- Am Montag beginnt in Berlin die sogenannte „Speedweek“
- Doch wie wirksam sind solche Aktionen wirklich?
- Lesen Sie hier, was Experten dazu sagen und was sie zusätzlich fordern
Mit Hochdruck gegen Raser – bringt das wirklich mehr Sicherheit? In Berlin und ganz Deutschland beginnt heute der große Blitzermarathon, um Temposünder zu erwischen. Polizistinnen und Polizisten werden darum verstärkt an unfallträchtigen Straßen und Kreuzungen sowie Schulwegen und rund um Krankenhäuser oder Senioreneinrichtungen unterwegs sein. Laut „Berliner Kurier“ sollen vor allem im Osten der Stadt verstärkt mobile Blitzgeräte aufgestellt werden.

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In diesem Jahr (Stand: 7. April) sind in Berlin nach Polizeiangaben bislang sieben Menschen bei Verkehrsunfällen gestorben. Im vergangenen Jahr starben 37 Menschen auf den Straßen der Stadt (2024: 55). Die Polizei registrierte insgesamt 137.373 Unfälle – 3,01 Prozent mehr als im Jahr 2024.
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Blitzermarathon bringt laut Experten nur kurzfristig mehr Disziplin
Doch Experten sind skeptisch: Solche Aktionen wie die „Speedweek“ sorgen oft nur kurz für Disziplin auf den Straßen. „Ein Blitzermarathon sorgt für eine kurzzeitige Aufmerksamkeit für das Thema Geschwindigkeit. Das ist erst einmal eine gute Sache, aber es wirkt nicht dauerhaft“, sagte die Leiterin der Unfallforschung im Gesamtverband der Versicherer (GDV), Kirstin Zeidler, der Deutschen Presse-Agentur.
„In dem Zeitraum wird dann sehr diszipliniert gefahren, weil man Sorge hat, erwischt zu werden. Wir wissen aber auch, dass die Sensibilisierung kurz danach wieder nachlässt“, so Zeidler.
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Blitzermarathon startet in fast allen Bundesländern am Montag
Der Blitzermarathon läuft bis zum kommenden Sonntag. Anders als zuletzt ist diesmal auch Berlin daran beteiligt. „Ein Blitzermarathon allein schafft zwar noch keine langfristige Sicherheit – aber er setzt ein wichtiges Signal“, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Antje Kapek, der dpa.
„Die Zahl der gemessenen Geschwindigkeitsüberschreitungen in Berlin ist alarmierend. Solange die Wahrscheinlichkeit, bei überhöhter Geschwindigkeit erwischt zu werden, gegen null tendiert, wird es leider weitere Verkehrsopfer geben.“
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Polizeigewerkschaft kritisiert Berliner Teilnahme
Kritik kommt von der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP. „Wir können nicht nachvollziehen, warum Berlin von der ursprünglichen Herangehensweise der letzten Jahre abrückt und diesmal teilnimmt“, sagt GdP-Sprecher Benjamin Jendro. „Der Blitzermarathon ist und bleibt ein medienwirksames Ereignis ohne nachhaltigen Mehrwert.“ Verkehrsüberwachung sei keine Eintagsfliege, sie funktioniere nur mit dauerhafter Präsenz auf den Straßen und passend abgestimmter Digitalisierung.
„Statt hier für das kurzfristige Erhellen des Dunkelfeldes der täglichen Probleme im Straßenverkehr Personal zu binden, sollten wir ernsthaft über die Kernaufgaben der Hauptstadpolizei sprechen, um Kapazitäten für solch wichtige dauerhafte Aufgaben freizubekommen“, so Jendro weiter. „Zudem brauchen wir mehr intelligente Kameratechnik, direkte Leitungen zur Bußgeldstelle und automatisierte Bearbeitungen sowie endlich die Halterhaftung.“
Experten dämpfen die Erwartungen
Auch Kirstin Zeidler plädiert für konsequente Kontrollen über die „Speedweek“ hinaus: „Nachhaltigkeit erreicht man durch eine Mischung von festen und mobilen Blitzern“, so die Expertin. Feste Blitzer brauche es an neuralgischen Punkten für geschwindigkeitsbedingte Unfälle. „Man braucht aber unbedingt auch mobile Blitzer, die immer wieder an anderen Stellen stehen, damit ich als Autofahrer jederzeit damit rechnen muss. Nur dann erreichen wir nachhaltig eine Disziplinierung.“
Der Verkehrsexperte der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Tino Schopf, warnt ebenfalls vor zu hohen Erwartungen: Eine solche Aktionswoche könne das Problembewusstsein erhöhen, sagte er. „Danach kehrt die Mehrheit der Autofahrer aber zu alten Gewohnheiten zurück.“
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Schopf fordert deshalb, insbesondere noch mehr mobile Blitzer anzuschaffen und sich mehr um die Bußgelder zu kümmern. In Berlin seien die Bußgeldstellen zuletzt gar nicht hinterhergekommen – Temposünder, die eigentlich hätten zahlen müssen, kamen ohne Bußgeld davon. „Dafür muss entsprechend das Personal vorgehalten werden“, so der SPD-Verkehrsexperte.
Nach Einschätzung von Antje Kapek gibt es „enormen Handlungsbedarf“ in Berlin. „Jeder Tempoverstoß erhöht das Risiko schwerer Unfälle erheblich“, sagte sie. „Berlin braucht deutlich mehr Blitzer, mehr Kontrollen und eine konsequente Ahndung von Rasern.“ mit dpa







