Berlin wird Hauptsitz eines der größten europäischen Immobilienunternehmens. Die britische Comer Group International richtet ihr neues „Head-Office für Europa“ (außer Großbritannien) in Marzahn ein. Sie lässt sich mit etwa 350 Mitarbeitern in der „Pyramide“ an der Rhinstraße Ecke Landsberger Allee nieder.

Die Comer Group wurde 1984 gegründet, entwickelte erst Projekte in Irland, ehe die Gründungsdirektoren das Unternehmen nach London verlagerten. Sie ist auf Luxus- und Gewerbeimmobilien in ganz Europa spezialisiert. Das Unternehmen beziffert sein „derzeitiges Aktivitätsportfolio“ auf „mehrere Milliarden Euro“.

Die 92 Meter hohe Pyramide an der Nahtstelle zwischen Marzahn und Lichtenberg mit 43.000 Quadratmetern Büroflächen auf 23 Geschossen wird seit einem Jahr von der Comer Immobilienmanagement GmbH & Co KG verwaltet, einer Tochter der Comer Group. Prunash Limited, eine ebenfalls zur Comer Group zählende, in der britischen Exklave Gibraltar ansässige Gesellschaft, hatte das Bürohochhaus 2006 von der Fundus-Gruppe, die Immobilienfonds auflegt, günstig erworben.

Fundus-Erwartungen erfüllten sich nicht

Da sich die hohen Erwartungen von Fundus-Chef Anno August Jagdfeld an die „Pyramide“ nicht erfüllten, hatte er schon längere Zeit versucht, die Immobilie abzustoßen. Der Gebäudekomplex war seit seiner Eröffnung vor zwölf Jahren wohl nie mehr als zur Hälfte vermietet. Die Fundus-Gruppe schwieg sich darüber stets aus. Der Kaufpreis richtete sich nach dem vorjährigen Belegungsstand, heißt es in der Comer-Chefetage.

Geschäftsleitungsmitglied Rainer Hanisch kündigt an: „Die Comer Group wird den kommenden Monaten insgesamt 14.000 Quadratmeter selbst belegen.“ Der Um- und Einzug beginne zum Jahresende und werde bis Mitte 2008 beendet sein. Von den 350 Mitarbeitern, die künftig für die Comer Group in der Pyramide tätig sein werden, kämen etwa 20 Prozent aus London und Dublin. Sie sollen Leitungspositionen besetzen. In Deutschland beschäftige das Unternehmen jetzt schon 80 Mitarbeiter. Zusätzlich würden weitere in Berlin eingestellt; Immobilienfachkräfte, Mieten- und Bilanzbuchhalter, Dekorateure, Juristen, Marketing-Assistenten, Hausmeister und Lehrlinge fast aller Fachbereiche.

Allein in Deutschland vermarktet Comer inzwischen etwa 70 Immobilien. In Berlin wurden in jüngster Zeit zwei Filet-Grundstücke in Köpenick und Charlottenburg erworben. Auf dem Gelände einer ehemaligen Yachtwerft am Müggelseedamm 40–58 sollen mehr als 100 Apartments mit Bootsanlegeplätzen entstehen. In der einstigen Frauenklinik an der Pulsstraße 4 sind ebenfalls hochwertige Apartments geplant.

"Der Einzug wird eine Sogwirkung haben"

Der Belegungsstand in der „Pyramide“ hat nach dem Auszug des langjährigen Großmieters Wohnungsbaugesellschaft Howoge im September einen Tiefpunkt erreicht. Genaue Zahlen werden nicht genannt, doch Hanisch ist überzeugt: „Der Einzug unserer Firmenzentrale wird eine Sogwirkung haben.“ So habe der IT-Dienstleister PC-Ware, der zu den führenden Unternehmen dieser Branche in Europa zählt, seine Berliner Niederlassung in der „Pyramide“ gerade beträchtlich vergrößert. Und es gebe etliche weitere Interessenten, mit denen man im Gespräch sei.

Dass der Konzern mit Berlin langfristig plane, so Hanisch, sei an einem weiteren Projekt zu erkennen. Zwei Etagen über dem neu gestalteten Pyramide-Restaurant in einem Block vor dem Hochhaus werden zu einem Businesshotel mit 70 Zimmern ausgebaut. Das Wahrzeichen der „Pyramide“ – eine große Lichtuhr – wird auch bald wieder weithin leuchten. Das Ereignis soll mit einem großen Event gefeiert werden.