In der Abendsonne konnte regelrecht Großstadt-Romantik aufkommen. Die prächtige gläserne Fassade des Berliner Hauptbahnhofs spiegelte sich imposant in dem neuen Gewässer. Am Ufer zauste der Frühlingswind fast zärtlich ein paar weggeworfene Tüten und Becher. Und im Gegenlicht wirkte Berlins vielleicht prominenteste Dauer-Brache namens Europaplatz fast wie eine innerstädtische Oase. Hörte man nicht sogar ein leises Quaken, wenn der Verkehr mal schwieg?

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Diese Hoffnung – oder Befürchtung? – kam bei manchen Besuchern des Platzes auf. „Da haben sich jetzt Frösche angesiedelt, muss so bleiben“, kommentierte ein Nutzer des Onlineportals Reddit ein Foto von der Idylle. Ein anderer fragte erschrocken zurück: „Echt?“

Hauptbahnhof Europaplatz
Europaplatz: Die ewige Brache am Hauptbahnhof wird derzeit neu gestaltet. © BM | Uta Keseling

Ganz abwegig klingt der Gedanke nicht. Berlin ist unter anderem gefühlte Hauptstadt der Bau-Verhinderungstiere. Zauneidechsen, Kreuzkröten und seltene Ameisen lassen grüßen. Und der Hauptbahnhof kann längst als würdiger Nachfolger der Pannenbaustelle am Flughafen BER gelten: Gerade erst wurde hier mal wieder ein langjähriges Bauprojekt nicht eröffnet. Die neue S-Bahn-Linie S15 wird nun doch nicht ab Ende März vom Hauptbahnhof abfahren. Geplant war der Start ursprünglich 2017.

Die Grube liegt über den Untergeschossen des Bahnhofs, wo es ja öfter mal tropft

Deutet der neue „Teich“ auf ein nächstes Desaster hin? Bei näherer Betrachtung ist das Gewässer eine vollgelaufene Baugrube. Sie liegt über den Untergeschossen des Bahnhofs, wo es ja öfter mal aus der Decke tropft. Ein Schild auf dem Platz informiert: Die Grube gehört zur endlich begonnenen „Umgestaltung“ des Europaplatzes. „Die barrierefreie Gestaltung verbindet Bahnhof und Stadt“, so die Information der Senatsbauverwaltung. Ein „grüner Schirm“ soll als zentrales Element mit „stadtklimafesten“ Bäumen das Mikroklima verbessern. Ebenfalls geplant: ein „intelligentes Regenwassermanagement“.

Letzteres erklärt laut Senatsbauverwaltung auch die vollgelaufene Grube. Diese sei für die Baumbepflanzung ausgehoben worden, teilt Martin Pallgen, Sprecher der Bauverwaltung, auf Anfrage mit. Das Wasser sei „Niederschlagswasser aus der Umgebung“ gewesen, „das sich auf den Tunnelanlagen des Hauptbahnhofs angestaut hatte“. Pallgen gibt Entwarnung – sowohl für die Nutzer des Platzes, die künftig ohne Schwimmflügel anreisen können, als auch für den Bahnhof. „Die Baufirma hat das Wasser mittlerweile abgepumpt und so die Tunneldecke trockengelegt“, so Pallgen.

Hauptbahnhof Europaplatz
Hauptbahnhof Berlin, Gleis 8: Tauben genießen das Tropfwasser im 2. Untergeschoss. © BM | Uta Keseling

Perspektivisch werde durch die Umgestaltung des Europaplatzes Süd die Versickerung von Niederschlagswasser verbessert. „Es wird zum Beispiel in ein Entwässerungssystem eingeleitet.“ Die Bauarbeiten liegen laut Pallgen im Zeitplan. Auch die Deutsche Bahn gibt Entwarnung: „Dass es hier Zusammenhänge gibt, die das Tropfen auf den Bahnsteig verursachen, können wir nicht bestätigen“, heißt es auf Anfrage bei der Pressestelle.