Wie kann Berlin langfristig von Großveranstaltungen profitieren? Während die Berliner Olympia-Bewerbung so langsam an Fahrt aufnimmt, will der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) mit Experten aus Wirtschaft, Politik, Sport und Stadtplanung diese Frage diskutieren. Unter dem Titel „Urban Catalyst – Großevents als Katalysator für eine zukunftsgerichtete Stadtentwicklung“ lädt der VBKI am 22. April zu einer großen Konferenz in die Uber Eats Music Hall. Die Berliner Morgenpost ist Medienpartner der Veranstaltung.

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„Wir wollen die Aufmerksamkeit auf die Chancen und Möglichkeiten lenken, die in solchen Megaevents liegen“, sagte VBKI-Chef Markus Voigt unserer Redaktion vorab. Großveranstaltungen dürften kein Selbstzweck sein, mahnt Voigt weiter. „Ihr Mehrwert entsteht nur dann, wenn sie konsequent in eine langfristige, nachhaltige Stadtentwicklungsstrategie eingebettet sind.“

Markus Voigt
Will Olympia nach Berlin holen: VBKI-Chef Markus Voigt. © Hans Cord Hartmann | Hans Cord Hartmann

Ein wesentliches Ziel der Konferenz liege deshalb darin, aus internationalen Erfahrungen zu lernen. „Städte, die Großevents erfolgreich genutzt haben – ich denke vor allem an London 2012 und Paris 2024 –, zeigen, dass Investitionen in Infrastruktur, Wohnraum und öffentliche Räume dann besonders wirksam sind, wenn sie von Anfang an auf die Bedürfnisse der Stadtgesellschaft ausgerichtet werden.“

Lernen von Paris, London – und Rio

Was in London gut funktioniert hat, wird Ricky Burdett präsentieren. Burdett ist Professor an der London School of Economics und war vor den Spielen 2012 Chefberater der britischen Regierung für Architektur und Stadtplanung. Auf die Risiken wird Marcos L. Rosa, Professor für Architektur und Städtebau aus Rio de Janeiro, hinweisen. Hohe Investitionen, von denen bei den normalen Menschen nichts angekommen ist, Umweltzerstörung, fehlende Konzepte für die Nachnutzung neu gebauter Anlagen – Spiele wie in Rio sollen sich nicht wiederholen.

Neben Akteuren aus der Stadtgesellschaft wird das Podium komplettiert von den Olympia-Siegern Ronald Rauhe und Heike Drechsler, dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und seinem Olympia-Beauftragten Kaweh Niroomand sowie Holger Preuß, Professor an der Universität Mainz, der zu sozioökonomischen Auswirkungen großer Sportveranstaltungen forscht.

Olympia in Berlin als Hebel für zentrale Zukunftsaufgaben?

Von der Konferenz soll neuer Schwung für die Berliner Bewerbung ausgehen, erhofft sich Ute Weiland, Geschäftsführerin des VBKI. Der Blick nach Paris zeige, dass Olympia wirtschaftliche Effekte in Milliardenhöhe bringen könne. Und der nach London, dass dieser Effekt auch nachhaltig sein könne. „Aus strukturschwachen Quartieren wie dem Londoner East End ist ein pulsierendes Zentrum für Wirtschaft, Innovation und Lebensqualität entstanden“, sagte Weiland. „Olympia war dort nicht das Ziel, sondern der Auslöser.“

VBKI-Geschäftsführerin Ute Weiland: „Infrastruktur modernisieren, Wohnraum schaffen, Digitalisierung voranbringen, Klimaneutralität erreichen.“
VBKI-Geschäftsführerin Ute Weiland: „Infrastruktur modernisieren, Wohnraum schaffen, Digitalisierung voranbringen, Klimaneutralität erreichen.“© FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Ähnliche Effekte hält sie auch in Berlin für möglich. „Ein langfristig vorzubereitendes Projekt wie Olympia zwingt uns schließlich, die zentralen Zukunftsaufgaben endlich konsequent anzugehen“, sagte Weiland. „Infrastruktur modernisieren, Wohnraum schaffen, Digitalisierung voranbringen, Klimaneutralität erreichen.“ In Zeiten, in denen Unsicherheit, Spaltung und Populismus überall präsent seien, brauche es ein gemeinsames Ziel und verbindendes Projekt wie Olympia. „Wäre es nicht großartig, in Berlin das nächste Sommermärchen zu schreiben?“

[...] Olympia zwingt uns schließlich, die zentralen Zukunftsaufgaben endlich konsequent anzugehen.

Ute Weiland,, VBKI-Geschäftsführerin

Für VBKI-Mitglieder kostet die Veranstaltung 79 Euro, für Gäste 99 Euro. Sie beginnt um 13.15 Uhr und endet um 17.30 Uhr mit einem Get-together. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap hatten jüngst 60 Prozent der Berliner angegeben, dass sie sich grundsätzlich eine Austragung der Olympischen Spiele in der Hauptstadt vorstellen könnten. Berlin will gemeinsam mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein die Olympischen Spiele und Paralympics 2036, 2040 oder 2044 nach Deutschland holen. Auch Hamburg, München und die Region Rhein-Ruhr wollen Austragungsort für Deutschland werden. Die finale Entscheidung fällt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Ende September.