Die zwei schwarzen Limousinen halten mit einer Viertelstunde Verspätung in der Schöneberger Wohnstraße. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) eilt am Freitagvormittag die Treppen des Altbaus hinauf. Fünf Stockwerke. Ohne Fahrstuhl. Wegner keucht nicht, als er samt Gefolge oben ankommt.

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Dabei sind es anstrengende Zeiten für ihn. Seine Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos, für CDU) hat wegen der Fördermittel-Affäre um Entlassung gebeten. Er hat sie ihr gewährt. Vor ziemlich genau einem Jahr war schon Wedl-Wilsons damaliger Chef Joe Chialo (CDU) als Kultursenator zurückgetreten. Auch seine Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) hat vorzeitig ihr Amt verlassen. Dazu diverse Staatssekretäre.

Wegner in der Generationen-WG: Verein bringt Menschen gegen Einsamkeit zusammen

Aber Wegner hat gelernt, mit Problemen umzugehen. Oder wie er sagen würde: mit „Herausforderungen“. Dazu hat er sich schon vor Amtsantritt beraten lassen. Von seinen sozialdemokratischen Amtsvorgängern. „Klaus Wowereit hat es mir gesagt und auch Michael Müller: Als Regierender Bürgermeister verläuft kein Tag so, wie du es geplant hast.“

Fest stand an diesem Tag aber: der Besuch der Generationen-WG in Schöneberg. Daran wollte er nicht rühren. Beate Meißner ist vor einem guten Jahr in ein Zimmer der großen Wohnung von Cornelia Stauß gezogen. Auch die Berliner Morgenpost hat schon über das Projekt berichtet. Zusammengebracht hat sie, wie auch 26 weitere WGs, der Verein Sonay soziales Leben im Rahmen von „Generationen-WG Berlin“. „Aus Einsamkeit und Wohnungsnot eine Lösung zu entwickeln, das passt zu Berlin.“ Aber Wegner grübelt auch. „Jemanden in seine Wohnung lassen, in sein Privatleben, das ist ein Schritt.“

Beim Besuch des Regierenden Bürgermeisters will die ARD einen Beitrag mit den Damen und Wegner drehen. Er wird darum in der WG-Küche für die Kamera kosmetisch präpariert. Dann geht er fürs Fernsehen noch einmal vor die Wohnungstür und spielt Ankommen. Der Nachbar von gegenüber sieht ihn ungläubig an. Kai Wegner trocken: „Hallo, ich bin Kai Wegner.“

Wegner kündigt zeitnahe Entscheidung zur neuen Kultursenatorin an

Es ist ein kurzer Wohlfühltermin für den Regierenden. Routiniert, volksnah und mit Berliner Charme lobt er den „gemütlichen“ österreichischen Akzent von Beate, nimmt das Material über ein bedrohtes Kulturprojekt von Cornelia entgegen und verspricht, sich zu kümmern.

Dann zurück in die Wirklichkeit. Die Berliner Morgenpost fragt ihn nach Wedl-Wilson, den Verstrickungen der CDU in die Fördermittel-Affäre. Wegner, ganz Polit-Profi, betont, dass er die Kurzzeit-Kultursenatorin sehr schätze. „Wie sie die Hochkultur hier unterstützt hat. Wie sie immer wieder auf Augenhöhe mit den Einrichtungen gesprochen hat. Das war ganz, ganz wichtig in einem ganz tollen Dialog.“ Aber es habe Konsequenzen geben müssen – und „Konsequenzen wurden gezogen“. Es werde „zeitnah“ einen Vorschlag geben, „wer dieses Amt als Kultursenatorin oder Kultursenator in Berlin übernehmen wird“.

Gemütlicher Küchenabend: Wie der Politiker den Tag ausklingen lässt

Doch bis dahin ist noch einiges zu tun. Als Nächstes muss er an diesem Tag weiter zum Apothekerverband. Wie sein Tag enden würde, hatte er zuvor schon in der WG-Küche verraten. Dort erzählte er, dass er abends, wenn er nach einem langen Tag nach Hause komme, mit seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), mittlerweile den Lebensmittelpunkt in der Küche habe. „Wir gehen oft gar nicht mehr ins Wohnzimmer.“ Stattdessen schmiere er sich dort noch gemütlich ein Brot, trinke ein Wasser oder auch mal einen Wein.