Schlag gegen die gestiegene Schusswaffenkriminalität in Berlin: Am Mittwochmorgen wurden stadtweit 28 Wohnungen und Objekte durchsucht. Die „B.Z.“ berichtete zuerst. Rund 570 Einsatzkräfte waren an den Razzien beteiligt, wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin erklärt. Die Ermittlungen richteten sich gegen eine Gruppe, die für Erpressungen mit Schussabgaben verantwortlich sein soll. Insgesamt wurden neun Männer festgenommen. Fünf von ihnen sollen noch am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden.

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Seit dem vergangenen Jahr wird in der Hauptstadt beinahe wöchentlich scharf geschossen. Im Visier der Schützen: Geschäfte, Fahrzeuge, aber auch Menschen. Die Polizei geht vielmehr davon aus, dass das Problem auf die leichtere Verfügbarkeit von Waffen zurückzuführen ist. In Reaktion auf den vermehrten Einsatz von Schusswaffen hat die Polizei daher im vergangenen November die Besondere Aufbauorganisation (BAO) „Ferrum“ ins Leben gerufen. Diese geht seitdem mit gezielten Kontrollen in der Stadt gegen das Phänomen vor und konnte bislang 30 scharfe Waffen und 490 Schuss scharfe Munition sicherstellen (Stand: 6. Mai). Die Staatsanwaltschaft zog mit der Einsatzgruppe „Telum“ nach.

Bandenkrieg in Berlin? Was wirklich hinter den Schüssen steckt

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    Die Razzia am Mittwoch war laut Generalstaatsanwaltschaft der „bislang größte konzertierte Einsatz gegen Schusswaffenkriminalität seit Gründung der BAO Ferrum und EG Telum“. Neben den Ermittlerinnen und Ermittlern der BAO Ferrum waren am Mittwoch auch Spezialkräfte der Bundespolizei, Kräfte aus anderen Bundesländern, Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten, Diensthundeführer, Finanzermittlerinnen und Finanzermittler sowie Spezialistinnen und Spezialisten für digitale Beweissicherung beteiligt.

    Der großangelegten Razzia von Polizei und Staatsanwaltschaft gingen intensive Ermittlungen voraus, so die Generalstaatsanwaltschaft. Der Vorwurf lautet: Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung. Mehrere Durchsuchungsbeschlüsse und Haftbefehle lagen vor. Die beschuldigten Männer im Alter von 23 bis 63 Jahren sollen an einer Vielzahl von Erpressungsversuchen beteiligt gewesen sein. In mehreren Stadtteilen – in Kreuzberg, Neukölln, Mitte, Friedrichshain, Lankwitz, Lichterfelde und Moabit – wurden Wohnungen durchsucht. Vier der Festgenommenen haben die deutsche, zwei die türkische, zwei eine deutsch-türkische und einer die deutsch-ghanaische Staatsbürgerschaft.

    Razzia gegen Kriminalität und Schusswaffen
    Mit einer umfangreichen Razzia ging die Berliner Polizei gegen organisierte Kriminalität vor.© Fabian Sommer/dpa | Fabian Sommer

    Bei den Durchsuchungen beschlagnahmten die Ermittlerinnen und Ermittler unter anderem Betäubungsmittel, Bargeld, eine Schusswaffe, Schusswaffenteile, Schreckschusswaffen, zwei Pkw sowie Datenträger und Mobiltelefone, wie es in einer Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft heißt.

    Polizeipräsidentin: „Werden gegen derartige Strukturen auch künftig konsequent vorgehen“

    „Wer mit Waffen unsere Straßen unsicher macht, bekommt die volle Härte des Rechtsstaats zu spüren“, erklärte Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Berlin und die Innenministerkonferenz hätten eine Initiative für schärfere Gesetze gestartet. Der Bund sei nun gefordert. Auch Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) lobte den Einsatz ihrer Staatsanwaltschaft und kündigte an, die kriminellen Strukturen weiter gezielt zu bekämpfen.

    „Aufgrund intensiver und hervorragender Arbeit der BAO Ferrum gemeinsam mit der EG Telum der Staatsanwaltschaft Berlin ist es heute gelungen, entscheidende Erfolge gegen Akteure der Schusswaffenkriminalität in Berlin zu erzielen“, zeigte sich Polizeipräsidentin Barbara Slowik-Meisel erfreut. „Wir setzen alles daran, diese Täterstrukturen aufzudecken und der Strafverfolgung zuzuführen. Heute war ein wichtiger Tag. Wir werden gegen derartige Strukturen auch künftig konsequent vorgehen.“

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    Auch Stephan Weh, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Berlin, lobte den Einsatz. „Die Polizei beweist, dass man alles Menschenmögliche unternimmt, um die aktuelle Welle an Schusswaffenauseinandersetzungen auf unseren Straßen einzudämmen und entschieden gegen kriminelle Strukturen vorzugehen.“

    2025 zählte die Berliner Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch. Etwas mehr als die Hälfte waren Drohungen, in 515 Fällen wurde geschossen. Das waren insgesamt 68 Prozent mehr Straftaten, bei denen mit Waffen gedroht oder geschossen wurde, als im Vorjahr 2024.

    Mit dpa