Liebe Leserin, lieber Leser,
manchmal schreibt die Politik in Berlin Geschichten, bei denen man kurz prüft, ob man aus Versehen im Satire-Ressort gelandet ist.
Eine SPD-Kandidatin aus Mitte ist für ihren eigentlichen Job dienstunfähig, macht parallel aber Vorwahlkampf. Dann folgt die Erklärung: Diese Auftritte hätten ihr bei der Genesung einer psychischen Erkrankung geholfen. Nun endet ihre Krankschreibung in wenigen Tagen. Anschließend wird sie aber in Elternzeit gehen.
Ob sie ihre Kandidatur vorher noch zurückziehen wird? Da scheiden sich derzeit noch die Geister: Sie selbst möchte kämpfen, der SPD-Landesverband hat aber bereits entschieden, dass das nicht verantwortbar sei. Fertig ist eine Story, bei der sich selbst Drehbuchautoren denken würden: ein wenig zu dick aufgetragen.
SPD-Kandidatin wehrt sich: „Bin nicht zurückgetreten“
Selbstverständlich haben wir Frau Francisco dos Santos die Möglichkeit gegeben, zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen. Hier lesen Sie ihre Sicht der Dinge.
Der eigentliche Fehler liegt nicht im Kranksein
Nun kann man es sich einfach machen und sagen: typisch Politik. Und ja, ganz falsch ist das nicht. Denn hier geht es nicht nur um Krankheit, sondern um Urteilsvermögen.

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Natürlich kann jemand für den Job krankgeschrieben sein und trotzdem anderes leisten. Das ist weder ungewöhnlich noch verwerflich. Aber wer gleichzeitig eine Spitzenkandidatur annehmen möchte, sollte zumindest ahnen, wie das wirkt. Spoiler: nicht gut.
Die SPD hat am Ende die Reißleine gezogen
Die SPD scheint daher am Ende doch die Reißleine gezogen zu haben. Zu spät, aber immerhin. Der Schaden ist dennoch da. Weniger für die Partei als für das Vertrauen in politische Ernsthaftigkeit. Denn Politik lebt davon, dass Menschen Entscheidungen nachvollziehen können. Wenn aber der Eindruck entsteht, hier werde je nach Bedarf zwischen „zu krank“ und „fit genug“ gewechselt, dann ist das mehr als ein Einzelfall. Dann wird es zum Symbol.
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Wer gleichzeitig krank, im Wahlkampf und auf dem Sprung in die Elternzeit ist, mag vieles sein, aber ganz sicher kein Angebot, bei dem Wähler denken: Genau diese Person soll jetzt Verantwortung für meinen Bezirk übernehmen.





