Für die einen ist es eine der letzten großen grünen Oasen in der Stadt, für die anderen eine überdimensionierte Brache, deren Potenzial nicht ausgeschöpft wird. Die Pläne für die Zukunft des Tempelhofer Feldes spalten die Gemüter. Soll das frühere Flughafengelände mit Wohnungen bebaut werden, oder nicht? Und wenn ja, nur an den Rändern oder auf der gesamten Fläche?

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Ein Volksentscheid im Mai 2014 kam in dieser Frage zu einem klaren Ergebnis: 64,3 Prozent der Berlinerinnen und Berliner stimmten damals gegen eine Bebauung. Doch nun, zwölf Jahre später, scheint sich der Wind gedreht zu haben. Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) kommt zu dem Ergebnis, dass 59 Prozent Bürgerinnen und Bürger für eine Randbebauung votieren. 25 Prozent lehnen sie ab, 16 Prozent sind unentschlossen oder machten keine Angaben. Befragt wurden 1000 Berlinerinnen und Berliner ab 16 Jahren. Die Auswahl erfolgte laut INSA so, dass die Stichprobe die demografische Struktur Berlin widerspiegelt.

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73 Prozent der CDU-Wähler für Randbebauung, viel Zustimmung bei Grünen-Klientel

Laut der Umfrage, über die zuerst die „B.Z.“ berichtete, ist die Zustimmung zur Randbebauung des Tempelhofer Feldes parteiübergreifend. Mit 73 Prozent fällt sie bei den CDU-Wählern am höchsten aus. Es folgen BSW (71 Prozent), FDP (68 Prozent), SPD (66 Prozent) und Linke (61 Prozent). Selbst 60 Prozent der Grünen-Wähler sind dafür, bei der AfD-Anhängerschaft hingegen nur 57 Prozent.

Die IHK Berlin begrüßte das Ergebnis. „Die Berlinerinnen und Berliner sind bei der Frage der Randbebauung des Tempelhofer Feldes weiter als Teile der Politik. Ja, es gab einen Volksentscheid. Aber seither hat sich die Welt verändert. Anstatt also standortgefährdende und für den Haushalt ruinöse Vergesellschaftungsdebatten zu führen, sollte die Politik den Wählerinnen und Wählern folgen. Günstigen Wohnraum gibt es nur, wenn mehr gebaut wird“, erklärte IHK-Präsident Sebastian Stietzel in einem Statement.

Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ stellt Konzept vor

Anders sieht es Grünen-Fraktionschef Werner Graf, der sich damit gegen die Mehrheit seiner eigenen Wählerinnen und Wähler positioniert. „Statt immer mit einer utopischen und in weiter Ferne liegenden Bebauung des Tempelhofer Feldes abzulenken, sollte der Senat lieber die bestehenden Bauprojekte voranbringen und die leerstehenden Büroflächen zu bezahlbaren Wohnungen umbauen. Berlin hat kein Flächenproblem, sondern ein Umsetzungsproblem beim Bau bezahlbarer Wohnungen“, ließ Graf verlauten.

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Die neue Umfrage kommt passend zu einem neuen Konzept der Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“, das diesen Mittwoch vorgestellt werden soll. Es sieht 21.400 neue Wohnungen in günstiger, serieller Bauweise am äußeren Rand des Tempelhofer Feldes vor. Das innere grüne Feld soll nicht bebaut werden. Stattdessen will die Initiative eine gemeinnützige Stiftung als Schutzinstrument gegen Bebauung und Spekulation vorstellen. Präsentiert werden sollen die Pläne der Architekten Hans Kollhoff und Tobias Nöfer. Sie beinhalten Häuser im Gründerzeit-Stil, bezahlbare Mietwohnungen sowie Kleingewerbe.