Die Dokumentationsstelle Berliner Register meldet einen neuen Rekordwert: Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 8286 rechte und diskriminierende Fälle in ganz Berlin dokumentiert – ein Anstieg von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2020 ist die Zahl der Vorfälle auf mehr als das Doppelte gestiegen. „Jeden Tag gibt es im Durchschnitt 22 Vorfälle“, erklärte Lea Lölhöffel von Berliner Register bei der Vorstellung des Jahresberichts am Dienstag. „Fast jede Stunde ein Vorfall.“

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Neonazis würden zunehmend Raum einnehmen, extrem rechte Ideologie dringe immer weiter in die Mitte der Gesellschaft ein. „Es entsteht das Gefühl, dass das Miteinander in der Stadt schwindet“, so Lölhöffel. Mit Abstand am meisten registriert Berliner Register sogenannte Propaganda-Fälle, also rechtsextreme Aufkleber (5372). Dahinter folgen Bedrohungen, Beleidigungen und Pöbeleien (1368).

Berliner Register: Höchststand bei queerfeindlichen Vorfällen

Das häufigste Motiv ist laut Berliner Register Rassismus – hier wurde ein Anstieg von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Jeder zweite Angriff ist demnach rassistisch motiviert und betraf auffällig häufig Minderjährige. Der Meldestelle zufolge stehen aber auch Frauen im Fokus von rassistischen Übergriffen. „Betroffene wurden im Supermarkt, in der U-Bahn und auf der Straße bespuckt, getreten, am Kopftuch gerissen“, heißt es im Bericht.

2025 war weiterhin geprägt von antisemitischen Vorfällen (1705). Ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (2200). Im Mai 2025 etwa benannte ein Redner auf einer Kundgebung in Wedding Israelis als „faschistisch, so gierig und Blutsauger“. Doch auch von rechter Seite wird Israel pauschal diffamiert: So verteilte der rechtsextreme III. Weg Aufkleber, auf denen Israel als Terrorstaat bezeichnet und mit einem blutigen Davidstern dargestellt wurde.

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Einen Höchststand meldet Berliner Register auch bei queerfeindlichen Vorfällen (569). „Sie traten am häufigsten im Sommer auf, in Abwehr queerer Sichtbarkeit und Emanzipation zur Pride-Saison, sowie rund um die Bundestagswahl zur Mobilisierung von Wählergruppen und kurz nach Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes“, wird im Jahresbericht erklärt. Politische Gegner, insbesondere die Antifa, sind das häufigste Motiv bei rechtsextremen Stickern und Graffiti.

Rechte Vorfälle: Dieser Bezirk ist erstmals Spitzenreiter

Ein Bezirk sticht in der Dokumentation besonders hervor: Erstmals führt Treptow-Köpenick die Liste der Bezirke an (1238). Darauf folgen Mitte (1104), Marzahn-Hellersdorf (970), Lichtenberg (891) und Friedrichshain-Kreuzberg (666). Die wenigsten Fälle wurden in Spandau gemeldet (150).

Die Unterschiede zwischen den Bezirken lassen sich laut Naim Ahrens von Berliner Register mit der Dichte des Bezirks, der Anzahl von potenziell von Diskriminierung betroffenen Personen und der Aktivität der Zivilgesellschaft erklären.

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Im Berliner Osten, aber auch im Norden Pankows, sind vor allem rechtsextreme Jugendgruppen wie „Deutsche Jugend Voran“ aktiv. Zeitgleich wagen sie sich laut Berliner Register auch in die zentraleren Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg vor und organisieren dort Demonstrationen.

Berliner Register erfasst Meldungen von Betroffenen und wertet mediale Berichte und Social-Media-Beiträge aus. Im Gegensatz zur polizeilichen Statistik fließen auch Fälle unterhalb der Strafbarkeitsgrenze ein.