Noch sind nicht alle Baugerüste abgeräumt und bei der Probefahrt an diesem Mittwoch hat der Fahrstuhl gestreikt. Doch bis Sonnabend, da ist sich Dombaumeisterin Sonja Tubbesing sicher, wird die Hohenzollerngruft im Berliner Dom erstmals seit der Schließung vor sechs Jahren wieder für Besucher geöffnet. Mit einem Tag der offenen Tür von 10 bis 18 Uhr haben dann Interessierte die Gelegenheit, die größte dynastische Grablege Deutschlands und eine der größten Europas kostenlos zu besichtigen.

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Die Sanierung der 1400 Quadratmeter großen Hohenzollerngruft, in der 91 Särge aus fünf Jahrhunderten stehen, war notwendig geworden, weil Feuchtigkeit und Wärme, verursacht durch die stetig steigenden Besucherzahlen, den Särgen zugesetzt hatten. „Holzfurniere hoben sich ab, Schimmelpilze bildeten sich und die hohe CO₂-Belastung führten zu einem ungesunden Klima für die Besucherinnen und Besucher“, so die Dombaumeisterin. Die 1999 erstmals öffentlich zugänglich gemachte Gruft war im Jahr vor der Schließung von rund 765.000 Menschen besucht worden, die der Rundgang durch den Berliner Dom auch in die Gruft führte.

Wiedereröffnung der Hohenzollerngruft im Berliner Dom
Die Gruft soll am Wochenende wiedereröffnet werden. Mitarbeiter legen letzte Hand an.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

33 kleine Särge mahnen an die hohe Kindersterblichkeit vergangener Jahrhunderte

Doch nicht nur eine neue Klimatechnik und die Restaurierung der Sarkophage sind in den sechs Jahren erfolgt. Zudem sorgt nun ein neuer Fahrstuhl für Barrierefreiheit, es gibt neue WC-Anlagen und Schließfächer sowie einen sogenannten Vermittlungsraum. Hier steht ein interaktives Modell der Gruft, in dem sich die einzelnen Särge anklicken und Informationen zu den hier Bestatteten aufrufen lassen. Außerdem werden in verschiedenen Vitrinen Grabbeigaben präsentiert, sowie Bestattungskultur, die Geschichte der Hohenzollern und die hohe Kindersterblichkeit vergangener Jahrhunderte thematisiert. Bei 33 der hier Aufgebahrten handelt es sich um Kinder – unschwer zu erkennen an den kleinen Särgen.

Ein besonders berührendes Objekt ist die Wachsnachbildung eines Kindes der Königin Sophie Dorothea (1687–1757). Sie stellt vermutlich den Kronprinzen Friedrich Wilhelm (1710–1711) dar, der nicht einmal ein Jahr alt wurde. Zu den bedeutendsten Persönlichkeiten, die in der Gruft ihre letzte Ruhe fanden, zählt etwa Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg (1546–1608), der bei der Rückreise aus dem Berliner Umland in seiner Kutsche starb – „vermutlich in Folge eines Schlaganfalls“, wie es heißt.

Letzte Beisetzung erfolgte 1915

Der Zinnsarg des Kurfürsten gehört zu den ältesten der Gruft und wirkt wenig prunkvoll. Ursprünglich glänzten Zinn und Vergoldungen. Doch bei der Restaurierung stand allein die Konservierung im Fokus, nicht die Wiederherstellung einstiger Pracht. In der Gruft finden sich auch mehrere Särge, bei denen nicht bekannt ist, wer aus der großen Familie der Hohenzollern hier ruht.

„Momentan können wir diese nicht zuordnen“, so Birgit Walter, Kuratorin der Ausstellung zur Hohenzollerngruft. „Nach der Rückkehr der Särge in die Gruft haben wir deshalb einen von ihnen geöffnet, um zu schauen, was wir da vorfinden, aber die Untersuchungen laufen noch“, so Walter. Die letzte Beisetzung in der Gruft, die „namenlose Prinzessin“, eine Enkelin des letzten Kaisers, fand übrigens 1915 statt – nur zehn Jahre nach der Errichtung des Berliner Doms.

Gesamtkosten belaufen sich auf knapp 30 Millionen Euro

Als die Machbarkeitsstudie zur Sanierung der Gruft 2014 beauftragt wurde, wurden die Kosten auf 17,3 Millionen Euro geschätzt. Doch der Kostenrahmen erwies sich, vor allem aufgrund der Kostensteigerungen am Bau, als deutlich zu niedrig. Letztlich, so Domprediger Stefan Scholpp, beliefen sich die Gesamtkosten auf 29,5 Millionen Euro. Zehn Millionen Euro habe dabei der Bund, zehn Millionen Euro das Land Berlin gegeben. „Der Eigenanteil des Doms selbst hat 9,5 Millionen Euro betragen“, sagte Scholpp.

Wiedereröffnung der Hohenzollerngruft im Berliner Dom
Dombaumeisterin Sonja Tubbesing (l.) und Domprediger Stefan Scholpp in der Hohenzollerngruft im Berliner Dom in einem Gang zwischen den Särgen. W© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Für die Domgemeinde und ihre 1800 Mitglieder eine gewaltige Summe. „Deshalb können wir den Betrieb dieses Hauses und die touristische Besichtigung auch nur gewährleisten, wenn wir dafür eine Erhaltungsgebühr erheben“, sagte Scholpp. Diese „Erhaltungsgebühr“ sei die Haupteinnahmequelle des Berliner Doms. Der Kirchensteueranteil decke nur fünf Prozent der laufenden Kosten.

„Wir werden mit Eröffnung der Gruft die Domerhaltungsgebühr von derzeit 10 auf 15 Euro erhöhen. Das ist eine Erhöhung von 50 Prozent, das ist uns bewusst, aber die Besucher bekommen auch dafür 50 Prozent mehr Fläche und der Audioguide ist künftig inklusive“, warb Scholpp um Verständnis. Natürlich sei eine Besichtigung der Gruft möglich, ohne auch die Predigerkirche zu besichtigen, oder umgekehrt: „Aber wir werden keine unterschiedlichen Tickets verkaufen“, sagte Scholpp weiter. Dies sei schlicht nicht wirtschaftlich.