Am 12. Februar haben die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin begonnen – die Berlinale. In Berlin wurden in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur viele Filme ausgezeichnet, sondern auch zahlreiche Filme gedreht. Wir wandern durch Berlin zu berühmten Drehorten in der Hauptstadt. Viel Spaß beim Streifzug durch die Filmgeschichte.
Informationen zur Wegstrecke
- Start: Oberbaumbrücke
- Ziel: Clärchens Ballhaus
- Distanz: 11,7 Kilometer
- Wegbeschaffenheit: Asphalt
- Höhenmeter: 40 m ⬆️ 30 m ⬇️
- Leichte Wanderung
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Start unserer Wandertour ist die berühmte Oberbaumbrücke. Das historische Bauwerk mit seinen charakteristischen roten Backsteinen verbindet als Wahrzeichen die Bezirke Friedrichshain und Kreuzberg. 1998 war sie unter anderem Drehort für den deutschen Actionfilm „Lola rennt“ des Regisseurs Tom Tykwer mit der Schauspielerin Franka Potente (Lola) und dem Schauspieler Moritz Bleibtreu (Manni) in den Hauptrollen. In dem Film lässt Manni aus Versehen eine Tüte mit 100.000 Mark in der U-Bahn liegen, und in 20 Minuten beabsichtigt sein Boss, das Geld abzuholen. Manni ruft Lola an. Sie hat die rettende Idee: Sie rennt los, um das Geld zu besorgen und das Leben ihres Freundes zu retten. Und natürlich rennt sie dabei auch über die Oberbaumbrücke. Acht Deutsche Filmpreise gewann die Produktion, sie wurde rund um die Welt gefeiert und zählt zu den wichtigsten Aushängeschildern des deutschen Films.


Wir wandern über die Warschauer Brücke Richtung Norden bis zur Marchlewskistraße und laufen diese nach links in Richtung Innenstadt, am Comeniusplatz vorbei, bis zur Wedekindstraße. Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck, der auch das Drehbuch verfasste, gelang mit dem Politthriller „Das Leben der Anderen“ ein weltweiter Besuchererfolg. In den Hauptrollen glänzten unter anderem Ulrich Mühe als Stasioffizier Gerd Wiesler, der den Theaterschriftsteller Georg Dreyman, gespielt von Sebastian Koch, auf seine Parteitreue überwachen soll. Während die Innenaufnahmen unter anderem in der ehemaligen Stasi-Zentrale in der Normannenstraße entstanden, war die Wedekindstraße 21 mit ihrem Ambiente von damals ein passender Drehort für die Außenaufnahmen vor der Wohnung des Theaterschriftstellers.

Es geht die Gubener Straße entlang bis zur Karl-Marx-Allee. Die breite Magistrale gilt als städtebauliches Zeugnis des DDR-Sozialismus. Einst hieß die 2,3 Kilometer lange Prachtstraße Stalinallee. 1961 bekam sie ihren heutigen Namen. Der erste Abschnitt bis zum Strausberger Platz ist durch neoklassizistische Bauten („Arbeiterpaläste“) geprägt. Bis zum Alexanderplatz prägt später dann die funktionalere Plattenbauweise das Bild. Für Filmemacher ist dies ein idealer Ort. In der US-amerikanischen Netflix-Serie „Das Damengambit“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Walter Tevis, steigt am Ende der finalen Folge das Schachgenie Elizabeth „Beth“ Harmon, gespielt von Anya Taylor-Joy, aus einem Taxi und gesellt sich zu schachspielenden älteren Herren, die vor einem der Arbeiterpaläste sitzen. Diese Straße soll sich eigentlich in Moskau befinden – da passte das Ambiente der Karl-Marx-Allee hervorragend ins Szenenbild.

Auch für Regisseur Wolfgang Becker war die einstige DDR-Prachtallee der ideale Drehort. 2003 kam sein Spielfilm „Good Bye, Lenin!“ in die Kinos. Der Streifen erzählt von einer Frau, die im Oktober 1989 ins Koma fällt, die darauffolgenden gesellschaftlichen Veränderungen „verschläft“ und nach ihrem Wiedererwachen von ihrem Sohn in der Illusion gehalten wird, sie lebe nach wie vor in der „alten“ DDR. In den Hauptrollen glänzten Daniel Brühl und Katrin Sass. Die Innenaufnahmen entstanden in der Berolinastraße 21, die Titelszenen in der Karl-Marx-Allee.

