalt, Schotterwege, Waldwege
- Höhenmeter: 20 hoch, 20 runter
- Gastronomie: viele Möglichkeiten am Wegesrand
Die Tour beginnt am Treptower Hafen, der sich nach einem verheerenden Großbrand Schritt für Schritt zurück ins Leben kämpft. Wo lange Stillstand herrschte, entsteht inzwischen wieder eine kleine Flaniermeile. Frisch errichtete Häuser säumen das Ufer, Gastronomen locken Ausflügler mit allerlei Köstlichkeiten, und besonders an den Wochenenden verleihen Straßenmusiker dem Ort eine entspannte, fast sommerliche Leichtigkeit. Während ihre Melodien über das Wasser tragen, gleitet der Blick über die Wellen der Spree.

Traurige Spreegeschichte
Nur wenige Schritte weiter, gleich hinter der letzten Food-Bude, steht ein kleiner Gedenkstein am Wegesrand. Die meisten Spaziergänger gehen achtlos an ihm vorbei, obwohl die großen Buchstaben kaum zu übersehen sind. Dabei erinnert der Stein an eines der schwersten Unglücke in der Geschichte der Berliner Fahrgastschifffahrt und der Binnenschifffahrt der DDR.
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Am Ende des Uferwegs zieht auf der rechten Seite das alte Heizhaus mit seinem markanten Turm die Blicke auf sich. Wer hier allerdings auf eine Aussichtsplattform hofft, wird enttäuscht. Das ungewöhnliche Bauwerk diente nie dazu, den Berlinern einen Blick über den Park zu ermöglichen. Es sollte vielmehr den Schornstein des einstigen Heizhauses verbergen, das das benachbarte Ausflugslokal Zenner mit Wärme versorgte.
Inzwischen ist die markante Stahl-Glas-Konstruktion der Turmkanzel samt Putzfassade mit Unterstützung des Berliner Landesdenkmalamts und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aufwendig und denkmalgerecht saniert worden. Auch die benachbarte Körnervilla, benannt nach einem früheren Besitzer, soll schon bald in neuem Glanz erstrahlen.

Die Abteibrücke ist nicht nur der einzige Zugang zur Insel der Jugend sondern gilt auch als älteste Stahlverbundbrücke Deutschlands.
Spreeromantik auf der Insel
Schräg gegenüber der Gaststätte liegt ein Ort mit ganz eigenem Zauber: die Insel der Jugend. Vor allem im Sommer lohnt sich ein Abstecher. Dann füllt sich der Biergarten, Boote legen ab, und die Insel wird zu einem kleinen Refugium mitten in der Stadt.
Dabei blickt dieser Ort auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Früher hieß die heutige Insel der Jugend Rohr-Insel oder Treptower Bruch. Für die Berliner Gewerbeausstellung 1896 wurde sie aufgeschüttet und ausgebaut; damals trug sie den Namen Neu-Spreeland. Ursprünglich gehörte die Insel zu Neukölln, ein Detail, das sich bis heute am Wappen auf der Brücke ablesen lässt. Später wurde daraus die Abteiinsel, benannt nach einer Ausflugsgaststätte, die wie eine schottische Klosterruine gestaltet war.
Zu DDR-Zeiten erhielt die Insel schließlich ihren heutigen Namen. Das Brückenhaus wurde in ein Jugendklubhaus umgewandelt, im Sommer zogen Konzerte auf der Freilichtbühne zahlreiche Besucher an, und die Insel entwickelte sich zu einem beliebten Treffpunkt für Paare.
Am Lost Place Spreepark
Gleich hinter dem Parkplatz an der Abteibrücke beginnt der Plänterwald. Doch bevor man zwischen den hohen Bäumen verschwindet, öffnet der schmale Waldstreifen vom Uferweg aus den Blick auf eines der geheimnisvollsten Areale der Stadt: das Lost-Place-Gelände des Spreeparks.
Wer am Zaun entlanggeht, spürt sie, die Erinnerungen an eine Zeit, in der Kinder noch mit der Bimmelbahn über das Gelände fuhren, im Englischen Dorf ein Eis aßen und der Park voller Stimmen, Lachen und Bewegung war. Heute stehen die Überreste der einstigen Fahrgeschäfte verlassen im Dickicht aus Bäumen und Sträuchern.

