Das Hauptgebäude der Technischen Universität (TU) ist seit dem 9. Mai mitsamt Audimax und weiteren Hörsälen geschlossen. Sehr zum Ärger der Studierenden, die schon seit geraumer Zeit unter den Folgen eklatanter Baumängel zu leiden hatten. Nach Angaben der TU müssen wegen der Schließung rund 350 Lehrveranstaltungen pro Woche in andere Räume verlegt werden oder digital stattfinden. Doch nicht nur an der TU gibt es einen enormen Sanierungsbedarf sowie bereits jetzt Sperrungen und Einschränkungen.

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Der Berliner Senat hat vor rund einem Monat die Gründung einer Hochschulbaugesellschaft (BHG) beschlossen. Sie soll sich zentral um alle großen Bau- und Instandhaltungsprojekte der landeseigenen Gebäude der elf staatlichen Hochschulen kümmern. Aus dem Landeshaushalt sind die Kosten dafür nicht zu stemmen. Finanziert werden sollen die Bauarbeiten daher durch Kredite und Mieteinnahmen.

So ist die Lage an der Humboldt-Universität (HU)
Wie eine Sprecherin mitteilte, hat die HU mit Stand 2024 einen Sanierungskostenstau von 1,2 Milliarden Euro für ihre Gebäude ermittelt. Demnach sind 174 eigene Gebäude in Nutzung, zudem werden zusätzlich in 27 Gebäuden Flächen angemietet. „Ein akuter Sanierungsbedarf besteht für mindestens 30 Gebäude“, hieß es von der Sprecherin. Nach Angaben der Universität müssen nicht immer ganze Gebäude saniert werden, sondern es kann auch nur Teile von Bauten oder die Sanierung technischer Anlagen betreffen.
Derzeit seien vier Gebäude gesperrt und befänden sich in einer Grundsanierung. Seit 2022 stehe etwa wegen des Umbaus das Gebäude des Philologischen Instituts leer, da die Grundsanierung aufgrund fehlender Landesmittel gestoppt wurde. „Wir wissen nicht, zu welchem Zeitpunkt dieses – als Pilotprojekt der Hochschulbaugesellschaft benannte – Sanierungsvorhaben begonnen und beendet werden soll“, hieß es von der Sprecherin. Laut Zahlen der Berliner Wissenschaftsverwaltung waren im Oktober vergangenen Jahres rund 35.000 Studierende an der HU eingeschrieben.

So ist die Lage an der Freien Universität (FU)
An der Freien Universität beträgt der Sanierungsstau laut einem Sprecher mehr als 1,7 Milliarden Euro. Von den rund 280 Gebäuden weisen demnach mit 130 Objekten fast die Hälfte einen sehr hohen Sanierungsbedarf auf. Aktuell seien 15 Sanierungen und Ersatzneubauten angemeldet. Unter anderem fänden Arbeiten im Chemie-Gebäude sowie im Botanischen Museum statt. Sperrungen gebe es derzeit nicht.
Bisher sei die Frage der Finanzierung nicht abschließend geklärt. Über die Planungen zur Hochschulbaugesellschaft hieß es seitens der FU: „Ob der Sanierungsstau hierüber finanzierbar ist, bleibt fraglich.“ Zudem sei zu befürchten, dass sich der Sanierungsstau erhöhe, da neue Maßnahmen mit der BHG erst Mitte der 2030er-Jahre geplant seien – mit Ausnahme von drei Pilotprojekten. Im Wintersemester waren nach Angaben der Hochschule 34.500 Studierende an der FU immatrikuliert.
So ist die Lage an der Berliner Hochschule für Technik (BHT)
An der BHT im Wedding weisen aktuell fünf Gebäude einen erheblichen Sanierungsrückstand auf, wie eine Sprecherin mitteilte. Hochgerechnet liege der Bedarf bei 421 Millionen Euro für das Jahr 2026. Gesperrt sei derzeit der Hochhausteil von Haus C. „Hier liegen erhebliche Befunde des Brandschutzes vor sowie eine nötige Schadstoffbeseitigung“, sagte BHT-Präsidentin Julia Neuhaus. In einem Teil des Labortraktes sei deswegen Schwangeren und Stillenden derzeit der Zutritt untersagt.
Während der Abbrucharbeiten gibt es demnach einen höheren Lärmpegel. Temporär werde in diesen Phasen im Bedarfsfall auf digitale Lehrformate sowie Homeoffice zurückgegriffen. Mit einer behördlichen Sperrung werde derzeit nicht gerechnet, da die dringendsten Sanierungen begonnen wurden. An der BHT waren diesen Winter knapp 12.000 Studierende immatrikuliert (Stand Dezember 2025).

So ist die Lage an der Universität der Künste (UdK)
An allen 13 Liegenschaften, die die UdK verwaltet, gibt es laut Hochschulsprecherin Sanierungsbedarf. Betroffen seien Fassaden, Dächer, Fenster, technische Anlagen sowie der Brandschutz. Im Zeitraum von 2020 bis 2046 wurde demnach ein Bedarf von 557 Millionen Euro ermittelt. Darin enthalten sind Kosten für Ersatzneubauten.
Derzeit gebe es keine unmittelbar von einer Schließung bedrohte Gebäude. „Es kann allerdings aufgrund von veralteten Anlagen vereinzelt zu Havarien kommen, die gegebenenfalls Teilschließungen erforderlich machen würden“, erklärte die Sprecherin. An der UdK studieren rund 4500 Menschen.
So ist die Lage an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR)
Auch die hochschuleigenen Gebäude der HWR weisen einen Sanierungsbedarf auf. „Eine akute Gefährdung des Gebäudebetriebs besteht jedoch nicht“, sagte eine Sprecherin. Am Campus in Schöneberg müssten etwa Fassaden und Dächer saniert sowie die Elektrik modernisiert werden. Für diese Maßnahmen sei ein Bedarf von rund sechs bis sieben Millionen Euro veranschlagt worden. Konkrete Sperrungen von Gebäuden oder Teilen davon gebe es derzeit nicht.
Zudem bestehe erheblicher Modernisierungsbedarf bei angemieteten Gebäuden. Diese Maßnahmen gelten demnach als nutzerspezifisch, weswegen sie von der HWR finanziert werden müssten. „Auch im Modell einer Hochschulbaugesellschaft müssten Maßnahmen, die über die reine bauliche Erhaltung hinausgehen, von den Hochschulen selbst getragen werden“, teilte die Sprecherin mit. Rund 12.000 Studierende sind den Angaben nach an der HWR immatrikuliert.
dpa/BM




