Seit vier Jahren gibt es die riesige Baustelle gegenüber vom gelb-blauen Möbelhaus in Berlin-Lichtenberg. Nachdem sich lange wenig Sichtbares getan hatte, wuchs sie zuletzt schnell in die Höhe und Breite. Mittlerweile steht dort ein grauer Wohngigant mit roten Balkonen, und bald wird man sehen, wie die neuen Bewohner ihre Möbel über die Straße in die neuen Wohnungen schleppen.

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Dort entstehen 1548 neue Wohnungen, die meisten davon mit gedeckelten Mieten. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag lud nun zum „Stapelfest“ des Gebäudes mit Bouletten und Leberkäs ein. „Das ist mein erstes Stapelfest, aber hoffentlich nicht mein letztes“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU).
Ein Stapelfest ist das Pendant zum traditionellen Richtfest, der Begriff wird speziell für modulare Bauweisen verwendet. Denn die 27-Quadratmeter-Module wurden in einer Fabrik in Fürstenwalde gefertigt und ausgebaut, dann im 30-Minuten-Takt mit dem Tieflader 55 Kilometer nach Lichtenberg gefahren. Ein Kran hat sie aufeinander gestapelt, zentimetergenau zwischen die Treppenhaustürme auf Stahlrahmen gesetzt.
Bundesbauministerin sieht „Treiber einer neuen Bauindustrie“
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD), die ebenfalls beim Stapelfest dabei war, sieht in der seriellen Bauweise den „Treiber einer neuen Bauindustrie“. Durch industrielle Vorfertigung entstünden standardisierte, skalierbare Prozesse, die Material effizienter nutzten, Bauzeiten deutlich verkürzten und Qualität sicherten.
Eigentlich sollte der Bau sogar noch schneller vorangehen. Aber im Untergrund lauerten Überraschungen: Es wurden alte Kampfmittel gefunden, die zeitaufwendig geräumt werden mussten. Zudem fand man zwischen alten Bodenplatten eine Asbestfuge, die fachgerecht entsorgt werden musste.

Das letzte der 3000 Module hat am Montag Kranführer Leszek aufgesetzt. Normalerweise hat er dafür zehn Minuten Zeit, dieses Mal war es in weniger als drei Minuten erledigt. „Man bekommt eine gewisse Routine, aber bei jedem Modul ist höchste Konzentration angesagt“, sagt der Kranführer der Morgenpost. „Wenn man mit dem Kran an einem neuen Ort steht, bestaunt man anfangs noch den Blick auf die Umgebung, aber daran gewöhnt man sich schnell und dann hat man nur noch Augen für die Arbeit.“
Der 60-Jährige steuert den Ausleger seit 15 Jahren aus schwindeliger Höhe. Sein Aufstieg vom Boden in die Steuerkanzel dauert 15 Minuten. Alles Hand- beziehungsweise Fußarbeit. „Aufzüge in Kränen gibt es nicht. Ich mache mittlerweile beim Aufstieg auch mal eine Pause, ich bin ja schon 60“, gibt er lachend zu.
Ich mache mittlerweile beim Aufstieg auch mal eine Pause, ich bin ja schon 60.
Kranführer Leszek über seinen Weg in die Kabine
Nicht beliebig hoch steigen hingegen die Mieten vor Ort: 1316 der 1548 Wohnungen, die an der Landsberger Allee entstehen, werden mietpreis- und belegungsgebunden. Die Mieten sind gedeckelt. Außerdem dürfen sie nur an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vergeben werden.
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Neue Sozialwohnungen in Berlin: Kaltmieten ab 7 Euro
Nachdem der Stapelvorgang jetzt abgeschlossen ist, beginnt nun die Innenfinalisierung der letzten Wohnungen. Bereits ab August sollen die ersten Mieter einziehen können. Die Wohnungsangebote findet man bald auf der Internetseite der Gewobag. Die Kaltmieten liegen nach Auskunft der Wohnungsbaugesellschaft zwischen 7 und 11,50 Euro pro Quadratmeter.
„Auch mit einem gemeinsamen monatlichen Nettoeinkommen von 3300 Euro kann sich ein 2-Personen-Haushalt eine 2-Raum-Wohnung für 860 Euro sichern“, sagte Markus Terboven aus dem Gewobag-Vorstand. Neben Wohnungen sollen in dem Quartier auch eine Kita, Geschäfte, Gastronomie und Grünflächen entstehen.
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Zudem umfasst das teilunterkellerte Quartier rund 340 Stellplätze in einer Tiefgarage, Flächen für Dienstleistungen und Gastronomie sowie eine öffentliche Parkanlage von etwa 6900 Quadratmetern mit Spiel- und Aufenthaltsbereichen. Die Gebäude werden nach hohen energetischen Standards errichtet, die Dächer begrünt oder mit Photovoltaik ausgestattet. Die Gewobag verspricht damit nicht nur niedrigere Betriebskosten, sondern auch geringere CO₂-Emissionen in Bau und Betrieb.

Das Projekt zählt zu den ambitioniertesten Berliner Vorhaben in serieller Bauweise. Rund 85 Prozent der Wohnungen werden mit Mitteln der sozialen Wohnraumförderung realisiert. Möglich macht das ein Fördermix aus 28 Millionen Euro Zuschüssen, 175 Millionen Euro zinsgünstigen Darlehen, über 30 Millionen Euro KfW-Mitteln sowie 60 Millionen Euro der Europäischen Investitionsbank. Und ein ungewöhnlich günstiger Quadratmeterbaupreis von 2700 Euro. Bundesweit liegt er im Augenblick bei 4300 Euro. Derzeit plant die Gewobag ein weiteres Wohnungsbauprojekt nur eine Straßenecke weiter, gleich gegenüber der charakteristischen „Pyramide“.







