Sie dauert wenige Sekunden und funktioniert erstaunlich sanft: die Notbremsung einer Straßenbahn. Wenn ein Fahrgast am Alarmgriff in der Tram zieht, dann stoppt die Bahn immer sofort. Aber eben nicht so abrupt, wie man es vielleicht erwarten würde. Schließlich, erklärt Torsten Franz, soll das Ziehen der Bremse nicht dazu führen, dass in der Bahn noch andere Fahrgäste verletzt werden. Franz ist seit 1985 bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), hat als Straßenbahnfahrer angefangen und ist inzwischen Fahrlehrer. An diesem Tag zeigt er, was passiert, wenn der Alarmgriff gezogen wird. Darüber, wie Fahrgäste die Noteinrichtungen nutzen können, wollen die BVG aktuell verstärkt aufklären.

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Grund ist, dass viele Fahrgäste bisher nur wenig über die Möglichkeiten wissen, im Notfall Hilfe zu alarmieren. „Wir haben im Zusammenhang mit den Reinigungsstreifen auf der U8 Fahrgastumfragen gemacht und gefragt: Wüsstest du, an wen du dich wenden kannst und wie du das Personal erreichst, wenn du Hilfe brauchst?“, erzählt Franziska Brauer, bei der BVG zuständig für das Projekt Fahrgastsicherheit. Die Ergebnisse habe man zum Anlass für eine neue Kampagne genommen, denn: „Es sind alle Einrichtungen und auch Menschen da, die helfen können. Aber nicht jeder Fahrgast weiß, wo er sie findet. Dieses Bewusstsein wollen wir jetzt schärfen.“

Was passiert, wenn ich die Notbremse ziehe?

weitere Videos

    BVG: Keine Sorgen vor häufigerem Missbrauch der Notbremse

    Die Kampagne mit kurzen Erklärvideos hat sich zunächst Bahnhöfen und der U-Bahn gewidmet, nun folgt die Straßenbahn. Ersten Befragungen zufolge hat sie schon etwas bewirkt. „Wir haben schon gute Ergebnisse erzielt, wonach die Menschen froh darüber sind, dass man sie aufklärt“, schildert Brauer. Sie vergleicht das Prinzip der Sicherheitsvideos der BVG mit den Einspielern zu Sicherheitseinrichtungen im Flugzeug, die immer vor dem Start zu sehen oder zu hören sind. „Die hat irgendwann jeder verinnerlicht“, sagt Brauer. „Diese Idee verfolgen wir auch mit den Videos für die Bahnen und die Bahnsteige.“

    Sorgen darüber, dass die Kampagne auch zu häufigerem Missbrauch der Notbremsen führen könnte, macht sich Franziska Brauer nicht. „Wir sind froh, wenn die Fahrgäste die Einrichtungen nutzen. Wenn mal jemand dabei ist, der sich einen Scherz erlaubt, nehmen wir das in Kauf“, sagt sie, denn: „Die Chance, dass ein ernsthafter Notfall damit verhindert werden kann, ist viel größer.“ Im Zweifelsfall solle die Notbremse daher lieber einmal zu oft als zu wenig gezogen werden.

    Praxistest Notbremse bei der Straßenbahn
    „Wir sind froh, wenn die Fahrgäste die Einrichtungen nutzen“, sagt Franziska Brauer von der BVG.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

    Notbremse bei der Straßenbahn wird im Schnitt einmal pro Woche genutzt

    Im Bereich der Straßenbahn kommt der Alarmgriff bislang eher selten zum Einsatz – seit Beginn des Jahres war das laut BVG im Schnitt einmal die Woche der Fall. Situationen, in denen die Notbremse missbräuchlich benutzt wurde, hat auch Torsten Franz in seinen vielen Jahren als Tramfahrer nur selten erlebt. Er nennt dafür unterschiedliche Situationen, in denen die Notbremse angebracht sein kann – etwa bei einem medizinischen Notfall oder auch, wenn man eine Rauchentwicklung bemerkt. „Der Fahrer kann das im Wageninneren nicht immer mitbekommen“, schildert er. Auch für den Fall eines Übergriffs oder wenn etwas in der Tür eingeklemmt wird, kann die Notbremse helfen.

    Praxistest Notbremse bei der Straßenbahn
    Torsten Franz ist Fahrlehrer bei der BVG und ermutigt Fahrgäste, die Notbremse zu benutzen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

    Viel Kraft, um die Bremse zu betätigen, braucht man nicht – das zeigt der Selbstversuch ebenfalls. Wie Franz im Führerstand merkt, dass jemand am Alarmgriff gezogen hat? „Die Warnglocke geht an, und das Fahrzeug bremst bis zum Stillstand ab. Ich habe dann als Fahrer keinen Einfluss mehr“, erklärt er. Das ist ein Unterschied zur U-Bahn: Dort löst das Ziehen am Alarmgriff lediglich ein Signal beim Fahrer aus, aber keine automatische Bremsung. Das Fahrzeug zum Stehen zu bringen, liegt dort weiterhin in der Verantwortung des Personals, auch um einen Stopp mitten im Tunnel zu vermeiden.

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    BVG-Fahrer kann Videodaten in Ernstfällen sichern lassen

    Die Notbremsen befinden sich neben allen Türen in den Straßenbahnen, wo es außerdem Videokameras und Sprechstellen gibt. Per Knopfdruck kann so direkter Kontakt mit dem Fahrer oder der Fahrerin aufgenommen werden. Das kann ebenfalls nützlich sein, wenn man beispielsweise von anderen Fahrgästen bedrängt wird oder einen Diebstahl melden will. Denn: Gibt man dem Fahrer Bescheid, kann dieser dafür sorgen, dass relevante Videodaten direkt gesichert werden.

    Auch Torsten Franz macht Fahrgästen Mut, die Sprechfunktion oder die Notbremse zu nutzen. Selbst wenn sich am Ende herausstellen sollte, dass es sich doch nicht um einen Notfall gehandelt hat. Solange die Bremse nicht aus „Jux und Dollerei“ gezogen wird, solle man als Fahrer Augenmaß beweisen, findet er. Dem Fahrgast solle man im Zweifelsfall nicht mit einer Strafe drohen, sondern nur darauf hinweisen, die Notbremse in einer solchen Situation nicht noch mal zu nutzen.