Erneut kam es zu mehr Unfällen auf Berlins Straßen. Erfasste die Berliner Polizei im Jahr 2024 noch 133.364 Unfälle, waren es im vergangenen Jahr insgesamt 137.373, was einem Anstieg von drei Prozent entspricht – die allermeisten davon mit Blechschäden. Das geht aus der Verkehrssicherheitslage 2025 hervor, die am Mittwoch im Landeskriminalamt vorgestellt wurde. Zu dieser Bilanz trage auch der zunehmende Verkehr in einer wachsenden Stadt bei, betonte Innensenatorin Iris Spranger (SPD). Derzeit sind 1,6 Millionen Autos bei knapp 3,9 Millionen Einwohnern in Berlin gemeldet, hinzu kommen drei Millionen Fahrräder und 70.000 E-Scooter.
Doch es konnten auch positive Nachrichten verkündet werden. So ging die Zahl der Todesopfer nach dem traurigen Rekordjahr 2024 (55 Tote) auf 37 Verstorbene zurück. Es gab zudem weniger Schwerstverletzte (2024: 1920, 2025: 1840). „Wir wissen aber, dass hinter jeder dieser Zahlen ein Schicksal steht“, betonte Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel. Bei rund 14.000 Unfällen mit Personenschäden wurden etwa 17.000 Menschen verletzt. Das sind 525 Menschen mehr als im Vorjahr. Trotz des Anstiegs habe es immer noch weniger Unfälle gegeben als in den Jahren 2016 bis 2019 vor der Corona-Pandemie, unterstrich Slowik Meisel.
Besonders Kinder und Senioren von Unfällen in Berlin betroffen
Überhöhte Geschwindigkeit, die Missachtung von Vorfahrtsregeln und Ablenkung sind nach wie vor die häufigsten Ursachen. Im vergangenen Jahr wurden knapp 11.230 Unfälle durch Abbiegefehler (2024: 11.703), 5044 durch die Nichtbeachtung der Vorfahrt (2024: 4909), 2704 durch überhöhte Geschwindigkeit (2024: 2169), 1205 wegen Alkoholeinflusses (2024: 1271) und 1229 durch Rotlichtverstöße (2024: 1156) verursacht.
Überproportional betroffen sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer. So sind 2025 erneut mehr Kinder (667) und mehr Senioren (1589) als in den Vorjahren Opfer von Verkehrsunfällen geworden. Auch Fußgänger (1962) und Radfahrer (4953) sind überdurchschnittlich oft betroffen. Autofahrer waren laut Statistik im vergangenen Jahr in knapp 68 Prozent der Unfälle für diese verantwortlich. Radfahrer (3 Prozent) und Fußgänger (0,9 Prozent) waren deutlich seltener schuld. Nach Altersgruppen trugen vor allem Menschen im Erwachsenenalter von 25 bis 64 Jahren (63 Prozent) Verantwortung für Unfälle, es folgten Senioren (12 Prozent) und junge Erwachsene (11 Prozent). „Es braucht die Vernunft und die Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer“, so Slowik Meisel.
Es braucht die Vernunft und die Rücksicht aller Verkehrsteilnehmer
Barbara Slowik Meisel , Polizeipräsidentin
Anders sah das bei den 37 tödlichen Unfällen aus. Hier lag die Schuld den Angaben zufolge etwa zur Hälfte bei den Todesopfern und zur anderen Hälfte beim anderen Verkehrsteilnehmer. 17 Tote waren Fußgänger, acht saßen im Auto und jeweils fünf waren Radfahrer oder Motorrad- oder Rollerfahrer. Dazu kamen zwei sonstige Verkehrsteilnehmer. Senioren stellten mit 22 erneut die größte Gruppe unter den 37 Toten.
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Einen Rückgang der Zahlen schaffe man nur gemeinsam, sagte Spranger. Jeder müsse sich an die Regeln halten: „Die Polizei kann individuelles Handeln nicht steuern.“ Das sieht Stephan Weh, Landeschef der Berliner Gewerkschaft der Polizei (GdP), ähnlich. „Der wachsende Egoismus auf unseren Straßen und Wegen verursacht schwere Verletzungen und kostet Menschenleben“, so Weh. „Wenn die Politik die Zahlen wirklich senken und die Sicherheit nachhaltig erhöhen möchte, brauchen wir einen ganzheitlichen Ansatz für den Verkehrsraum Berlin, weniger Dogmatismus und ein stetiges Gegeneinanderausspielen von Verkehrsteilnehmenden.“
So viele Blitzer stehen in Berlin

Innensenatorin Spranger kündigte an, noch konsequenter gegen Straßenrowdys vorgehen zu wollen. „Mir ist es persönlich wichtig, den Kontrolldruck in diesem Jahr aufrechtzuerhalten und, wenn möglich, zu erhöhen“, sagte sie. Neben umfassenden Präventionskampagnen setzt die Polizei derzeit 24 stationäre und 24 kombinierte Blitzeranlagen, 20 Radarwagen und sechs Messanhänger ein. Die Bußgeldstelle sei um acht Mitarbeiter verstärkt worden, hieß es weiter.
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 8271 Messeinsätze durch mobile Bitzer durchgeführt. Bei über 20 Millionen gemessenen Fahrzeugen wurden aber bei lediglich 825.000 von ihnen Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt, was einer Quote von circa vier Prozent entspricht. Die fest aufgestellten Säulen blitzten 351.000 Fahrer, die zur Kasse gebeten wurden. Zudem wurden 21.530 Fahrer an roten Ampeln geblitzt. Mit rund 9700 Schwerpunkteinsätzen ging die Polizei gegen Verstöße und gefährliches Verhalten im Straßenverkehr vor.
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„Die Vision einer sicheren Stadt ohne Verkehrstote und Schwerverletzte rückt in weite Ferne“, kritisieren die verkehrspolitischen Sprecherinnen der Grünen, Oda Hassepaß und Antje Kapek. Das sei das fatale Ergebnis der CDU-Politik, die ungebremsten Durchgangsverkehr über die Sicherheit der Menschen stellte, so die Politikerinnen: „Statt Leben zu schützen, stoppt die CDU Kiezblocks, verhindert neue Radwege und kassiert Tempo 30 vor Schulen wieder ein.“ Verkehrsberuhigung hingegen rette nachweislich Menschenleben.
Eine Ansicht, die nicht überall geteilt wird. „Wir sind als GdP sehr offen für innovative Ideen, um die Sicherheit zu erhöhen und den Verkehrsraum sinnvoll umzugestalten“, sagt GdP-Landeschef Stephan Weh. „Tempo 30 vor Schulen und Kitas ergibt Sinn, nachts sicher auch, aber eben nicht grundsätzlich, wenn der Verkehr nicht komplett zum Erliegen kommen soll.“

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Vielmehr brauche man endlich eine verpflichtende Beteiligung von Polizei und Feuerwehr bei jeglichen baulichen Veränderungen im Straßenverkehr. „Es geht oft auch um Flucht- und Rettungswege, und am Ende des Tages können wir Menschen in Not nicht helfen, wenn wir nicht mehr durchkommen“, so Weh.








