Im zweiten Stock des MOA-Hotels in Moabit duftet es intensiv nach Kaffee. Kein Wunder, hier findet zum 20. Mal der Kaffeecampus statt, das jährliche Treffen der Deutschen Röstergilde.

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Kaffee ist in Deutschland das meistgetrunkene und heiß geliebte Getränk. Der Verbrauch liegt bei rund 163 Litern pro Jahr. Das sind im Schnitt etwa vier Tassen pro Tag. Rund 72 Prozent trinken täglich oder regelmäßig Kaffee, wobei der Trend zu ganzen Bohnen, nachhaltigen Produkten und kleinen lokalen Röstereien geht. In der Röstergilde sind 130 Betriebe Mitglied. Allein in Berlin gibt es heute rund 40 Kaffeeröstereien, Tendenz steigend.
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Doch die Liebe zum Kaffee, sie geht ins Geld. Die Preise für 500 Gramm gerösteten, gemahlenen Kaffee liegen oft schon über der Zehn-Euro-Marke. Warum ist das so?
Ich bin Pessimist, spätestens gegen Ende des Jahres schlägt der gestiegene Ölpreis durch.
Stefan Richter, Mitinhaber der Berliner Kaffeerösterei
Berliner Kaffeerösterei: Richter kauft seinen Kaffee direkt bei den Produzenten auf den Plantagen
Stefan Richter, Mitinhaber der Berliner Kaffeerösterei in Charlottenburg, erklärt: „Kaffee wird an den Börsen notiert, an dem Börsenpreis orientieren sich alle in unterschiedlichen Maßen.“ Seinen Spezialitätenkaffee kauft er direkt bei den Produzenten auf Plantagen, zum Beispiel in Mittel- oder Südamerika. Mehrmals im Jahr fährt Richter in die Anbauländer. Dort ist er mit den Farmern in Kontakt und schließt Verträge für seine Rösterei ab. Diese hat 2006 die Deutsche Röstergilde in Berlin mitgegründet.
Der Preis für den Rohkaffee ist der aktuelle Börsenpreis plus ein Aufschlag wie zum Beispiel 20 Prozent. Äthiopien hat Mindestpreise, darunter wird kein Kaffee verkauft. Die Preise steigen hier schnell in Stufen an und gehen sehr langsam runter, so Richter.
Der Preis für Rohkaffee stieg zuletzt rapide an
Kaffee langfristig zu kaufen, klappt nicht, die Ernte für 2028 kann nicht vorzeitig gekauft werden. Zwar werden auch an den Börsen Kaffee-Futures angeboten, aber nicht für Ende 2027, der muss erst noch aufgelegt werden.
Der Kaffeepreis lag im Jahr 2020 bei 100 Dollar-Cents pro britischem Pfund Gewicht (453 Gramm). Im Februar lag der Preis bei 432, aktuell wieder bei 303 Cents.
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Der Anteil des Kaffees am Ladenpreis liegt zwischen 5 und 16 Prozent
Kauft man gemahlenen Kaffee im Supermarkt, kostet der Kaffee selbst rund 3 Dollar, so Richter, dazu kommen 2,19 Euro Kaffeesteuer pro Kilo. Und darauf noch einmal 7 Prozent Umsatzsteuer und Zölle. 14 bis 16 Prozent des Endpreises für fairen Kaffee macht der Kaffee aus, bei nichtfairem sind dies nur 5 bis 8 Prozent vom Endpreis. Dazu kommen Währungsschwankungen von Dollar und Euro. Sparen lässt sich bei der Herstellung durch eine schnelle Röstung, was sich negativ auf das Aroma auswirkt. Oder die Auswahl günstigerer Sorten.

Wie werden sich die Kaffeepreise in Zukunft entwickeln? Farmer aus El Salvador berichten in Berlin von unregelmäßigen Regenfällen und geringerer Ernte. Stichwort Klimawandel. Im Gegensatz dazu erwartet Brasilien, einer der größten Kaffeeproduzenten der Welt, dieses Jahr eine gute Ernte. „Die Kaffeepreise können dieses Jahr so bleiben oder sogar sinken“, so Richter. „Ich bin Pessimist, spätestens gegen Ende des Jahres schlägt der gestiegene Ölpreis durch. Dadurch wird unter anderem der Dünger teurer.“ Auch würden chinesische Kaffeeketten in China ganze Ernten komplett aufkaufen, etwa einen besonderen Bio-Kaffee aus Indonesien. Bei einer Kooperative in Honduras kauft Richter frühzeitig einen Container hochwertigen Kaffee ein. Der fasst 300 Säcke zu 69 Kilo. Der sei heute zwar günstiger, aber nicht so gut oder von einer älteren Ernte.

Kaffee wird bei monatelanger Lagerung immer trockener
„Wir sind immer ungefähr für ein Jahr gesichert“, erklärt Richter seinen Kaffeeeinkauf. „Es sei denn, unsere Kunden finden den Kaffee so toll, dass die Vorräte knapp werden.“ Kaffee wird nur einmal im Jahr geerntet. Bei monatelanger Lagerung wird Rohkaffee zwar nicht schlecht, aber immer trockener, schmeckt nach Stroh und Holz und nicht mehr fruchtig.
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Geröstet wird der Kaffee der Berliner Kaffeerösterei heute nicht mehr in der Uhlandstraße, sondern in der Sickingenstraße in Moabit. Im Laden in Charlottenburg steht nur noch eine Röstmaschine als Deko. Daran sind auch die Feinstaubverordnung und die Verschärfung der TA Luft vor vier Jahren schuld. Sogenannte kleine Shopröster mit Röstmaschinen bis maximal 22 Kilo Fassungsvermögen sind davon ausgenommen, dafür sind die Emissionen dann doch zu gering, erklärt Markus Jakob, leitender Ingenieur beim Hersteller Reicat. Seine Firma stellt Katalysatoren her, welche die Abluft der Röster reinigen. Denn beim Rösten entstehen nicht nur starker Geruch, sondern auch krebserregende Stoffe, daher die strenge Reinigungsvorschrift für die Abluft. Die Preise für die Kaffeeröster-Katalysatoren liegen, je nach Größe, zwischen 8000 und 30.000 Euro. Auch diese Kosten werden an den Kaffeekäufer weitergereicht.







