Knapp zweieinhalb Monate nachdem ein 23-Jähriger in Kreuzberg niedergeschossen wurde, hat die Berliner Polizei vier Tatverdächtige gefasst. Gegen die beiden 18 Jahre alten Männer sowie zwei Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren seien am Freitagmorgen „Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse“ vollstreckt worden, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Nachmittag mitteilten. Gegen die vier werde wegen eines versuchten Tötungsdelikts ermittelt.

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Der 23-Jährige war in Begleitung eines Bekannten am 19. März über die Graefestraße gelaufen, „als zwei bislang unbekannte Männer unvermittelt mehrere Schüsse auf ihn abgegeben haben sollen“, hieß es in der Meldung vom 20. März. Das Opfer wurde an Oberkörper, Bein und Arm schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt.
Organisierte Kriminalität: Ermittler prüfen Verbindungen zu weiteren Fällen
„Bezüge zur organisierten Kriminalität sind nicht auszuschließen und werden geprüft“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Ebenfalls werde geprüft, ob es einen Zusammenhang mit zwei ähnlichen Fällen aus dieser und der vergangenen Woche gebe.
Alles Weitere – auch warum bei zwei Tätern vier Tatverdächtige festgenommen wurden – sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen, heißt es weiter. Die führt die 5. Mordkommission des Landeskriminalamts. Bei den Durchsuchungen seien unter anderem mehrere Schreckschusswaffen gefunden worden.
Schon seit Längerem greifen Kriminelle in Berlin vermehrt zur Schusswaffe. Vor dem Berliner Landgericht muss sich aktuell ein 65-Jähriger verantworten, weil er im November einen 29-Jährigen getötet haben soll. Immer wieder werden auch Wohnhäuser, Geschäfte und eben Menschen beschossen, teils in direkter Tötungsabsicht.
Schießerei im Graefekiez: Unbekannte attackieren Auto und fliehen
Zuletzt war vor allem der Kreuzberger Graefekiez betroffen. Am 21. Mai gegen 12.40 Uhr schossen Unbekannte auf der Urbanstraße mehrfach auf ein fahrendes Auto. Im Inneren sollen Mitglieder des arabischstämmigen Remmo-Clans gesessen haben. Am Montagabend gegen 21.25 Uhr wurden Schüsse auf eine Person oder mehrere Personen an der Ecke Graefe- und Urbanstraße gemeldet. Dass offensichtlich niemand dabei verletzt wurde, konnten die Ermittler nur anhand der Spuren feststellen. Sowohl Täter, als auch Opfer flohen.
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2025 zählte die Polizei 1119 Fälle von Schusswaffengebrauch, etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen. Das waren insgesamt 68 Prozent mehr Straftaten, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde, als im Vorjahr 2024. Die Polizei geht unter anderem mit einer eigenen Sondereinheit dagegen vor.







