„Abends werden bei uns die Bürgersteige hochgeklappt.“ Diesen Satz sagen normalerweise nur Menschen, die in einer Kleinstadt oder auf dem Dorf leben. Großstadtmenschen, sprich Berlinern, ist dieser Satz eigentlich fremd. Denn was sie damit eigentlich beschreiben, ist Langeweile und die Unmöglichkeit, in ihrer freien Zeit mit Freunden an öffentlichen Orten das Leben zu feiern. Doch auch in Berlin gilt inzwischen überall zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens die Nachtruhe – sogar in Amüsiervierteln.

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In Berlin war das alles einmal ganz anders als im Rest von Deutschland. In Berlin existierte nämlich ab 1949 gar keine Sperrstunde. Für West-Berlin wurde sie aufgehoben, um dem Osten ein Schnippchen zu schlagen und ein Symbol der Freiheit zu setzen. Besonders der Kurfürstendamm war in den 60er bis 80er Jahren für sein endloses Nachtleben bekannt. Und die Wirte in Kreuzberg waren stolz darauf, dass sie nie einen Gast hinauswarfen, egal wie spät es wurde. Der Ohrwurm „Kreuzberger Nächte sind lang“ von den Gebrüdern Blattschuss zeugt noch heute von diesen Zeiten.

Einer der Erfinder des Ohrwurms, Beppo Pohlmann, verriet der Morgenpost: „Kreuzberg ist so richtig gutbürgerlich geworden, ich würde es als grün-konservativ bezeichnen. Als wir das letzte Mal in Kreuzberg gespielt haben, war das in der Kneipe, wo damals ,Kreuzberger Nächte’ entstanden ist. Jetzt ist da so ein Latte Macchiato...“
Jedenfalls bin ich der Meinung, dass Menschen, die ein beschauliches Landleben genießen wollen, doch bitte nach Brandenburg und nicht ausgerechnet in ein Ausgehviertel in der Hauptstadt ziehen sollen. Denn die Gehsteige dort um 22 Uhr hochzuklappen, ist nun wirklich provinziell.





