Berlins Krankenhäuser und das gesamte Gesundheitswesen sind dabei, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. In einem noch vertraulichen Rahmenplan werden Schritte vorgesehen, um die Kliniken besser auf Krieg und andere Krisen vorzubereiten. „Es gibt verschiedene Krisen-Szenarien“, sagte Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) im Interview mit der Berliner Morgenpost: „Da ist es gut, wenn jede und jeder weiß, was dann jeweils zu tun ist.“

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Militärs rechnen im Kriegsfall mit bis zu 1000 Verletzten Soldaten täglich, von denen ein größerer Teil auch in Berlin behandelt werden muss. Czyborra orientiert sich an diesen Vorgaben, auch wenn sie aus ihrem Amt als Landespolitikerin nicht einzuschätzen vermag, wie realistisch diese Erwartungen sind. „Wir haben eine hybride Bedrohungslage“, so die Sozialdemokratin. Es würden Drohnen gesichtet, es gebe Cyberangriffe auf unsere Krankenhäuser und Forschungseinrichtungen.
Mit der Behandlung verletzter ukrainischer Soldaten haben Kliniken Erfahrungen gesammelt
Bereits jetzt haben Berlins Krankenhäuser Erfahrungen mit Kriegsfolgen gesammelt: „Wir versorgen verletzte Soldaten aus der Ukraine“, so die Senatorin. Silvester habe es Verletzungen durch Kugelbomben gegeben, „die wir so schon lange nicht mehr gesehen haben“, sagte die Senatorin.
Der Bund müsse koordinieren, was in den einzelnen Bundesländern zu geschehen habe. Auch müsse er sich an der Finanzierung beteiligen. Aber Berlin müsse wegen seiner besonderen Lage und seiner Funktion als Hauptstadt in solche Überlegungen einbezogen werden. Ob etwa Bunker in Krankenhäusern nötig seien, müsse die Bundesregierung entscheiden. „Ich denke aber, es ist sinnvoller, ein funktionierendes Abwehrsystem gegen Raketen und Drohnen aufzubauen, Satellitentechnik und Sicherheitsforschung als nur überall Bunker zu bauen“, sagte die Senatorin. Die Regelversorgung für die Zivilbevölkerung sei im Kriegsfall.
Zunächst muss geklärt werden, welches Personal im Kriegsfall zur Verfügung stünde
Neben Sicherheitsübungen, die bereits an vielen Häusern stattfänden, müsse der Bund einige Gesetze ändern. Nur dann sei es möglich zu erfassen, welche Krankenhausbeschäftigten im Ernstfall zur Verfügung stünden. Viele seien als Freiwillige in Hilfsdiensten oder als Reservisten engagiert, man dürfe sich nicht doppelt zählen. Eine 40.000 Personen starke „Pflegeunterstützungsreserve“ aufzubauen, wie das der Rahmenplan vorsieht, sei ein Wunsch des Roten Kreuzes.
Insgesamt sei es gut für die Patienten, wenn die Krankenhäuser krisenresilienter werden. „Das schafft auch mehr Vertrauen der Menschen. Je stärker unsere Strukturen sind, desto weniger werden wir zum Angriffsziel“, sagte Czyborra.





