Kleinere Klassen, weniger Stunden, neue Stellen: Nach Jahren der Auseinandersetzung haben sich die Senatsbildungsverwaltung und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) auf ein gemeinsames Konzept zur Entlastung von Lehrkräften sowie Erzieherinnen und Erziehern geeinigt. Die Vereinbarung über neue Vorgaben und Regeln haben Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) und der Vorsitzende der GEW, Gökhan Akgün, am Montagmittag im Roten Rathaus unterzeichnet.

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Der Ort war nicht zufällig, sondern ganz bewusst gewählt worden. „Hier hat mich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner empfangen, hier habe ich ihm die Ergebnisse der Arbeitszeitstudie und der Arbeitsbelastungsbefragung präsentiert“, sagte GEW-Chef Akgün kurz bevor er seine Unterschrift unter die Vereinbarung setzte. Die Studie der Universität Göttingen und der GEW hatte eine extreme Arbeitsbelastung gezeigt. Etwa zwei Drittel der Lehrkräfte arbeiten zu viel, leisten jährlich etwa zwei Millionen unbezahlte Überstunden und nehmen damit im bundesweiten Vergleich eine Spitzenposition bei der Mehrarbeit ein.

Die Vereinbarung ist ein wichtiger Einstieg, aber noch nicht das Ziel. 

Gökhan Akgün, , Vorsitzender der GEW Berlin

„Das war ein deutliches Signal, dass es so nicht weitergehen konnte“, sagte Gökhan Akgün. Bildung musste Chefsache werden, eine zentrale politische Aufgabe. Personalmangel, Stress und Erschöpfung hätten die Berliner Bildungslandschaft geprägt. Mit der nun abgeschlossenen Vereinbarung gebe es konkrete Verbesserungen der Arbeitsbedingungen.

Katharina Günther-Wünsch, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie und Gökhan Akgün, Vorsitzender der GEW BERLIN unterzeichnen die Vereinbarung zur Entlastung der Lehrkräfte
Katharina Günther-Wünsch lobt in ihrer Ansprache die „konstruktiven Gespräche“ mit der GEW.© Katrin Lange | Katrin Lange

In 140 Grundschulen gibt es Klassen mit 20 statt 24 Schülern

Dazu gehören etwa mehr Unterstützung in der Schulanfangsphase durch neue Stellen und kleinere Lerngruppen für Grundschulen in herausfordernden Lagen und mit besonderen Sozialdaten. An 140 von knapp 400 Grundschulen in Berlin werden künftig Klassen mit 20 statt mit 24 Schülerinnen und Schülern eingerichtet. Dafür müssen zwei bis drei zusätzliche Stellen geschaffen werden. „Die Absenkung soll auch auf weiterführende Schulen übertragen werden“, versprach Günther-Wünsch. Kleinere Klassen seien ein richtiges Mittel zur Entlastung der Lehrkräfte, das hätten die Befragungen gezeigt, so die Bildungssenatorin.

Vorgesehen sind außerdem ein unterrichtsfreier Tag für Lernentwicklungsgespräche an Grundschulen und eine weitere Entlastungsstunde für Lehrkräfte nach der Vollendung des 63. Lebensjahres. Auch Klassenlehrer an Grundschulen und Primarstufen sollen für ihre zusätzlichen Aufgaben eine sogenannte Klassenleiterstunde pro Woche bekommen.

Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat ein Paket an Maßnahmen zur Entlastung von Lehrkräften zugesichert. (Archivfoto)
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat ein Paket an Maßnahmen zur Entlastung von Lehrkräften zugesichert. (Archivfoto)© dpa | Soeren Stache

Darüber hinaus sind zusätzliche Investitionen geplant, um die Arbeitsbedingungen von Erzieherinnen und Erziehern sowie die Raumqualität in der Ganztagsbetreuung an Schulen zu verbessern. Zudem sollen koordinierende Erzieher künftig mehr bei fachlichen Entscheidungen eingebunden werden. In der Ganztagsbetreuung ist in der Regel eine Erzieherin für bis zu 22 Kinder zuständig. In Fällen von personellen Not- und Vertretungssituationen im Ganztagsbereich wird eine allgemeingültige Regel gelten.

Ab dem Schuljahr 2026/27 werden die neuen Regeln umgesetzt

Die Maßnahmen sollen ab dem Schuljahr 2026/2027 schrittweise wirksam werden. Günther-Wünsch bewertete die Vereinbarung als klares Signal dafür, dass Bildung für den Berliner Senat auch in finanziell herausfordernden Zeiten höchste Priorität habe. Die vollständige Umsetzung der Maßnahmen erfordert der Bildungsverwaltung zufolge zusätzliche Mittel in Höhe von rund 32 Millionen Euro. 

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Dauerstreit über Belastung an Berliner Schulen 

Das Thema Entlastung für Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher war jahrelang ein Dauerstreitpunkt zwischen Senat und Gewerkschaft. Die GEW hatte immer wieder unter anderem auf kleinere Klassen und bessere Arbeitsbedingungen an Schulen gepocht und darauf hingewiesen, dass sich viele Beschäftigte an Schulen überlastet fühlten.

Der Konflikt war im Mai 2025 eskaliert, als die GEW einen dreitägigen Warnstreik während der Abiturprüfungen und Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss organisierte. Günther-Wünsch warf der Gewerkschaft daraufhin vor, der Zeitpunkt lasse „ein notwendiges Maß an Verantwortungsbewusstsein und Sensibilität vermissen”. Kurz danach hatte die Gewerkschaft nach einem Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) angekündigt, auf weitere Warnstreiks zu verzichten und Gespräche mit der Bildungssenatorin zu führen.

Die nun vorliegende Vereinbarung solle nur ein erster Schritt sein und „eine dringend notwendige Trendwende einleiten“, so GEW-Chef Akgün. Es sei ein wichtiger Einstieg, aber noch nicht das Ziel. Die Herausforderungen an den Berliner Schulen blieben groß. „Deshalb werden wir weiter Druck machen – für spürbare Entlastung, bessere Arbeitsbedingungen und gerechte Bildung in Berlin“, so Gökhan Akgün.