Das prominent gelegene Quartier 206 an der Friedrichstraße soll unter den Hammer: Bereits seit Jahren soll ein neuer Eigentümer für das gebeutelte Objekt gefunden werden, dessen Eigentümer seit 2021 die Jagdfeld-Gruppe ist. Die Zwangsversteigerung des mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshauses ist im Grundbuch Mitte unter Blatt 4176N eingetragen. Der Verkehrswert beträgt laut einem Gutachten 187 Millionen Euro. Zuletzt hatte es am 5. Dezember 2025 einen erfolglosen Versuch gegeben, die teure Immobilie an den Mann zu bringen.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Am Freitag fand nun eine erneute Zwangsversteigerung im Amtsgericht Mitte statt. Die Verhandlung im Amtsgericht wurde wegen Bauarbeiten ins Foyer des Gerichts verlegt. Rund 100 Menschen wohnten ihr bei. Von den oberen Etagen verfolgten weitere Zuschauer das Geschehen.
Anno August Jagdfeld bei Versteigerung
Auch der Immobilienunternehmer Anno August Jagdfeld lauschte hinter einem Eckpfeiler der Verhandlung, wollte aber keinen Kommentar abgeben. Seine Ehefrau, Anne-Maria Jagdfeld, ist Inhaberin der Meoclinic im Q206, die das Gebäude als Ankermieter nutzt. Diese zahlt 1,8 Millionen Euro Miete pro Jahr für die 5000 Quadratmeter große Klinik.

Jagdfeld hat unter anderem das Hotel Heiligendamm, das neu errichtete Hotel Adlon und den exklusiven China Club entwickelt, den seine Frau edel ausstattete. Das Gebäude des Hotels Adlon am Pariser Platz, direkt am Brandenburger Tor, gehört mehr als 4000 Anlegern und wird über einen Fonds verwaltet. Anno August Jagdfeld verwaltet den Fonds seit 1994 als persönlich haftender Gesellschafter.
Leerstand und Verluste im Q206
Das Q206 war nach der Wende als Design-Kaufhaus geplant worden. Nach und nach hatten sich die großen Design-Label, darunter auch Etro und Wolfgang Joop, allerdings wieder verabschiedet, unter anderem weil die Berliner den Kudamm und das KaDeWe als Einkaufsmeile bevorzugten. Aktuell stehen rund 20.000 Quadratmeter im Gebäude laut eines Insiders leer und verursachen dadurch hohe Verluste.

Die Meoclinic ist Berlins größte Privatklinik. Ein Sprecher sagte der Morgenpost, dass die Luxus-Klinik auch nach einem Eigentümerwechsel im Q206 bleiben will. Die Chancen dafür stehen gut, da 2022 ein fester Mietvertrag über 20 Jahre geschlossen wurde. Außerdem gibt es eine Klausel im Mietvertrag, die der Meoclinic wegen ihrer hohen Investitionen im Gebäude einen Schadensersatz in Höhe von 20 Millionen Euro zusichert, sollte der neue Eigentümer ihr kündigen.

Details der Luxus-Immobilie
Die Nutzflächen im Q206 umfassen rund 8110 Quadratmeter Einzelhandelsflächen, etwa 15.125 Quadratmeter Büro- und Praxisflächen, circa 940 Quadratmeter Lagerflächen sowie ungefähr 1270 Quadratmeter Wohnflächen. Das 1996 errichtete Gebäude verfügt zudem über zwei Tiefgaragen-Ebenen mit insgesamt 262 Stellplätzen.

Das Quartier 206 ist Teil der Friedrichstadt-Passagen, einem prestigeträchtigen Ensemble aus drei zusammenhängenden Einkaufs- und Geschäftskomplexen. Durch einen Tunnel ist das Warenhaus mit den benachbarten Quartieren verbunden. Die im Besitz von Tishman Speyer befindlichen Quartiere Q207 (ehemaliges Kaufhaus Galeries Lafayette) und Q205 besitzen hier Zugangsrechte.
Zwangsversteigerung: So spannend verlief sie
Zuerst wurden alle Eckdaten zur Versteigerung des Gebäudes vor Gericht verlesen, das 2021 der Jagdfeld-Gruppe zugesprochen wurde. Im Grundbuch firmieren die Eigentümer der Immobilie in der Friedrichstraße 71 (Ecke Taubenstraße) als Blanko 177 KG Berlin.
Hauptgläubiger ist die Credit Suisse International, die einen Anwalt aus Frankfurt am Main schickte. Weitere Gläubiger sind unter anderem das Finanzamt Berlin, da die Grundsteuer seit 2025 nicht bezahlt wurde, und die Berliner Stadtreinigung (BSR) mit rund 1500 Euro. Auf dem Gebäude liegen mehrere Sicherungshypotheken der Credit Suisse International. Eine davon liegt bei 68,8 Millionen Euro. Die Gesamthöhe des Hypothekenkapitals wurde mit 151 Millionen Euro seit dem 21. Januar 2022 angegeben.
Luxemburger Firma bietet deutlich unter Verkehrswert
Der Verkehrswert wurde 2025 nach einem Gutachten auf 187 Millionen Euro festgesetzt. Bei den Geboten gab es jedoch „keine Wertgrenzen“, wie das Amtsgericht erklärte. Allerdings war ein Mindestgebot von 1,2 Millionen einzuhalten. Das erste Gebot in Höhe von 39 Millionen Euro kam von einer Firma namens Pax. Das zweite und höchste Gebot wurde von der Eirine Bidco S.a.r.l. aus Luxemburg mit 40 Millionen Euro abgegeben. Sie erhielt zunächst den Zuschlag.
Die Credit Suisse hat nun bis zum 24. April Zeit zu überlegen, ob sie das relativ niedrige Angebot annehmen will. Die fälligen Sicherungshypotheken der Schweizer Bank, die mit vier Prozent seit 2022 verzinst werden, sind weiter höher als das Gebot. Bereits am 5. Dezember 2025 gab es einen Versuch, die Immobilie zu versteigern. Auch damals war das Gebot niedrig, sodass die Verhandlung auf April vertagt worden war.
Rückblick: Mehrere Anläufe zur Zwangsversteigerung
Schon im Jahr 2011 wurde das Quartier 206 aufgrund hoher Verbindlichkeiten unter Zwangsverwaltung gestellt. Damit ging die tatsächliche Kontrolle über die Immobilie von der Jagdfeld-Gruppe weitgehend auf die finanzierenden Banken und die eingesetzten Verwalter über.
Das Landgericht Berlin hob den zunächst erteilten Zuschlag später auf und erklärte die Entscheidung für rechtswidrig. Damit gelangte die Immobilie nach Jahren der Zwangsverwaltung wieder in den Einflussbereich ihres ursprünglichen Entwicklers.
Auch nach dieser gerichtlichen Klärung blieb die wirtschaftliche Situation des Objekts von den Folgen der langjährigen Finanzierungs- und Verwertungskrise geprägt. Die finanziellen Schwierigkeiten führten nun schließlich zur aktuellen Zwangsversteigerung, bei der als Gläubiger die Credit Suisse International sowie das Land Berlin, vertreten durch das Finanzamt Mitte/Tiergarten, genannt werden.





