Die Neugierde war größer als die Scheu, die noch nicht ganz überwunden ist: Während Zoodirektor Andreas Knieriem am Donnerstag zur Eröffnung des neuen Tigergeheges eine kleine Ansprache hielt, trauten sie sich hervor. Auf der einen Seite stand Kater Banyu, auf der anderen Seite Katze Luise. Es war das erste Mal, dass sich die beiden Sumatra-Tiger auf ihrer neuen Anlage bis nach vorn an die großen Glasscheiben gewagt hatten. Mit lautem Gebrüll stellten sie sofort klar, wer das Sagen im Revier hat. Sie mögen noch fremdeln mit der neuen Umgebung, Angst aber kennt ein Tiger nicht.

 Eröffnung des fertiggestellten Tiger-Refugiums
Sumatra-Tiger Banyu kam neugierig an die Glasscheibe während der Eröffnungsrede von Zoodirektor Andreas Knieriem heran.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Für die Zoo-Mitarbeiter war es ein erfreuliches Signal. Denn es bedeutete, dass das Eis gebrochen ist, die Tiere in ihrer Dschungellandschaft angekommen sind. Das Gehege ist erst seit Kurzem ihr Zuhause. Jetzt ist es auch offiziell für das Publikum eröffnet. Luise ist nur innerhalb des Zoos von der alten Raubtieranlage auf die andere Seite gezogen. Die drei Jahre alte Tigerdame hat Platz gemacht für die beiden Amurtiger-Brüder Friedrich und Hubertus, die seit einer Woche durch das Reich der Jäger streifen. Luises Schwester Lotte ist nach Großbritannien umgezogen.

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Sumatra-Tiger-Kater Banyu, noch nicht ganz drei Jahre alt, kam Ende Februar aus Schweden. Er machte das neue Tiger-Quartett im Zoo, das nun aus zwei Amurtigern und zwei Sumatra-Tigern besteht, komplett. Als stattlich wurde er angekündigt, Andreas Knieriem nennt ihn „moppelig“. Sicher ist, dass der fette Schwede auf Diät gesetzt werden muss, nachdem er sich im Winter zu viel Speck angefressen hat. „Nicht sofort, aber wenn er sich eingewöhnt hat, sollte er gern 20 Kilogramm verlieren“, sagt der Zoodirektor. Die Ernährungsberaterin ist schon eingeschaltet.

 Eröffnung des fertiggestellten Tiger-Refugiums
Auch Luise kommt zur offiziellen Eröffnung des Tiger-Refugiums an die große Glasscheibe.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Denn Banyu hat einen klaren Auftrag: Er soll für Nachwuchs sorgen. „Wir wünschen uns fruchtbare Ergebnisse“, sagte Knieriem in seiner Eröffnungsrede. Genau in diesem Moment flog ein Storch über das Gehege. Ein zweites positives Zeichen an diesem Vormittag. Doch bis es soweit ist, müssen die beiden Tiger sich nicht nur in ihrem neuen Revier eingewöhnen, sie müssen sich auch aneinander gewöhnen.

In Berlin sind mehr als 150 Sumatra-Tiger auf die Welt gekommen

Noch leben sie in getrennten Bereichen, die aber spätestens, wenn die Paarungszeit naht, geöffnet werden sollen. Offensichtliche Sympathie vorausgesetzt. „Das wird klappen, Tiger sind nicht wählerisch“, gibt sich Knierim in Sachen Zuchterfolg optimistisch. In Berlin sind in den vergangenen 70 Jahren mehr als 150 Sumatra-Tiger geboren worden. Mit 400 bis 600 wild lebenden Tieren auf der indonesischen Insel Sumatra gehören sie zu den am stärksten bedrohten Großkatzen der Erde.

 Eröffnung des fertiggestellten Tiger-Refugiums
Staatssekretär Severin Fischer (li.) und Zoodirektor Andreas Knierim zerschneiden gemeinsam zur Eröffnung das Band.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Die neue Dschungellandschaft ist auf dem Gelände der ehemaligen Stelzvogelwiesen in den vergangenen zwei Jahren entstanden. Die beiden Außenanlagen mit Wasserbecken, Flusslauf, kleinem Wasserfall, beheizten Liegeflächen auf den Felsen sowie Kratz- und Kletterbäumen werden von einem etwa 2500 Quadratmeter großen Netz überspannt. Die Glasscheiben an den Besuchereinblicken sind vier Zentimeter stark und halten selbst einem 300 Kilogramm schweren Tiger problemlos stand.

Bauprojekt wurde zur Hälfte vom Land Berlin gefördert

Das Bauprojekt hat mehr als sieben Millionen Euro gekostet, der Zoo zahlte davon 3,7 Millionen Euro. Das Land Berlin förderte mit 3,9 Millionen Euro diese Anlage über Mittel der Gemeinschaftsaufgabe (GRW). Seit 2016 sei der Umbau des Zoos mit GRW-Fördermitteln in Höhe von rund 20,4 Millionen Euro gefördert worden, erklärte Severin Fischer, Staatssekretär in der Senatswirtschaftsverwaltung, zur Eröffnung der neuen Netzanlage. Das nächste Projekt werde die Modernisierung des Aquariums sein. Damit solle die touristische Infrastruktur der City West gestärkt werden. Einen wesentlichen Beitrag dazu werden jetzt aber erst mal die vier Tiger und vielleicht schon bald ein Tigerbaby im Zoo leisten.