Jahrelang waren Drohnen über Berlins Gefängnissen eine eher hypothetische Bedrohung, doch 2025 kam es zu einer auffälligen Häufung. Wurden 2023 lediglich einer und 2024 nur zwei Drohnenflüge über Justizvollzugsanstalten registriert, waren es im vergangenen Jahr plötzlich 15. Das geht nun aus der Antwort der Justizverwaltung auf eine Anfrage der AfD hervor. Allein neun Drohnensichtungen entfielen auf die Berliner JVA Heidering im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming. Die Bedingungen in der ländlich gelegenen Anlage gelten als ideal, die Dunkelziffer als hoch.

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„Drohnenflüge sind ein ernstes Problem, mit dem wir uns in Zukunft intensiver beschäftigen müssen“, sagt Thomas Goiny, Berliner Landesvorsitzender des Bunds der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD). Eine Zunahme der Drohnenflüge hatten zuvor auch andere Bundesländer vermeldet.

Mit den Drohnen werden Drogen in die Gefängnisse geschmuggelt

Für Goiny ist dabei klar, worum es den Piloten geht: „Hintergrund ist einzig und allein der zutiefst lukrative Drogenschmuggel hinter Gittern.“ Moderne Drohnen kämen bis auf wenige Zentimeter an die Fenster der Zellen heran. Sie könnten zudem so programmiert werden, dass der Pilot nicht einmal in der Nähe sein müsste. „50 Gramm Heroin reichen aus, um in den Anstalten für Unruhe zu sorgen“, so Goiny. Auch Handys würden auf diese Weise geschmuggelt.

Drogensüchtige Inhaftierte stellen ein großes Problem dar

Zum Hintergrund: Berlins Gefängnisse haben ein massives Drogenschmuggel-Problem. Suchtkranke Inhaftierte sind zudem maßgeblich für den Anstieg der Gewalt gegen Justizvollzugsbeamte verantwortlich. Nach Angaben der Justizverwaltung wurden allein im vergangenen Jahr insgesamt 11.360,47 Gramm Rauschgift in Berlins Justizvollzugsanstalten entdeckt.

Bauliche Veränderungen könnten Drogenschmuggel unterbinden

Andere Theorien zu den Drohnenflügen schließt Goiny indes aus. Da alle deutschen Justizvollzugsanstalten auf Google Earth eingesehen werden könnten, entfalle das Motiv der Auskundschaftung. Auch einen Zusammenhang mit den Drohbriefen und den gezielten Autobränden, die Berlins Justizvollzugsbeamte in den vergangenen Jahren beschäftigten, schließt er aus. „Unsere Erfahrung sagt, dass Bedrohungen verbal und direkt erfolgen“, erklärt der Gewerkschafter. „Dazu braucht es keine Technik.“

Wie also dem Problem begegnen? Gespannte Netze über den Anstalten wären eine Möglichkeit. „Das verbietet aber der Naturschutz, der Vögel willen“, sagt Goiny. Er hat stattdessen einen anderen Vorschlag: Baulich sei es möglich, die Fenstervergitterung der Zellen derart zu verändern, dass die Insassen nicht mehr hinausgreifen könnten. Zudem könnte es mehr Spielraum zwischen dem Fenster und den Gittern geben.

Denkmalschutz hemmt Kampf gegen Drogen

„Hier macht uns der Denkmalschutz jedoch einen Strich durch die Rechnung“, beklagt Goiny. „Ich mag alte Gebäude wie jeder andere auch, aber ich plädiere gerade im öffentlichen Dienst dafür, bei den starren Regeln umzudenken.“ Berlins größte Justizvollzugsanstalten stammen größtenteils noch aus dem 19. Jahrhundert.

Das Abfangen von Drohnen ist in vielen Liegenschaften nicht möglich

Das Stören und Unterbinden von Funkverbindungen oder eigene Abfangdrohnen wiederum können laut Justizverwaltung nicht gegen Drohnen eingesetzt werden. „Technische Möglichkeiten, die die geltenden Flugverbotszonen über und in einem seitlichen Abstand von 100 Metern von Justizvollzugsanstalten durchsetzen, sind nicht vorbehaltslos für Liegenschaften geeignet, in denen sich auch im Außenbereich viele Menschen aufhalten“, heißt es dazu.