Wir überqueren die Otto-Braun-Straße, laufen ein paar Meter die Alexanderstraße Richtung Nordosten entlang und biegen vor den Straßenbahngleisen zum Alexanderplatz ab. Unser nächstes Ziel ist die berühmte Weltzeituhr. Die Uhrenanlage ist ein beliebter Treffpunkt für Berliner und Touristen. Seit 1969 zeigt sie auf ihrer 360-Grad-Wand auf 24 Feldern die 24 Zeitzonen der Erde. Das historische Bauwerk bildet unter anderem im amerikanischen Actionthriller „Das Bourne Ultimatum“ (2007) kurz die Kulisse, als Hauptdarsteller Jason Bourne, gespielt von Matt Damon, und die Agentin Nicolette „Nicky“ Parsons, gespielt von Julia Stiles, aufeinandertreffen.

Da, wo heute das Einkaufszentrum „Alexa“ steht, befand sich früher die Rote Burg, das ehemalige Berliner Polizeipräsidium. Dieses spielt in der weltweit gefeierten Krimiserie „Babylon Berlin“ eine zentrale Rolle. Auf der Suche nach einer geeigneten Location wurden die Filmscouts ein paar Meter hinter dem Alexanderplatz fündig: Das Rote Rathaus, Sitz des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, war der passende Drehort – genauer gesagt die breite Passage, die den Gebäudekomplex mittig durchquert.

Über die Rathausbrücke, den Schlossplatz, den Werderschen Markt und die Jägerstraße gelangen wir zum Gendarmenmarkt. 2003 sorgte hier der Schauspieler Jackie Chan für Kreisch-Alarm bei den Fans, als der Film „In 80 Tagen um die Welt“ gedreht wurde. Chan spielte darin einen chinesischen Meisterdieb, der auf der Flucht vor der Polizei, ganz wie in der Erzählung von Jules Verne, die Erde umrundet. Der Französische Dom diente dabei als Kulisse für die Bank of England, das Schauspielhaus als Gebäude der Königlichen Akademie der Wissenschaften.

Wir wandern zur Friedrichstraße und biegen links ab in Richtung Checkpoint Charlie. Der berühmte ehemalige Grenzübergang markierte die damalige Sektorengrenze zwischen der sowjetischen und der amerikanischen Militärzone im geteilten Berlin. Der Checkpoint Charlie ist in der Eröffnungsszene des Martin-Ritt-Films „Der Spion, der aus der Kälte kam“ mit Hauptdarsteller Richard Burton zu sehen. Und auch James Bond, alias Roger Moore, gab sich am Grenzübergang Checkpoint Charlie im Film „Octopussy“ aus dem Jahr 1983 die Ehre.
Über den Potsdamer Platz und das Brandenburger Tor gelangen wir zum Hotel Adlon. Das altehrwürdige Haus am Pariser Platz steht – wie der Name schon vermuten lässt – Pate für die Familiensaga „Das Adlon“, einen Film über die Geschichte dieser Berliner Institution, meisterlich von Regisseur Uli Edel in Szene gesetzt. Produzent der Serie war Oliver Berben, Sohn der Schauspielerin Iris Berben.

Die letzte Station unserer Tour durch einen kleinen Teil der Berliner Filmgeschichte erreichen wir über den Bahnhof Friedrichstraße, die Ebertbrücke und die Tucholskystraße, In der Auguststraße 24/25 befindet sich mit Clärchens Ballhaus ein lebendiges Stück Berliner Geschichte. Die altehrwürdigen Mauern erinnern nicht nur von außen an eine lebendige Tanzkultur der Metropole. Auch im Inneren scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Für Filmemacher ein ganz besonderes Juwel.
In Clärchens Ballhaus kann man sich bis heute an den Tisch setzen, an dem Christoph Waltz als Hans Landa und Brad Pitt als Aldo Raine im Kinofilm „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino das Ende des Dritten Reiches beschlossen. Im Winter 2013 nutzte George Clooney das Ballhaus übrigens ebenfalls als Drehort für den Film „Monuments Men“, und in der deutschen Liebeskomödie „Zweiohrküken“ machten Til Schweiger und Nora Tschirner dem berühmten Spiegelsaal im ersten Obergeschoss ihre Aufwartung.