Doch der Eindruck von Verlassenheit täuscht. Auf dem gesamten Gelände wird gebaut, gewerkelt, abgerissen und neu errichtet. Hinter den Zäunen nimmt eine große Vision Gestalt an: Der Name Spreepark soll in absehbarer Zeit wieder zu einer festen Größe in Berlin werden. Hoffnung macht dabei auch das wiedereröffnete historische Eierhäuschen im Landhausstil am südlichen Ende des Parks.
Am Ufer der Spree führt der Wanderweg weiter zur Fährhaltestelle Baumschulenstraße. Unterwegs öffnen sich immer wieder schöne Blicke auf den Fluss und das gegenüberliegende Ufer. Dort prägen die markanten Bauten des Heizkraftwerks Klingenberg und des ehemaligen Funkhauses in der Nalepastraße die Szenerie. Von 1956 bis 1990 war hier der Rundfunk der DDR zuhause. Bis heute gilt der große Aufnahmesaal als eines der besten Tonstudios der Welt. Auch Film- und Fernsehproduktionen entdeckten das Areal längst für sich: Gedreht wurde hier unter anderem für „Das Leben der Anderen“ und Steven Spielbergs „Bridge of Spies – Der Unterhändler“.

Die Fähre F11 ist die älteste Fährverbindung Berlins. Seit 1896 schippert sie Fahrgäste von Baumschulenweg nach Oberschöneweide.
An der Baumschulenstraße wartet dann ein kleines Berliner Original: die Fähre F11. Sie ist die älteste Fährverbindung der Stadt und pendelt seit 1896 zwischen Baumschulenweg und Oberschöneweide. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten — und fühlt sich doch an wie ein kurzer Urlaub auf dem Wasser.
Auf der Ostseite der Spree folgen wir weiter dem Wegzeichen mit dem grünen Bären auf weißem Grund und der Nummer 1. Später queren wir die Treskowallee. Dort ragen links und rechts noch die Reste einer Brücke in die Höhe. Viel mehr ist von der einstigen Straßenüberführung nicht geblieben: Nachdem Bauarbeiter immer wieder Mängel am Material festgestellt hatten und die Risse größer wurden, wurde die Brücke 2025 gesperrt und schließlich abgerissen.

Hinter der Kreuzung tauchen wir unmittelbar ab in die Wuhlheide, die grüne Lunge zwischen Oberschöneweide, Karlshorst und Köpenick. Die Grünanlage ist rund 350 Hektar groß und bekannt vor allem für ihre Attraktionen wie das FEZ, die Parkeisenbahn, die Parkbühne, das Pendant zur Waldbühne im Westen Berlins, und die Miniaturwelt. Ganz am östlichen Rand liegt die Alte Försterei, das fußballerische Zuhause des Bundesligisten Union Berlin.
Wir durchqueren die Wuhlheide auf dem Eichgestell und laufen über die Wilhelm-Spindler-Brücke. Am südwestlichen Brückenende erinnert eine Gedenktafel an Spindler, den Gründer des kleinen Stadtteils zwischen Adlershof und Köpenick.

Der Wanderweg führt über eine Treppe hinab und bringt uns auf dem Eiselenweg bis zur Carl-Spindler-Straße. Dort biegen wir nach links in einen kleinen Weg ein, folgen diesem zwischen Spree und Wasserstadt zum Mentzelpark und weiter bis zur Langen Brücke. Auf der anderen Seite befindet sich mit dem Schloss Köpenick der Endpunkt unserer Wandertour.
Schloss Köpenick liegt auf einer malerischen Schlossinsel an der Mündung der Dahme in die Spree. Der Standort war bereits im Mittelalter als slawische Burganlage bekannt und entwickelte sich später zur kurfürstlichen Residenz. Der heutige Barockbau entstand zwischen 1677 und 1682 unter Kurfürst Friedrich Wilhelm, dem „Großen Kurfürsten“. Das Schloss ist ein dreiflügeliger Barockbau mit einer besonders sehenswerten Schlosskapelle aus den Jahren 1682 bis 1685, die zu den ältesten erhaltenen protestantischen Schlosskapellen Brandenburgs zählt. Heute beherbergt das Gebäude das Kunstgewerbemuseum, das zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehört und Kunsthandwerk vom Mittelalter bis zum Barock zeigt.

Barocke Romantik: Schloss Köpenick ist ein beliebter Treffpunkt für Berliner und Hauptstadtbesucher.





