Mit dem Winter in Berlin ist es ja wirklich verflixt. Über Jahre wünscht man sich Schnee. Weiße Weihnachten, bitte. Doch wenn der Schnee dann da ist, ist es das reinste Chaos. Glatteis, Frost, ungestreute Wege und eingefrorene Oberleitung bei der Straßenbahn. Da bleibt man lieber zu Hause. Aber Berlin wäre nicht Berlin, wenn in der Stadt nicht trotzdem immer was los ist.

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Also muss man doch raus, was erleben. Nur wohin? In einem geschlossenen Raum muss es sein. Das ist klar. Theater? Kino? Vielleicht lieber was Ausgefallenes. Waren Sie schon mal beim Freestyle-Motocross? Nein? Dann wird es höchste Zeit. Kommen Sie mit. Wir gehen rein.
Das Spektakel steigt am Sonnabend in der Uber Arena. Dort findet die Night of the Jumps statt. Das ist – zumindest nach Angaben des Veranstalters – die größte Freestyle-Motocross-Serie weltweit. Freestyle-Motocross bedeutet: Männer, die auf Motorrädern durch die Luft fliegen. Extremsport zwischen Hubraum-Dynamik und Ballett-Ästhetik. Der, der die waghalsigsten Tricks in der Luft macht, gewinnt. Dazu Männer auf BMX-Rädern, Männer auf Scootern und Männer, die Vierfachsaltos auf einem Trampolin performen. Frauen dürften laut Regelwerk theoretisch mitmachen. Es gibt aber keine. Man erwartet auch keine.
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Die Regeln des Wettkampfes sind schnell erklärt. Jeder Motocross-Fahrer hat 80 Sekunden Zeit, um sieben Sprünge über verschiedene Rampen zu zeigen. Am Ende gibt es den „Double Up“, einen achten Sprung, der mit doppelter Punktzahl gewertet wird. Die Sprünge werden von Punktrichtern nach Schwierigkeit und Ausführung bewertet.
Deutscher Motocross-Fahrer als Star des Abends
Luc Ackermann ist der einzige deutsche Fahrer im Teilnehmerfeld – und der erfolgreichste. Viermal in Folge konnte er den Wettbewerb bereits gewinnen. Auch in diesem Jahr hat er sich die Titelverteidigung vorgenommen, wie er im Interview mit der Morgenpost vor dem Wettkampf verriet. Doch das vorweg: Der Plan endet in einem kleinen Drama. Dazu gleich mehr.

Als der erste Fahrer Gas gibt und mit seinem Motorrad durch die Halle fliegt, bricht Euphorie aus. Die Zuschauer grölen und jubeln. Der Moderator sorgt für extra Stimmung und kommentiert die Sprünge. „Tsunami Backflip! Ja, spinnt der denn!?“
Wie die Männer mit ihren Motorrädern in der Luft posieren, erinnern sie ein bisschen an die Eiskunstläuferinnen und Eiskunstläufer, die dieser Tage bei den Olympischen Winterspielen in Italien zu sehen sind. Nur ohne Eis und ohne Schlittschuhe. Und generell ohne fast alles, was Eiskunstlauf ausmacht. Aber eben mit Motoren, Staub und Benzingeruch. In Maschinenkraft gegossene Eleganz.
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Dazu das Knattern der Vier- und Zweitakter (auch elektrisch betriebene Maschinen sind am Start). Umrahmt wird das Schauspiel von Pyrotechnik, Sprühfontänen und der Gewissheit, den frostigen Berliner Winter inmitten dieses Riesenspektakels kurz vergessen zu können.
Night of the Jumps: Enttäuschung und ein Weltrekord
Der deutsche Motocross-Star Luc Ackermann muss in der Qualifikation einen herben Rückschlag einstecken. Bei seinem ersten Lauf stürzt er. Einen doppelten Vorwärtssalto geht er auf der Rampe etwas zu offensiv an. Er überdreht und schafft es nicht, sein Motorrad zu landen. Die luftaufgeblasene Landerampe federt den Sturz ab, er bleibt unverletzt. Doch die Punktrichter sind gnadenlos. Für das Finale reicht es nicht. Die Enttäuschung ist riesig.
Die Show aber geht weiter. Mindestens einen Weltrekord muss es immer geben. Der Spanier Marc Pinyol will mit seiner 450er Honda von einer zwölf Meter hohen Hebebühne springen. Kurzer Anlauf. Backflip Drop auf die Landerampe. In Leipzig hat er diesen Sprung bereits gezeigt. Heute ist es also nur eine Wiederholung des Weltrekords. Aber immerhin: Weltrekord!

Im Publikum werden Bierbecher beiseitegestellt, Handys gezückt. „Das ist keine Kinderschaukel, das ist Leistungssport auf höchstem Niveau“, ruft der Moderator. Dann kehrt Stille ein. Die energydrinkdurchzogene Luft vibriert. Jetzt darf nichts schiefgehen. Der Spanier lässt den Motor aufheulen, fährt los und reißt den Lenker nach oben. Dann fliegt er durch die Luft. Rückwärtssalto, perfekte Landung. Die Menge tobt. Zurück bleibt der Geruch von Abgasen.
In der Gesamtwertung setzt sich am Ende der Australier Pat Bowden durch. Auf dem Siegerpodest gibt es Pokale und Sekt. Und eine letzte Sprühfontäne. Dann ist das Spektakel zu Ende. Vor der Uber Arena pfeift der Wind. Der Berliner Winter ist wieder da. Hat es sich trotzdem gelohnt? „Klar, immer“, sagt ein Fan. „Motoren wärmen.“ Er will auch im nächsten Jahr wiederkommen. Egal zu welcher Jahreszeit.






