Als Hartmut Mehdorn 2004 die Schnellzugstrecke Berlin–Hamburg eröffnete, sprach der damalige Bahn-Chef von einer neuen Zeitrechnung auf der Schiene. Der 650 Millionen Euro teure Trassenbau sollte Berlin mit Hamburg in 90 Minuten verbinden und die gescheiterten Pläne einer Magnetschwebebahn vergessen machen. Mehr als 20 Jahre später mutiert eine der meistgenutzten Zugstrecken Deutschlands aber immer mehr zum Sorgenkind. Die Sanierungsarbeiten werden nicht wie geplant Ende April fertig, und Fahrgäste sind künftig nicht etwa kürzer, sondern sogar länger unterwegs, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“.

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Während die angekündigten 90 Minuten bereits vor Jahrzehnten schnell zum Wunschtraum mutierten, betrug die Fahrzeit jahrelang 103 Minuten. Erst im vergangenen Jahr erhöhte die Bahn die Fahrzeit dann um zwei Minuten. Nun sollen noch einmal zwei Minuten obendraufkommen, berichtet die „SZ“. Wann Fahrgäste also in 107 Minuten zwischen beiden Metropolen pendeln können, ist indes weiter ungewiss. Erst am 13. März will die Bahn verkünden, wann die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sind.

Zugstrecke Bahn-Hamburg: Fahrtzeit verlängert sich wohl um vier Minuten

Dass die Verbindung trotz der Großsanierung langsamer wird – wenngleich auch nur geringfügig –, darf zumindest verwundern. Vor allem, weil die Bundesregierung 2021 auf eine kleine Anfrage der Grünen nach den Gründen der verlängerten Fahrzeit mit dem „Zustand der Strecke (Alter und Verschleiß)“ argumentierte.

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Seit August 2025 aber läuft die Generalsanierung – und trotzdem müssen Fahrgäste künftig noch mehr Zeit einplanen. Auf „SZ“-Anfrage erklärte die Bahn die vier zusätzlichen Minuten mit der Überlastung beider Knotenpunkte – auch aufgrund der vielen Nahverkehrszüge auf der Strecke.

Das sorgt wohl auch intern für Kritik. „Wir bleiben massiv hinter unseren eigenen Ansprüchen zurück“, sagte ein Bahn-Mitarbeiter gegenüber der „SZ“. Den Ausbau auf 230 km/h hätte sich die Bahn aus seiner Sicht sparen können, wenn diese Geschwindigkeit am Ende gar nicht gefahren werden soll. Christian Böttger, Bahn-Experte und Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, hält die Argumentation der Bahn für vorgeschoben. „Die wechselnden Ausreden der DB sind beunruhigend“, sagte er. „Jetzt ist die Ausrede nicht mehr, dass die Strecke marode ist, sondern dass sie überlastet ist.“ Für Fahrgäste sei das enttäuschend.