Schwere Schäden

Sanierung des Berliner Doms wird teuer

Der Berliner Dom weist schwere Schäden auf. Für die Instandsetzungskosten in Millionenhöhe ist die Gemeinde auf Spenden angewiesen.

Der Berliner Dom wurde teilweise bereits eingerüstet.

Der Berliner Dom wurde teilweise bereits eingerüstet.

Foto: Reto Klar

Blickt man vom Lustgarten auf den Berliner Dom, scheint Berlins größte Kirche gut erhalten. Doch verschmutzte Luft, Wetter und Fehler bei früheren Instandsetzungen haben am Gebäude große Schäden hinterlassen. Die Fassade des Doms bröckelt an allen Ecken und Enden und muss dringend saniert werden.

Wie groß die Probleme sind, erkannte die Domgemeinde im vergangenen Jahr bei der Einrüstung des Glockenturms erstmals im Detail. Seitdem ist klar: Alle vier Türme und Teile der Kuppel müssen dringend vor dem weiteren Verfall bewahrt werden. „Wir hatten mit solchen Schadensbildern nicht gerechnet“, sagte der Vorsitzende des Domkirchenkollegiums, Volker Faigle am Montag bei einer Präsentation der Schäden. „Das hat uns kalt erwischt.“

Sanierung der Fassade kostet 1,6 Millionen Euro

Deutlich werden die massiven Schäden in 40 Metern Höhe. An vielen Stellen zeigen sich Risse im Stein. An Figuren und Verzierungen sind Stücke abgeplatzt, die Fugen fehlen teils armlang zwischen den Steinblöcken. Nur leicht muss Domarchitektin Sonja Tubbesing über das Gesims kratzen, sofort bröselt der Sandstein am Turm des Berliner Doms fein herunter. „Der Stein ist ganz zerfressen“, sagt sie.

Schuld an dem Verfall sind unter anderem schwarze Verkrustungen aus Ruß, Gummiabrieb und Staub. Sie haben sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte auf dem Sandstein abgelagert.

Altes Schutzverfahren zerstört den Dom heute besonders stark

Hinzu kommt: Beim Wiederaufbau des Doms zwischen 1976 und 1983 sei auf die gesamte Fassade ein Silikonschutz aufgetragen worden. Er sollte verhindern, dass Wasser in die Oberfläche eindringt. Doch die gut gemeinte Maßnahme verschlimmert die Lage heute zusätzlich. „Man denkt immer, der Stein ist ein robustes Material, aber der atmet auch“, erklärt Tubbesing.

Wenn über aufgeplatzte Fugen Wasser ins Gestein eindringt, kann es normalerweise wieder verdunsten. Nicht jedoch, wenn die Oberfläche behandelt wurde. „Die Hydrophobierung sollte wie eine Gore-Tex-Jacke sein, ist für den Stein jedoch zum Friesennerz geworden“, erklärt die Domarchitektin.

Einmal eingedrungenes Wasser bleibt im Stein und verschmutzte Luft wird mit Regen zu Säure, die unter der Oberfläche arbeitet. Lange sehe man davon nichts, „der Stein erodiert ungesehen“, sagt Tubbesing. Mit der Zeit jedoch bildeten sich an der Oberfläche Blasen, der Stein platze Schicht für Schicht ab. „Was einmal weg ist, ist weg“, beschreibt sie den Verlust der Bausubstanz.

Sanierungsarbeiten können nicht aufgeschoben werden

Turm für Turm soll der Dom daher in den kommenden Jahren instandgesetzt werden. Die Arbeiten am Glockenturm sollen bereits 2019 ihr Ende finden. In den kommenden vier Jahren soll pro Jahr ein weiterer Turm, die Westfassade über dem Gesims sowie der Umlauf der Kuppel saniert werden. Ein Aufschub sei dabei unverhandelbar, so Faigle – obwohl die Sanierungskosten für die Domgemeinde zur Belastung würden.

1,6 Millionen Euro sind für die Arbeiten veranschlagt. Aus eigenen Mitteln sei das nicht zu stemmen, so der Vorsitzende des Domkirchenkollegiums. Den sieben Millionen Euro großen Etat müsse die Domgemeinde schon heute zu 90 Prozent selbst erwirtschaften. „Eine enorme Summe“, sagt Faigle. Kirchensteuer und weitere externe Zuwendungen steuerten hingegen nur 200.000 Euro bei. Dabei verschlinge der Baubereich schon ohne die neuerlich nötigen Maßnahmen 1,4 Millionen Euro jährlich.

Berliner Dom sei „ein Merkpunkt für Berlin“

Die Domgemeinde sei daher auf Spenden angewiesen, sagt Faigle – und bekommt Unterstützung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Die größte private Denkmalschutzstiftung in Deutschland startet eine bundesweite Kampagne, um Spenden für die Fassadenarbeiten einzuwerben. Faigle betonte, welch große Hilfe das für die Domgemeinde sei. „Ohne die Zusage für die Spendenkampagne könnten wie dieses Vorhaben nicht stemmen.“

Mit dem Start der Spendenkampagne befindet sich der Berliner Dom künftig in einer illustren Runde. Zu den von der Stiftung unterstützten Maßnahmen zählten etwa auch die Sanierungen am Kölner Dom und dem Ulmer Münster. Berlins größte Kirche passe gut dazu, sagte Stiftungsvorstand Steffen Skudelny.

Der Dom befinde sich „in einer Kernlage Deutschlands“ auf der Museumsinsel. Er sei „ein Merkpunkt für Berlin“ und erhalte von Touristen hohen Zuspruch. Umso schlimmer seien die „alarmierenden Schäden“ am Bauwerk. Skudelnys Hoffnung: Mit Hilfe der Spenden „gemeinsam Schritt für Schritt durch den Dom arbeiten“.

Mehr Informationen zur Spendenkampagne finden Sie unter www.rettet-den-berliner-dom.de