Ein Kapitel, das mit einem lauten Knall endet: Mit der Sprengung der zwei Flutlichtmasten im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark verabschiedet sich Prenzlauer Berg von einem seiner Wahrzeichen – und macht Platz für einen hunderte Millionen Euro teuren und umstrittenen Stadionneubau.

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Bereits ab 10 Uhr am Donnerstag versammeln sich Schaulustige rund um den Jahn-Sportpark, um das Spektakel mitanzusehen. Am südlichen Ende, an der Tram-Wendeschleife entlang der Eberswalder Straße, stehen kleine Grüppchen an einer Absperrung und blicken nach oben. „Ich bin Anwohner“, erzählt einer mit leuchtenden Augen, „und so etwas habe ich noch nie gesehen.“

Sprengung Flutlichtmasten Ludwig-Jahn-Sportpark
Um 11.30 Uhr fällt der erste Mast am Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin-Prenzlauer Berg. Das Bild zeigt die Rauchwolke nach dem Zünden der Sprengladung.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Jahn-Sportpark: Stadt macht Weg frei für neues Stadion

Die Sprengung der beiden Masten ist für die Stadt ein wichtiger Schritt im Bauprojekt Jahn-Sportpark. Bausenator Christian Gaebler (SPD) plant hier einen großen Stadionneubau, um den Sportpark zu einer inklusiven Sportstätte zu entwickeln, die zukünftig sowohl Flächen für den Schul- und Vereinssport als auch für den Freizeitsport bieten soll. Das alte Stadion war aufgrund von Brandschutz- und Sicherheitsmängeln seit Langem nur eingeschränkt nutzbar gewesen.

So verlief die Sprengung der Flutlichtmasten im Jahn-Sportpark

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    Anwohnende waren vorab durch Aushänge über die Sprengung der beiden Stahlmasten informiert worden. „Die Sprengungen erfolgen unmittelbar hintereinander und erzeugen einen lauten, kurzen Knall“, hatte die Senatsverwaltung für Bauen in einer Mitteilung geschrieben. „Das Geräusch kann wie ein nahes Gewitter oder Feuerwerk klingen.“

    Im Mauerpark, westlich des Stadions, stehen Menschen, teils mit Kameras und Stativen, um den Moment bildlich festzuhalten. Nördlich, am Falkplatz, haben sich zum Zeitpunkt der Sprengung mehr als hundert Menschen versammelt, die gespannt die Hälse recken. „Das Interesse ist groß – das kann ich nachvollziehen“, so Pressesprecher Martin Pallgen. Immerhin fände so eine Sprengung nicht aller Tage statt.

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    Füchse und Vögel flüchten vor Sprengung

    Wenige Minuten vor dem entscheidenden Moment ertönt ein langer Signalton, der erste von dreien. Spätestens jetzt müssen die letzten ihren Platz hinter der Absperrung einnehmen. Wo zuvor noch Stimmengewirr herrschte, ist es jetzt ganz ruhig. Kurz danach zwei weitere kurze Töne: Die Sperrung steht unmittelbar bevor.

    Die Anspannung der Anwesenden steigt merklich. Als plötzlich zwei Füchse über die Baustelle und genau auf das Stadion zulaufen, halten einige den Atem an. Doch die Verantwortlichen haben vorgesorgt: Unmittelbar vor der Sprengung verscheuchen zwei laute Knalle die Tiere, die sich in der Nähe der Masten aufhalten. Vögel und Füchse flüchten in Deckung.

    Sprengung Flutlichtmasten Ludwig-Jahn-Sportpark
    Wenige Sekunden nach dem ersten Mast fällt auch der zweite. Durch den Abriss soll Platz für ein neues Stadion gemacht werden.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

    Und dann geht es los: Mit zwei weiteren Knallen explodiert um Punkt 11.30 Uhr die Sprengladung am ersten Flutlichtmast. Schwarzer Rauch steigt auf, dann fällt der Mast in Richtung des früheren Stadions. Wenige Sekunden später knallt es erneut, dann fällt auch der zweite Mast. Innerhalb von einer Minute ist das Spektakel vorbei. Wo eben noch zwei Flutlichtmasten in den Himmel ragten, ist jetzt nur noch der Berliner Fernsehturm am Horizont zu sehen.

    Scharfe Kritik am Stadionbau: „Großevents sollen ablenken“

    Ein paar Schaulustige jubeln. Dann löst sich die Menge schnell auf. Eine kleine Gruppe Kitakinder steht noch am Falkplatz und stoppt neugierig bei zwei Polizisten, die den Sicherheitsbereich absperren. „Für sie war das sehr aufregend“, erzählt die betreuende Erzieherin, die zwei der Kinder an der Hand hält. „Eine Mutter hatte uns von der Sprengung erzählt, das wollten die Kinder natürlich sehen.“

    Kurzerhand organisierten sie einen Ausflug zum Jahn-Sportpark. „Die Kinder haben erstmal nicht verstanden, was hier passiert. Heute Abend werden sie sicherlich ihren Eltern davon berichten.“

    Ein Luxusobjekt für 250 Millionen Euro, das Berlin nicht benötigt.

    Alexander Puell, Vorsitzender „Freunde des Mauerparks“ über den Stadionneubau

    Doch nicht alle sind so begeistert von der Sprengung. Gabriele Hiller vom Bündnis NOlympia, die jahrelang für die Linke im Abgeordnetenhaus saß, protestiert mit einem Plakat gegen das Bauvorhaben am Jahn-Sportpark. „Diese Stadt kann das nicht“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. „Großevents sollen davon ablenken, dass diese Stadt sich das nicht leisten kann.“ Bevor teure Stadien gebaut würden, solle sich die Stadt um Wohnungen, öffentliche Toiletten und den Nahverkehr kümmern.

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    Hiller unterstützt die „Bürgerinitiative Jahn-Sportpark“, die einen Gegenvorschlag für einen günstigeren Neubau entwickelt hat und fehlende Inklusion und mangelhaften Klimaschutz bei den städtischen Plänen kritisiert.

    Auch Alexander Puell vom Verein „Freunde des Mauerparks“ übt scharfe Kritik und nennt die Sprengung der Lichtmasten einen „weiteren Schritt in die falsche Richtung“: „Statt dringend benötigte Sportstätten für den Breiten- und Inklusionssport zu finanzieren, leistet sich die Senatsverwaltung hier wieder ein Luxusobjekt für 250 Millionen Euro, das Berlin nicht benötigt. Das überdimensionierte Stadion kommt primär dem Fußball und Großevents zugute. Hier verpasst Berlin die Chance, den Sport in der Stadt nachhaltig und im Sinne der Berliner zu entwickeln.“

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    Stadionprojekt verteuert sich auf 286 Millionen Euro

    Erst kürzlich hatte die Bausenatsverwaltung im Hauptausschuss im Abgeordnetenhaus beantragt, die Kosten für das Bauprojekt erhöhen zu dürfen. In dem Antrag heißt es, dass die Gesamtkosten der Baumaßnahme sich aufgrund einer fiktiven Hochrechnung wohl auf 267 Millionen Euro belaufen werden. Hinzu kommen Abrisskosten von fast 20 Millionen Euro.

    Das gesamte Stadionprojekt käme damit auf Gesamtkosten von knapp 286 Millionen Euro. Ab 2028 soll das neue Stadion in Betrieb genommen werden. Voraussichtlich ab 2029 steht die schrittweise Neuordnung und Gestaltung des Sportparks an.