Laute Musik und ausgelassene Stimmung bei der Berlinale: Am Samstag, 14. Februar, feierte die britische Musikerin Charli xcx die internationale Premiere ihres Films „The Moment“ im Berliner Club „Studio1111“ an der Potsdamer Straße. Mit dabei: Fans, Ehemann George Daniel und Regisseur Aidan Zamiri. Videos in sozialen Medien zeigen die Künstlerin, wie sie gut gelaunt hinter dem DJ-Pult steht und tanzt. Neben ihr: eine blonde Frau in einem gelben Kleid.

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Genau ihretwegen steht die Party jetzt in der Kritik: Anastasia Shevtsova, bekannt unter dem Namen „Petit“. Mit ihrem Projekt „Dance H0le“ veranstaltet die 30-jährige Russin Partys, unter anderem mit der deutschen Musikerin Kim Petras. Bei der Afterparty in Berlin trat Shevtsova auch selbst als Künstlerin auf.
Aktivisten werfen ihr enge Verbindungen zum Kreml vor und riefen Charli und ihr Team zur Absage des Events auf – ohne Erfolg.
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Stiftung „Traditsiya“ profitiert von millionenschwerem Kreml-Fonds
Shevtsova ist die Tochter von Zhanna Shevtsova. Diese präsentiert sich online als Gründerin von „Traditsiya“ (deutsch: Tradition), einer Stiftung, die mit Putins Präsidialfonds für kulturelle Initiativen zusammenarbeitet. Mit dem Fonds fördert der Kremlchef NGOs und kulturelle Projekte. Kritiker sehen ihn als Mittel zur Instrumentalisierung von Kultur für staatliche Zwecke. Mit den geförderten Projekten sollten eine russische Identität gestärkt und patriotische Werte gefördert werden, so der Vorwurf.
Laut offizieller Website des Präsidialfonds wurden seit 2021 mehr als 11.000 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 45,5 Milliarden Rubel (ca. 500 Millionen Euro) unterstützt. Laut Jahresbericht 2023/2024 hat die Stiftung von Shevtsova in dieser Zeit fast 9,5 Millionen Rubel, also 105.000 Euro, aus Putins Fonds erhalten.
Stiftung agiert auch in besetzten Gebieten in der Ukraine
Ziel der Stiftung sei „die Identifizierung, Förderung und Berufsberatung hochbegabter Kinder“. Im Jahr 2023 dehnte die Stiftung ihre Aktivitäten nach eigenen Aussagen auf „neue Gebiete der Russischen Föderation“, also besetzte Gebiete in der Ukraine, aus, darunter Donezk und Luhansk.
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Man wolle „die besten Traditionen unseres historischen und kulturellen Erbes wiederbeleben und bewahren“, heißt es auf der Website. Immer wieder berichtet die Stiftung von Konzertreisen mit ukrainischen Kindern nach Moskau.
In einem Instagram-Post bedankt sich Shevtsova bei Dmitri Sergejewitsch Sidorow, laut Informationen der EU-Kommission „Kulturminister der sogenannten Volksrepublik Luhansk“, die seit 2022 von Russland besetzt wird. Unter Shevtsovas Postings kommentiert Opernsängerin Anna Netrebko, die seit Jahren wegen ihrer Kreml-Nähe in der Kritik steht.
Boykottaufruf: Ukrainische Aktivistin kritisiert Party von Charli xcx
Die ukrainische Aktivistin Maya Baklanova wirft der Stiftung auf Instagram vor, dass die Arbeit zur Normalisierung und Legitimierung der Besetzung beitrage. „Wenn solche Programme staatliche russische Narrative, Identität und Geschichtsdeutung fördern, während die ukrainische Sprache und ukrainische Institutionen unterdrückt werden, ist dies Teil eines umfassenderen Prozesses der Russifizierung und ideologischen Einflussnahme“, so Baklanova.
Die Afterparty der Künstlerin Charli xcx sollte man boykottieren: „Eine Veranstaltung auszurichten und zu feiern, die von jemandem organisiert wird, dessen unmittelbares Familienmitglied eine staatsnahe Stiftung leitet, die in den besetzten ukrainischen Gebieten aktiv ist, wirft zwangsläufig ethische Fragen auf.“
Club äußert sich nach Premierenfeier zu Vorwürfen
Auf Morgenpost-Anfrage äußert sich Till Harter, Geschäftsführer der Party-Location Studio1111: „Uns haben die Vorwürfe gegen die Mutter einer der am Event beteiligten Personen sehr kurzfristig vor dem Event erreicht“, bestätigt er. „Da wir als Veranstaltungsort vom Management von Charli xcx für eine private Premierenfeier gebucht wurden, hatten wir keinen Einfluss auf die Auswahl der Künstler und Künstlerinnen und auch keine Möglichkeit, darauf einzuwirken oder vom Vertrag zurückzutreten. Wir hatten auch keine Möglichkeit, die Vorwürfe in der Kürze der Zeit angemessen zu prüfen.“
Der Club versuche, Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt eine Bühne zu geben. „Es ist uns leider nicht möglich, flächendeckend deren soziales und familiäres Umfeld zu recherchieren. Wenn es glaubhafte und direkte Vorwürfe gegen Künstlerinnen und Künstler selbst gibt, die mit unseren Werten eines offenen, freien, toleranten und friedlichen Zusammenlebens kollidieren, behalten wir uns natürlich vor, deren Auftritte kritisch zu prüfen und gegen das Gebot der Kunst-, Berufs- und Meinungsfreiheit abzuwägen.“
Charli xcx äußert sich zu Kritik an Berlinale-Party
Das Team von Charli xcx reagierte auf Anfrage am Mittwoch zunächst nicht. Die britische Künstlerin und Anastasia Shevtsova folgen sich auf Instagram und tauchten bereits im März 2025 auf gemeinsamen Fotos auf.
Am Donnerstagnachmittag schrieb die Sängerin dann in ihrer Instagram-Story: „Um das klarzustellen: Weder ich noch mein Team wussten von angeblichen Verbindungen, die mit der Party in Berlin zu tun haben.“
„Ich möchte diese Gelegenheit gerne nutzen, um zu sagen, dass ich mich gegen die Gräueltaten stelle, die von der russischen Regierung in der Ukraine begangen werden. Ich stehe in Solidarität mit den Menschen in der Ukraine.“
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Anastasia Shevtsova: „Bin politisch nicht involviert“
Auch Anastasia Shevtsova äußerte sich in etwa zur selben Zeit am Donnerstag in einem Instagram-Post. Darin erklärt sie, dass ihre Familienmitglieder sowohl in Russland, Weißrussland als auch in der Ukraine lebten. „Die aktuelle Tragödie betrifft mich persönlich. Ich würde niemals jemandem Gewalt oder Leid wünschen.“
Sie erzählt, dass sie seit vier Jahren in Europa lebe und arbeite, sich dabei ausschließlich auf ihre künstlerische Arbeit fokussiere. „Ich bin politisch nicht involviert und habe mit jeglichen Aktivitäten in diesem Konflikt nichts zu tun.“
Shevtsova verstehe, dass die Emotionen in dieser Angelegenheit intensiv seien. Gleichzeitig hoffe sie, auf Basis ihrer eigenen Taten und Werte beurteilt zu werden – „nicht aufgrund von Annahmen über Menschen in meinem Umfeld“.
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