Wenn das Thermometer in Berlin wie vergangenes Wochenende an der 30-Grad-Marke kratzt, dann – sind wir ehrlich – wird es: eklig.

Abkühlung? Mit Opfern verbunden. Man hat die Wahl: überlaufene Badestelle oder überlaufene Badestelle. Selbst wer ein Auto hat, findet meist keinen ruhigen Platz am See. Höchstens, wenn er weit nach Brandenburg rausfährt. Die Freibäder laufen über – wer nicht früh aufsteht, wartet lang in der Schlange. Selbst die teuren Strandbäder platzen aus allen Nähten: Das Strandbad Plötzensee kostet regulär zehn Euro Eintritt, das Strandbad Weißensee 9,50 Euro – sie sind trotzdem oft voll bis auf den letzten Quadratmeter.

Autorenfoto Miriam Schaptke
Autorenfoto Miriam Schaptke © Sergej Glanze | Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Wer ein Schweißbad will, steigt in die U-Bahn. Sämtliche der gelben Berliner Waggons sind nicht klimatisiert. Schweißränder zeichnen sich an den T-Shirts der Fahrgäste ab, es riecht entsprechend im Abteil. Und dann dieses Gefühl: die klebenden Oberschenkel, die sich beim Aufstehen schmatzend vom Sitz lösen. Zu Hause wartet dann eine aufgeheizte Altbauwohnung im dritten Stock. Kein Durchzug, keine Gnade.

Ja, dit is Sommer in Berlin.

Und trotzdem, es ist paradox: Sobald ich an der Spree sitze, mit Feierabendmolle in der Hand, habe ich ein breites Grinsen im Gesicht. Dann ist all der Schweiß, all die Hitze vergessen, und ich bin mir sicher: Keine Jahreszeit steht dieser Stadt besser als der Sommer. Sommer in Berlin, das bedeutet nämlich auch: bis Mitternacht vorm Späti sitzen, an der Spree spazieren, Picknick im Park, Open-Air-Raves oder Sommerkino. Und das ist all den Schweiß wert.