In Berlin sorgt sie regelmäßig für Streit: die Frage, wo Verkehrsberuhigung, vor allem: wo Poller umgesetzt werden sollen. Während die Bezirke mit Grünen-Verkehrsstadträten Kiezblocks realisieren wollen, um den Durchgangsverkehr für Anwohner zu reduzieren, hält die CDU-geführte Verkehrsverwaltung oft dagegen und verweist auf die Belange von Polizei, Feuerwehr und Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Weil diese Debatten aber oft emotional geführt werden, haben die Grünen nun eine Studie vorgelegt, die die Wirkung von Kiezblocks in Berlin darlegen soll. „Es ist entscheidend, dass wir in der Verkehrspolitik Sachlichkeit und Fakten einziehen lassen“, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Werner Graf.

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Diese wurde vom Büro Stratmo im Auftrag der Grünen-Fraktion erstellt und soll die Punkte Verkehrssicherheit, Wahrnehmung und öffentlicher Diskurs beleuchten. Betrachtet wurden dafür Kiezblocks in fünf Bezirken, die in den vergangenen Jahren umgesetzt wurden. Mit Blick auf die Unfälle in und um die verkehrsberuhigten Viertel kommt die Studie zu dem Ergebnis: Die ergriffenen Maßnahmen bewirken, dass die Unfälle in den Gebieten stärker abgenommen haben als in Berlin insgesamt.
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Studie: Unfälle in Kiezblocks gehen stärker zurück als in Berlin insgesamt
So heißt es für den Zeitraum von 2018 bis 2024, dass die polizeilich registrierten Unfälle mit verletzten Personen in Berlin insgesamt von 13.181 im Jahr 2018 auf 12.043 im Jahr 2024 zurückgegangen seien, das sei ein Minus von neun Prozent. Und weiter: „In den vor 2024 realisierten Kiezblocks sowie den angrenzenden Hauptverkehrsstraßen verringerte sich die Zahl der Unfälle von 377 auf 318 Fälle, also um rund 16 Prozent.“ Innerhalb der acht untersuchten Kiezblocks habe es sogar einen Rückgang von 29 Prozent gegeben.
Wer Verkehrssicherheit verspricht, muss auch den Mut haben, Maßnahmen zu ergreifen, die dazu führen.
Werner Graf, , Grünen-Fraktionschef
Die Entwicklung bestätigt sich laut Studie auch, wenn man ausschließlich auf die Unfälle mit Radfahrern und Fußgängern schaut. „Berlinweit sank die Zahl der polizeilich registrierten Rad- und Fußunfälle von 6575 im Jahr 2018 auf 5635 im Jahr 2024“, heißt es in der Studie. Das entspricht einem Rückgang um rund 14 Prozent. In den vor 2024 realisierten Kiezblocks sowie den angrenzenden Hauptverkehrsstraßen gingen die Unfallzahlen von 252 auf 199 Fälle zurück, ein Minus von 21 Prozent. Im inneren Kiezblockbereich gab es einen Rückgang um rund 34 Prozent. „Wir sehen ganz klar, dass Verkehrsberuhigung hilft“, sagte Grünen-Fraktionschef Graf und forderte deshalb: „Wer Verkehrssicherheit verspricht, muss auch den Mut haben, Maßnahmen zu ergreifen, die dazu führen.“
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Anwohner bewerten Verkehrsberuhigung kiezblockübergreifend mehrheitlich positiv
Neben den Unfallzahlen ging es in der Studie auch darum, wie die Menschen die Kiezblocks wahrnehmen. Dazu wurde auf bereits bestehende Erhebungen aus fünf Berliner Quartieren – Komponistenviertel, Samariterviertel, Graefekiez, Wrangelkiez und Bergmannkiez – zurückgegriffen. In den einzelnen Kiezen zeigte sich eine mehrheitliche Unterstützung der Verkehrsberuhigung, mit Werten zwischen 60 und 79 Prozent.
Eine Ausnahme gab es allerdings: Unter den Gewerbetreibenden im Graefekiez bewertete lediglich ein Drittel das Projekt positiv. Die Befragung mache deutlich, „dass sich Akzeptanzfragen im Wirtschaftsverkehr stark an der Sicherung zuverlässiger Liefer- und Parkoptionen entscheiden“, heißt es so in der Studie. Anwohnerbefunde auf Gewerbetreibende einfach zu übertragen, „wäre daher analytisch verkürzend“. Als Handlungsempfehlung wird deshalb betont, wie wichtig die Beteiligung der betroffenen Unternehmer an der Planung eines Kiezblocks ist.
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Akzeptanz kann durch gute Kommunikation und gute Gestaltung steigen
Weiterhin kommen die Autoren zu dem Schluss: Verkehrsberuhigende Maßnahmen würden umso mehr akzeptiert, „je stärker diese als konkrete Verbesserungen im öffentlichen Raum erlebbar sind und je weniger sie als Einschränkung der Erreichbarkeit wahrgenommen werden“. Außerdem sieht die Studie drei Hebel vor, um die Akzeptanz weiter zu erhöhen. Es geht um die Kommunikation, also etwa die frühzeitige Information. Zudem ist die Gestaltung wichtig, beispielsweise, dass Verkehrsarten klar getrennt und Konflikte zwischen Rad- und Fußverkehr minimiert werden. Und zuletzt brauche es eine Kontrolle, um Einfahrts- und Parkregeln konsequent durchzusetzen.
Ebenso wirkt es sich laut Studie positiv aus, wenn es nicht nur eine Verkehrsberuhigung durch Poller oder Einbahnstraßen gibt, sondern gleichzeitig auch der öffentliche Raum aufgewertet wird. Hierzu fehlt es laut mehreren Grünen-Bezirksstadträten aber an Geld. Neuköllns Verkehrsstadtrat Jochen Biedermann erklärte etwa, im Schillerkiez könne man die Aufwertung mit dem Verkehrskonzept zusammendenken, weil es Extramittel über ein Programm zur Städtebauförderung gibt. Im Reuterkiez oder in Rixdorf setze man dagegen zuerst auf die Verkehrsberuhigung, weil diese deutlich geringere Investitionen erfordere als die Begrünung der Kieze.







